Bob: Opa, schau: Ich kann schon meinen Namen schreiben.
Lilly: Deine Schrift kann man ja überhaupt nicht lesen. Die Buchstaben sehen aus wie Hieroglyphen!
Opa: Du machst das schon richtig gut. Je mehr du schreibst, desto besser wird es. Wisst ihr eigentlich, wer solche Zeichen – also Hieroglyphen – verwendete?
Bob: Klar, die Ägypter! Aber ihre Schrift sah ganz anders aus!
Opa: Stimmt. Das Wort kommt aus dem Griechischen. „Hieros“ heißt „heilig“ und „glyphe“ bedeutet „eingemeißelt“. Für die Ägypter waren das also heilige Zeichen, die in Stein gemeißelt wurden.
Lilly: Die Ägypter kommen in der Bibel doch vor allem bei Josef und bei Mose vor, oder?
Opa: Genau. Die Geschichte von Josef habe ich euch ja schon erzählt. Und wenn ihr wollt, kann ich euch auch …
Bob: Oh ja, erzähl uns bitte die Geschichte von Mose!
Opa: Gerne. Zur Erinnerung: Josefs Familie zog vor ungefähr 3500 Jahren nach Ägypten. Dort wurden seine Nachkommen mit der Zeit zu einem großen Volk. Später kam ein neuer Pharao an die Macht. Er kannte Josef nicht mehr und hatte Angst vor dem wachsenden Volk der Israeliten. Deshalb machte er sie zu Sklaven und zwang sie zu harter Arbeit. Schließlich gab der Pharao einen grausamen Befehl: Alle neugeborenen Jungen der Israeliten sollten in den Nil geworfen werden.
Lilly: Damit sie ertrinken! Wie schrecklich!
Opa: Ja. Und genau hier beginnt die Geschichte von Mose. Seine Mutter versteckte ihn drei Monate lang. Doch dann wurde es zu gefährlich. Deshalb flocht sie ein Körbchen aus Binsen, also biegsamen Wasserpflanzen. Damit kein Wasser hineinkam, dichtete sie es zudem mit Pech ab. Dann legte sie ihr Baby hinein und setzte das Körbchen vorsichtig ins Schilf am Ufer des Nils. Ganz in der Nähe badete die Tochter des Pharao.
Bob: Es hat bestimmt laut geweint!
Opa: Gut möglich. Die Prinzessin entdeckte das Körbchen und ließ es von einer Dienerin holen. Als sie den Jungen darin erblickte, hatte sie Mitleid. Sie verstand sofort, dass es ein Kind der Israeliten sein musste. Trotzdem wollte sie es retten. Sie gab ihm den Namen Mose. Die Endung „-mosis“ kam früher in vielen altägyptischen Namen vor. Sie hieß so viel wie „geboren von“.
Bob: Und wie geht es weiter?
Opa: Moses große Schwester Mirjam beobachtete alles heimlich. Als sie sah, dass die Tochter des Pharao das Baby behalten wollte, ging sie mutig zu ihr. Sie fragte, ob sie eine Frau holen solle, die das Kind stillen könne. Die Prinzessin stimmte zu. Und Mirjam holte ihre eigene Mutter.
Lilly: Wow, die eigene Mama durfte Mose stillen und bekam wahrscheinlich sogar Geld dafür!
Opa: Richtig. Obwohl Mose von der Tochter des Pharao adoptiert wurde, durfte er in seinen ersten Lebensjahren bei seiner Mutter bleiben. Später kam er dann an den Hof des Pharao und wuchs im Palast auf.
Bob: Ein kleiner Prinz!
Opa: Ja, er lebte wie ein Prinz. Doch eines Tages machte er aus Wut einen großen Fehler: Er tötete einen Ägypter, der zuvor einen Israeliten misshandelt hatte. Mose wusste, dass er selbst zu diesem Volk gehörte, und litt mit ihnen. Als die Tat bekannt wurde, floh er aus Angst vor dem Pharao ins Land Midian. Das lag östlich von Ägypten, vermutlich im Gebiet des heutigen Saudi-Arabien.
Bob: Welche Strafe drohte ihm denn?
