Jesus liebt jeden Menschen, aber er hatte auch besondere Freunde, wie die Geschwister Lazarus, Maria und Martha. Und ein Mensch war ihm besonders vertraut, da er ihn am längsten kannte und mit ihm verwandt war: Johannes der Täufer. Woher wir das wissen? Die Bibel berichtet ausführlich von Johannes und seiner Beziehung zu Jesus. Sie beginnt – wie so viele Geschichten mit Gott – mit einem Wunder.
Zacharias war ein Priester Gottes. Er und seine Frau Elisabet konnten keine Kinder bekommen, worüber sie sehr traurig waren. Eines Tages diente Zacharias im Tempel. Da erschien ihm Gabriel, der Engel des Herrn, und sprach: „Fürchte dich nicht, Zacharias! Dein Gebet ist erhört worden. Deine Frau Elisabet wird dir einen Sohn gebären; dem sollst du den Namen Johannes geben. Du wirst dich freuen und jubeln und viele werden sich über seine Geburt freuen. Denn er wird groß sein vor dem Herrn. Wein und berauschende Getränke wird er nicht trinken und schon vom Mutterleib an wird er vom Heiligen Geist erfüllt sein. Viele Kinder Israels wird er zum Herrn, ihrem Gott, hinwenden.“
Zacharias zweifelte
Doch Zacharias zweifelte; er erwiderte, er sei doch schon alt und könne sich nicht vorstellen, wie das geschehen könne. Da schlug ihn der Engel mit Stummheit. Und Gott erfüllte sein Versprechen. Elisabet wurde schwanger. Sie freute sich sehr, weil sie niemals erwartet hätte, in ihrem Alter noch auf ein Kind hoffen zu dürfen.
Etwas später geschah an einem anderen Ort, in der Stadt Nazareth, ein noch größeres Wunder. Der Engel Gabriel besuchte eine junge Frau namens Maria, eine Verwandte der Elisabet, und verkündete ihr: „Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden.“ Auf Marias Frage, wie das geschehen solle, obwohl sie noch nicht mit ihrem Verlobten Josef verheiratet war, antwortete Gabriel: „Heiliger Geist wird über dich kommen und Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Siehe, auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar gilt, ist sie schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich.“
So wurde Maria schwanger. Ratet einmal, an wen sie sich wandte in all ihrer Verwunderung. Sie reiste durch das Bergland von Judäa, um Elisabet zu besuchen. In dem Moment, als die beiden sich trafen, erkannten sich die Kinder, die noch ganz klein im Bauch ihrer Mütter ruhten. Der Evangelist Lukas beschreibt: „Und es geschah, als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.“
Was wird wohl aus diesem Kind werden?
Einige Monate später gebar Elisabet einen Sohn. Als die Leute fragten, wie das Kind heißen solle, sagte sie „Johannes“. Das kam nicht gut an, denn alle erwarteten, dass der Sohn nach seinem Vater benannt werden müsse. Zacharias, immer noch stumm, verlangte ein Schreibtäfelchen und schrieb: „Johannes ist sein Name“. Da konnte er wieder sprechen. Alle staunten und fragten sich, was aus diesem Kind werden würde. Vom Heiligen Geist erfüllt, lobte Zacharias Gott.
Johannes wuchs heran, lebte in der Wüste und der Heilige Geist war mit ihm. Stellt euch vor, ein junger Mann, der auf ein angenehmes Leben verzichtet und sich in der Einsamkeit auf seine große Aufgabe vorbereitet. Er trug ein Gewand aus Kamelhaar und ernährte sich von wildem Honig und Heuschrecken. Johannes begann zu predigen und rief alle Menschen zur Umkehr zu Gott auf. Viele hörten auf ihn, bereuten ihre Sünden und ließen sich von ihm im Jordan taufen. Diese Taufe war ein Zeichen der Reinwaschung von Sünde und Schuld. Manch einer fragte sich, ob der Täufer der Messias sei, der Retter, den Gott dem Volk Israel versprochen hatte. Doch Johannes wies sie auf Jesus hin: „Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.“
Auch Jesus ging hinaus zum Jordan und bat Johannes um die Taufe. Johannes zögerte. Er wusste, dass Jesus von Gott kommt und ohne Sünde ist – daher bedurfte er dieser Taufe nicht. Doch Jesus bestand darauf. Und nachdem er getauft war, öffnete sich der Himmel und Jesus sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen und eine Stimme aus dem Himmel sprach: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.“
Mut zur Umkehr
Johannes ermunterte alle zur Umkehr. Er nahm kein Blatt vor den Mund. So kritisierte er auch König Herodes, der unrechtmäßigerweise die Frau seines Bruders geheiratet hatte. Königin Herodias wurde zornig und drängte ihren Mann, Johannes ins Gefängnis zu werfen. Der König gehorchte seiner Frau, doch besuchte er Johannes oft im Kerker und unterhielt sich mit ihm. Spürte er, dass Johannes die Wahrheit sprach? Herodias ließ das keine Ruh. Bei einem großen Fest ließ sie ihre Tochter vor Herodes tanzen. Dem gefiel ihre Vorstellung. Vor allen Gästen versprach er dem Mädchen, ihr jeden Wunsch zu erfüllen. Die Mutter wies das Kind an, den Kopf Johannes des Täufers zu verlangen. Der König war traurig, wollte aber seinen Schwur nicht zurücknehmen und ließ Johannes enthaupten. Die Jünger des Johannes holten den Leichnam und berichteten Jesus von seinem Tod. Jesus war sehr traurig und zog sich an einen einsamen Ort zurück. Doch die Menschen folgten ihm und er hatte Mitleid und lehrte sie lange. Viele der Jünger des Johannes hatten verstanden, dass der Täufer die Welt auf das Wirken Jesu vorbereiten sollte. Sie schlossen sich Jesus an und folgten ihm.
Jesus sagte über Johannes: „Amen, ich sage euch: Unter den von einer Frau Geborenen ist kein Größerer aufgetreten als Johannes der Täufer.“
Johannes kannte Jesus schon, als er noch im Bauch seiner Mutter war. Er wollte Gott dienen und kannte keine Menschenfurcht; ja, er fürchtete nicht einmal den Zorn des Königs. Er gab sein Leben für Jesus hin. Darum glauben wir, dass Johannes der Täufer bei Jesus im Himmel ist, wo es keine Trauer über einen frühen Tod gibt. Die Kirche feiert den unbeirrbaren Heiligen gleich zweimal: am Fest der Geburt Johannes des Täufers, am 24. Juni, und am Gedenktag seiner Enthauptung am 29. August.
Die Autorin hat die Katechisten-Ausbildung an der Hochschule Heiligenkreuz absolviert und ist in der Gemeindekatechese tätig.
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