Ein kalter Novembermorgen. Nebel liegt über den Straßen, und Jonas und Emma sind eben mit Opa von der heiligen Messe nach Hause gekommen. „Opa“, sagt Emma leise, „heute war von so vielen Heiligen die Rede. Aber das sind doch alles Leute aus alten Zeiten, oder?“ Opa zieht die Jacke aus und nickt nachdenklich. „Ja, viele von ihnen lebten vor langer Zeit. Aber Allerheiligen meint noch viel mehr.“
Er setzt sich mit den Kindern an den Tisch und schlägt die Bibel auf. „Heute haben wir im Evangelium von den Seligpreisungen gehört. Jesus steigt auf einen Berg, setzt sich und sagt seinen Jüngern – und uns –, wie Menschen leben, die Gott nahe sind.“ Jonas erinnert sich: „Selig, die arm sind vor Gott … selig die Barmherzigen … selig, die Frieden stiften …“ „Genau“, sagt Opa. „Jesus beschreibt damit keine Superhelden und keine Überflieger. Er beschreibt Menschen, die Gott vertrauen – auch wenn ihr Leben schwer ist.“
Emma runzelt die Stirn. „Aber heilig sein klingt so groß.“ Opa lächelt. „Heilig sein heißt nicht: keine Fehler haben. Heilig sein heißt: zu Gott gehören.“
Er erklärt weiter: „Die Heiligen, die wir heute feiern, sind Menschen, die Jesu Worte ernst genommen haben, ihm nachgefolgt sind. Manche waren mutig, andere still. Manche berühmt, viele ganz unbekannt. Viele von ihnen haben geweint, gerungen und gelitten – und trotzdem Gott vertraut.“ Jonas fragt: „Warum sagt Jesus ‚selig‘? Weil Gott ihnen nahe ist?“ „Ja“, antwortet Opa. „‚Selig‘ sein bedeutet: von Gott gehalten, von ihm gesegnet, von ihm geliebt sein.“
Wir können jetzt anfangen, Heilige zu werden
Emma denkt an die „vielen Heiligen“, von denen der Pfarrer in seiner Predigt gesprochen hat. „Werden an Allerheiligen dann nur die bekannten Heiligen gefeiert?“ Opa schüttelt den Kopf. „Nein. Allerheiligen ist auch das Fest der vielen namenlosen Heiligen: Menschen, die niemand kennt – die freundlich waren, gerecht, barmherzig, die Frieden gestiftet, die Gott geliebt haben.“
Jonas fragt vorsichtig: „Kann ich auch heilig werden?“ Emma runzelt die Stirn. „Du und heilig“, wendet sie ein. Aber Opa schaut ihn ernst und liebevoll an. „Ja. Jesus spricht diese Seligpreisungen nicht nur für andere. Er spricht sie für uns.“ Emma will wissen: „Und wie fangen wir das an, Heilige zu werden?“ „Hier und jetzt, da, wo wir gerade sind“, erklärt Opa. „Wenn wir trösten, teilen, Frieden suchen, wenn wir Gott vertrauen und zu ihm beten.“ Draußen löst sich der Nebel langsam auf. Opa schließt: „Allerheiligen erinnert uns daran: Der Himmel ist voller Menschen, die Jesus nachgefolgt sind. Und die Seligpreisungen zeigen uns, wie man diesen Weg geht.“
Der Autor ist Mitglied der Ordensgemeinschaft der Servi Jesu et Mariae und als Seelsorger in der Familien- und Jugendarbeit tätig.
Auflösung zum Bibel-Quiz:
Wem gehört das Himmelreich? – Denen, die arm sind vor Gott
Wer wird Kinder Gottes genannt? – Die Frieden stiften
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