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Ein Kirchenjahr voller Farben

Entdecke, was die Farben Weiß, Rot, Grün, Violett und Schwarz über Jesus, die Heiligen, die großen Feste des Glaubens sowie über Freude, Hoffnung und Trauer verraten.
Kerzen
Foto: Privat | Wusstest du, dass Farben immer auch eine Bedeutung haben? Deshalb ändern sich auch die Farben in der Kirche im Laufe des Jahres.

Hast du eine Lieblingsfarbe? Meine ist Rot. Und wusstest du, dass Farben auch immer eine Bedeutung haben? Wenn du zum Beispiel an Rot denkst, dann hast du vielleicht ein Bild von einem roten Herz als Zeichen der Liebe vor Augen oder denkst an Rot wie Blut oder Feuer. Gelb ist fröhlich, so wie ein Tag, an dem die Sonne vom Himmel lacht. Und Grün ist jetzt im Frühling alles um uns herum – Grün erzählt von neuem Leben. Farben sprechen nämlich auch eine Sprache.

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Sie vermitteln uns ganz unbewusst etwas. In den kommenden Tagen wirst du meine Lieblingsfarbe auch in der Kirche entdecken. Das Messgewand des Priesters und der Ministranten wird zum Pfingstfest Rot sein. Vielleicht entdeckst du auch, dass der Blumenschmuck und die Textilien auf den Nebenaltären oder am Ambo in Rot gehalten sind. Denn in der Kirche gibt es für verschiedene Feste auch verschiedene zugehörige Farben.

Dass uns die Farben in der Kirche einen Hinweis auf das jeweilige Fest geben, ist nicht schon immer so. Allerdings gibt es bereits im frühen neunten Jahrhundert Hinweise auf eine Farbordnung im Kirchenjahr. Seit dem Konzil von Trient im Jahr 1570 sind offiziell Farben festgelegt, die an das Kirchenjahr angepasst sind, und seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) sind die fünf liturgischen Farben für Gewänder auf Weiß/Gold, Rot, Grün, Violett und Schwarz festgelegt.

Wenn du nun einmal bewusst darauf achtest, dann erkennst du bestimmt, dass die Farben in der Kirche sich über das Jahr hinweg ändern. Und du merkst bestimmt auch, wie die Farben deine Stimmung beeinflussen. Mal ist es sehr festlich, mal eher ruhig und vielleicht sogar traurig und dann wieder fröhlich und energiegeladen. Jede Farbe im Kirchenjahr hat dabei eine andere Bedeutung.

Weiß ist die Farbe von Weihnachten und Ostern und den Festtagen, die auf diese beiden Feste folgen. Es ist die Farbe der Reinheit, des Lichts und der Freude. Und damit die Farbe für Jesus selbst. Auch an sogenannten „Herrenfesten“ wie Christi Himmelfahrt oder Taufe des Herrn wirst du in der Kirche die Farbe Weiß, oft ergänzt durch Gold, entdecken. Auch bei Festen Marias, der Apostel, der Engel und an Allerheiligen wird Weiß getragen. Zusätzlich wird die Farbe Weiß in der Kirche auch bei Sakramentfeiern wie Taufe, Erstkommunion, Ehe und Weihe sowie an Festen von Heiligen getragen, die nicht den Märtyrertod gestorben sind.

An Festen eines Märtyrers findest du hingegen dann die Farbe Rot. Denn Rot ist ja auch die Farbe des Blutes und deutet somit auf den Tod des heiligen Märtyrers hin. Rot fällt einem sofort ins Auge – es ist eine Farbe, die man nicht übersehen kann. Auch an Palmsonntag und Karfreitag, dem Tag von Jesu Tod, findest du Rot in der Kirche. Rot steht aber auch für die Liebe und das Feuer.

Wenn du am kommenden Sonntag das Evangelium liest, wirst du hören, dass der Heilige Geist mit Zungen aus Feuer auf die Apostel herabgekommen ist. Und genau aus diesem Grund wirst du meine Lieblingsfarbe an Pfingsten in der Kirche entdecken können. Auch bei der Firmung, der Aussendung des Heiligen Geistes, trägt der Bischof daher die Farbe Rot.

