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Versöhnung braucht mehr Mut als Zuschlagen

Gottes Gebote brechen wir nicht erst, wenn wir Schlimmes anrichten. Es beginnt oft früher. Die Auflösung des Bibel-Quiz aus der Print-Ausgabe findet ihr am Ende des Impulses.
Kinder geben sich die Hand
Foto: Peter Esser | Mut zur Versöhnung: Ein Bibelimpuls zu Mt 5,17-37.

„Komm schon, Jonas! Wo bleibst du denn? Wir wollen nach Hause“, rief Emma und drehte sich nach ihrem Bruder um. „Die Oma hat bestimmt gekocht und mir knurrt schon der Magen“, erklärte sie dem Opa, der auch stehen blieb. Er fragte: „Was hast du denn, Jonas? So still bist du doch sonst nicht.“ Aber Jonas sah nicht einmal auf. Sie waren gerade aus der Messe gekommen und auf dem Heimweg. „Willst du mir nicht sagen, was dich beschäftigt?“, probierte es Opa noch einmal und nahm Jonas an die Hand.

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„Jesus war ganz schön streng heute. Ich konnte gar nicht zur Kommunion gehen“, brummte Jonas finster. „Warum denn?“, fragte Opa. „Naja, er hat doch gesagt, wer einen anderen Dummkopf nennt, soll nicht zum Altar gehen, bevor er sich entschuldigt hat.“ „Ah, du meinst das Evangelium! Ja, Jesus will unbedingt, dass sich die Menschen versöhnen. Da ist er sehr klar“, sagte Opa. Jonas schluckte. „Wer auf andere böse ist und sie beleidigt, kommt vor Gericht, hat er gesagt. Und da ist mir der Oskar eingefallen, mit dem ich mich schon wieder gezofft habe. Und dann hab ich mich nimmer vor den Altar getraut.“

„Der Oskar ist aber auch gemein“, platzte jetzt Emma heraus: „Von dem würd’ ich mir auch nix gefallen lassen! Immer schubst er andere herum und verteilt Kopfnüsse; die tun echt weh.“ Jonas riss sich von Opa los und ballte die Faust: „Man müsste ihn mal so richtig vermöbeln!“ Opa blieb wieder stehen: „Und du meinst, wenn du’s dem Oskar so richtig heimzahlst, wird er sich bessern?“ Die Kinder schwiegen. Emma blickte zu Boden: „Wahrscheinlich nicht.“

„Ihr kennt doch das fünfte Gebot“, fragte Opa. „Ich weiß schon: Du sollst nicht töten!“, antwortete Jonas. „Aber das ist doch eh klar!“ – „Wirklich, Jonas?“ Opa schaute ihm in die Augen: „Wenn dich deine Faust zum Bösen verführt …“ – „dann reiß sie aus und wirf sie weg, hat Jesus gesagt“, ergänzte Emma. „Und wenn dein Auge gierig ist, dann mach es lieber ganz fest zu! Warum tun Leute denn Böses und üben Gewalt?“, fragte Opa und ging weiter. „Aus Rache … oder weil sie etwas unbedingt haben wollen“, meinte Jonas. „Ja, aber dann …?“ Opa machte eine Pause. „Dann wird alles noch schlimmer“, sagte Emma. „Genau“, sagte Opa. „Jesus meint, die Gebote sind nicht erst dann gebrochen, wenn es zum Mord oder Diebstahl oder Ehebruch oder Betrug kommt, sondern wir verletzen sie schon vorher: wenn wir Dinge wollen oder tun, die dahin führen können.“

Jonas kickte eine Coladose von der Straße; die landete in der Wiese: „Aber das tun doch alle, Opa! Ich meine: beleidigen, hauen, wegnehmen, lügen!“ Emma bückte sich und hob die Dose auf: „Aber wir müssen nicht so sein, Jonas! Für Jesus sind wir irgendwie besonders.“ Opa lachte: „Das hast du schön gesagt, Emma. Jesus hat uns ausgewählt, damit wir den Menschen das Reich Gottes zeigen: Wir sollen Frieden bringen, wo Streit ist, und Wahrheit, wo die Lüge herrscht, und Liebe, wo Hass regiert. Er wollte uns seine Gebote ins Herz schreiben!“

Plötzlich blieb Jonas stehen. Ein Junge kam ihnen auf dem Skateboard entgegen. Jonas stemmte seine Hände in die Hüften: „Ich glaub’s ja nicht: Das ist doch der Oskar! Wenn man vom Teufel spricht …“ – „Na, na!“, sagte Opa: „Jetzt schnauf erst mal durch und dann zeig, dass du zu Jesus gehörst!“ Jonas stutzte: „Ach so. Dann … hmm … Du meinst, ich soll ihm vergeben?“ Opa zog die Augenbrauen hoch: „Du kannst ja erst mal mit ihm reden, Jonas!“ – „Und du bleibst da stehen, Opa?“ Der lächelte: „Und wir schauen zu, wie du Frieden machst.“

Ein paar Minuten später saßen sie am Esstisch. Oma hatte Jonas’ Lieblingsessen gemacht; es gab Spaghetti Bolognese. „Wie war es heute in der Messe?“, fragte sie nach dem Tischgebet. „Voll cool!“, mampfte Emma, den Mund voller Nudeln. „Jesus hat uns die Gebote ins Herz geschrieben“, erklärte Jonas, „und es hat funktioniert: Oskar hat sich sogar entschuldigt!“ Oma verstand gar nichts und schaute zu Opa. Aber der grinste bloß.

Der Autor ist ständiger Diakon, Lehrer und Theologe und lebt mit seiner Frau und vier Kindern bei Landsberg am Lech.


Auflösung zum Bibel-Quiz:
Was sollen wir tun, bevor wir Gott unsere Opfergaben bringen? – Uns mit demjenigen versöhnen, der etwas gegen uns hat.
Wie bezeichnet Jesus den Himmel? – Er nennt ihn „Gottes Thron“.

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