Opa: Mord war ein schweres Verbrechen. Damals entschied der Pharao über Leben und Tod. Mose musste mit der Todesstrafe oder harter Zwangsarbeit rechnen.
Bob: Und was machte er dann – ganz allein?
Opa: Mose floh weit weg aus Ägypten und arbeitete dort als Hirte. Später heiratete er Zippora. Sie bekamen zwei Söhne.
Bob: Er startete also ein ganz neues Leben.
Opa: Ja. Und viele Jahre später änderte sich sein Leben erneut – durch eine sehr besondere Begegnung. Eines Tages hütete er Schafe am Berg Horeb. Dieser Berg wird auch Sinai genannt. Dort sah er einen Dornbusch, der brannte, aber nicht verbrannte.
Bob: Wow! Ob man sich daran verbrennen konnte?
Opa: Das weiß ich nicht. Aber als Mose näher kam, hörte er deutlich eine Stimme, die ihn beim Namen rief. Sie sagte ihm, er solle seine Schuhe ausziehen, weil der Boden heilig sei.
Lilly: Wusste Mose sofort, wer mit ihm redete?
Opa: Mose kannte Gott bisher nur als eine ferne Macht. Doch jetzt erlebte er etwas ganz Neues: eine heilige Gegenwart, die ihn überwältigt haben muss. Er spürte: Das ist Gott, der nun mit ihm sprach. Gott sagte ihm: „Ich bin der Ich-bin, … der HERR, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs“.
Bob: Das ist aber ein komischer Name!
Opa: „Ich bin der Ich-bin“ könnte man auch mit „Ich bin da“ oder „Ich bin immer bei euch“ übersetzen. Gott wollte Mose und seinem Volk damit sagen: Ihr seid nicht allein. Ich begleite euch. Dieser Text wurde ursprünglich auf Hebräisch verfasst. Dort steht nicht wie in unserer Übersetzung „HERR“, sondern die vier Buchstaben: JHWH.
Lilly: Jahwe!
Opa: Genau. Die Juden sprechen diesen Namen aus Respekt aber nicht laut aus. Stattdessen sagen sie „Adonai“. Das ist ebenfalls Hebräisch und bedeutet: „Mein Herr“. Aber wichtig für uns ist: Gott nannte den Menschen hier zum ersten Mal seinen heiligen Namen. So können ihn alle Menschen bis heute persönlich ansprechen.
Bob: Und was passierte danach?
Opa: Dann sprach Gott weiter zu Mose. Er sagte: „Ich sende dich zum Pharao. Führe mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten heraus!“
Lilly: Hatte er nicht Angst, in Ägypten verhaftet zu werden, weil er dort jemanden getötet hatte?
Opa: Der Pharao, der damals herrschte, war inzwischen gestorben. Doch das wusste Mose nicht. Zunächst suchte er nach Ausreden, warum er nicht nach Ägypten gehen wollte. Doch Gott versprach, bei ihm zu sein. Auch sein Bruder Aaron sollte ihm helfen und für ihn sprechen. So machte er sich schließlich auf den Weg – zusammen mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen.
Lilly: Mose war doch so lange weg. Hat ihn sein Bruder noch erkannt?
Opa: Die Bibel erzählt, dass Aaron ihm in der Wüste bereits entgegenkam. Die beiden trafen sich am Berg Horeb. Sie umarmten sich vor Freude.
Bob: Woher wusste Aaron denn, wohin er gehen sollte?
Opa: Gott muss auch ihn beauftragt und ihm den Weg gezeigt haben. Dieses Wiedersehen war der Beginn ihrer gemeinsamen Aufgabe: Sie sollten das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten befreien. Doch bis es wirklich so weit war, sollte noch viel geschehen. Das erzähle ich euch beim nächsten Mal.
Bob: Kannst du mir bitte zeigen, wie man Jahwe schreibt? Dann übe ich nicht nur meinen Namen, sondern auch den Namen Gottes.
Opa: Sehr gerne. Und dir, Lilly, zeige ich, wie man ihn auf Hebräisch schreibt. Dann hast du auch eine Herausforderung.
Lilly: Oh ja!
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