Seit einigen Wochen wird nun alles in der Natur wieder Grün und überall ist neues Wachstum zu entdecken. Die Bäume treiben wieder aus und Blumen sprießen im Garten. Grün ist deswegen die Farbe des Wachstums, der Hoffnung und des Lebens. Die Hoffnung auf neues Leben soll uns durch unseren Alltag begleiten, und als Zeichen für das Wachstum im Glauben ist Grün deswegen die allgemeine Farbe des Kirchenjahres. Sie wird immer dann in der Kirche erscheinen, wenn kein besonderer Festtag gefeiert wird. Die Farbe Grün erinnert uns auch immer an die besondere Schöpfung Gottes in der Natur und sie lädt uns deswegen ein, in Dankbarkeit vor ihn zu kommen.

Violett wirst du im Advent und in der Fastenzeit entdecken. Es ist eine ruhige Farbe, die am Ende des Farbspektrums liegt. Violett ist die Farbe der Umkehr und Buße. Auch die Stola des Priesters bei der Beichte ist in Violett gehalten. Bei Beerdigungen und beim Gedenken an die Verstorbenen, wie zum Beispiel an Allerseelen, wird diese Farbe manchmal statt Schwarz, der Farbe der Trauer, verwendet. Wenn du in die Farbe Violett etwa Weiß hineinmischst, erhältst du Rosa – eine helle Form von Violett.

Diese besondere Farbe gibt es nur zweimal im ganzen Kirchenjahr: am dritten Sonntag im Advent (am Fest von „Gaudete“, was „Freuet euch“ bedeutet) und am vierten Fastensonntag („Laetare“ = Freue dich). Hier erhellt ein kleiner Lichtstrahl von Weihnachten oder Ostern schon die Advents- oder Fastenzeit und möchte dir so schon ein kleines Stück der kommenden Festtagsfreude schenken. Eine letzte Farbe wirst du manchmal noch finden, auch wenn sie keine offizielle liturgische Farbe ist – Blau.

Die edle Farbe Blau war früher sehr schwierig und nur sehr teuer herzustellen, deswegen wurde diese Farbe in der christlichen Kunst für die Gottesmutter Maria benutzt. Bestimmt hast du schon gehört, dass Maria auch die Himmelskönigin genannt wird. Die Farbe Blau ist deswegen ein Hinweis auf sie und wird manchmal an Hochfesten wie zum Beispiel an Maria Himmelfahrt und bei Gottesdiensten zur Ehre Marias benutzt.

Kirchenfarben mit nach Hause nehmen

Jetzt, wo du alle Farben im Kirchenjahr kennst, kannst du ja beim nächsten Gottesdienstbesuch zum Farbdetektiv werden: Erkennst du anhand der Farbe der Messgewänder, welches Fest heute gefeiert wird und in welcher Zeit des Kirchenjahres wir uns befinden? Vielleicht magst du die Farben des Kirchenjahres auch ein bisschen mit in dein Zuhause nehmen. Du oder deine Eltern könntet zum Beispiel die Tischdecke oder die Kerzen farblich passend wählen.

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Und ein kleines Geheimnis will ich dir zum Schluss auch noch verraten: Ich habe Schuhe und Kleidung in fast allen Farben des Kirchenjahres. Seit einigen Jahren versuche ich immer, mein Outfit am Sonntag an die Farbe des Kirchenjahres anzupassen. Magst du mitmachen und am kommenden Sonntag etwas Rotes tragen? Vielleicht erfährst du dabei, dass die Glaubensbotschaft weit über Worte hinausgeht und alle Sinne berührt.


Die Autorin ist Sozialpädagogin, verheiratet und Mutter von drei Kindern. Sie schreibt auf ihrem Blog über das Kirchenjahr: www.sanktwerk.de/blog.

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