An einem warmen Juninachmittag sitzen Jonas und Emma mit ihrem Opa im Schatten eines großen Baumes im Park. Auf der Wiese spielen Kinder, einige streiten, andere lachen. Emma schaut eine Weile zu und sagt dann leise: „Manche sehen irgendwie traurig aus.“ Opa nickt. „Genau so hat Jesus die Menschen angeschaut.“
„Im Evangelium heißt es heute: Als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben“, erklärt Opa. Jonas runzelt die Stirn. „Warum waren sie so müde?“
„Weil viele Menschen damals nicht wussten, woran sie sich halten sollten“, erklärt Opa. „Sie hatten Sorgen, Krankheiten und Angst. Und Jesus sieht das alles.“
Emma fragt: „Und was macht Jesus?“
„Zuerst fühlt er mit“, sagt Opa. „Er schaut nicht weg. Er hat ein Herz für die Menschen.“ Dann erzählt Opa weiter: „Jesus sagt: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter.“ Jonas überlegt. „Ernte? Das klingt nach Bauern.“ Opa lächelt. „Jesus meint damit: Es gibt viele Menschen, die Hilfe, Hoffnung und Liebe brauchen. Aber es gibt noch zu wenige, die ihnen davon erzählen.“
Emma fragt: „Und was sollen die Menschen tun?“ „Jesus sagt: Bittet den Herrn der Ernte, Arbeiter auszusenden. Das heißt: beten. Gott bitten, dass Menschen bereit sind, mitzuhelfen, ihm nachzufolgen. Dann passiert etwas Wichtiges.“ Opa erzählt weiter: „Jesus ruft seine zwölf Jünger zu sich und gibt ihnen Vollmacht.“ Jonas schaut überrascht. „Er schickt die Jünger los?“ „Ja“, sagt Opa. „Jesus behält seine Liebe nicht für sich. Er teilt sie.“
Opa zählt auf: „Die Apostel sollen Kranke heilen, Tote zum Leben erwecken und den Menschen helfen. Und Jesus sagt: Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.“ Emma denkt nach. „Sie sollen nichts dafür verlangen?“ „Genau“, antwortet Opa. „Gottes Liebe ist ein Geschenk. Und Geschenke teilt man weiter.“
Jonas fragt: „Aber können die Jünger das allein?“ Opa schüttelt den Kopf. „Nein. Jesus gibt ihnen seine Kraft. Jesu Gnade wirkt durch sie.“
Emma schaut Opa an. „Und wir?“ Opa lächelt. „Auch wir können helfen. Vielleicht nicht durch Wunder, aber durch Zuhören, Trösten, Teilen, Beten.“
Jonas nickt. „Dann sind wir auch ein bisschen Arbeiter in Gottes Ernte.“ „Ja“, sagt Opa. „Jesus sieht die Welt mit liebenden Augen – und er lädt uns ein, mit ihm zu sehen und zu handeln.“
„Opa“, meint Emma. „Ich glaube ich schaue mal zu dem Mädchen da drüben, das vorher so geweint hat. Vielleicht will es spielen…“ Jonas lächelt und fragt: „Hat Jesus eben Emma gesandt?“ Der Wind rauscht durch die Bäume, und Opa antwortet nachdenklich: „Ja, ich glaube schon. Jesus braucht und ruft Menschen mit offenen Herzen.“
Der Autor ist Mitglied der Ordensgemeinschaft der Servi Jesu et Mariae und ist als Seelsorger in der Familien- und Jugendarbeit tätig.
Auflösung zum Bibel-Quiz:
Wie ging es den vielen Menschen? - Sie waren müde und erschöpft
Welche Vollmacht gibt Jesus den zwölf Jüngern? - Unreine Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen
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