An einem warmen Augustabend sitzen Jonas und Emma mit ihrem Opa auf der Terrasse. Die Luft ist still, und irgendwo bellt ein Hund. Emma wirkt nachdenklich. „Manchmal“, sagt sie leise, „fühlt man sich ausgeschlossen. So wie heute, als die anderen Mädchen mich anfangs nicht mitspielen ließen.“
Opa nickt verständnisvoll. „Ja, Emma, das gibt es. Und genau davon handelt auch das morgige Evangelium.“ Opa schlägt die Kinderbibel auf. „Jesus geht in eine Gegend, die nicht zu Israel gehört, sozusagen ins Ausland. Dort lebt eine Frau, die große Sorgen hat: Ihre Tochter ist schwer krank.“ Jonas fragt: „Dann bittet sie Jesus um Hilfe?“ „Ja“, sagt Opa. „Sie ruft immer wieder: Hab Erbarmen mit mir!“
Emma wundert sich. „Jesus hilft nicht sofort?“ Opa schüttelt den Kopf. „Zuerst schweigt Jesus. Dann sagt er etwas, das sehr hart klingt: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.“
Jonas runzelt die Stirn. „Warum sagt Jesus das?“ „Das ist nicht einfach zu verstehen“, erklärt Opa ruhig. „Jesus weiß, dass er sich zuerst um das Volk Israel kümmern muss. Aber er hört der Frau trotzdem zu. Diese gläubige Frau gibt nicht auf, vielmehr macht diese Prüfung sie noch fester im Glauben.“
Opa liest weiter: „Sie wirft sich vor Jesus nieder und sagt: Herr, hilf mir!“ Emma hält den Atem an: „Sie bleibt dran.“ „Ja“, sagt Opa. „Und dann bringt Jesus ein Beispiel: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen.“
Jonas schaut erschrocken. „Das klingt aber gemein.“ Opa nickt. „Ja. Aber hört, was die Frau antwortet: ‚Aber selbst die Hunde fressen von den Brotkrumen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.‘“
Emma staunt. „Sie vertraut Jesus trotzdem.“ „Genau“, sagt Opa. „Sie glaubt ganz fest, ihr Glaube wird immer stärker: Sie weiß, auch ein kleines Stück von Jesu Liebe reicht aus.“
Opa liest weiter: „Jesus sagt: Frau, groß ist dein Glaube. Es soll dir geschehen, wie du willst. Und ihre Tochter war geheilt.“ Jonas lächelt. „Jesus hilft ihr doch!“ „Ja“, sagt Opa. „Jesus zeigt: Gottes Liebe ist größer als alle Grenzen. Sie gilt nicht nur wenigen, nicht nur dem einen Volk Israel, sondern allen Menschen.“
Emma denkt nach. „Dann zählt nicht, woher man kommt, sondern ob man vertraut.“ „Sehr gut“, sagt Opa. „Die Frau gibt nicht auf. Sie glaubt, auch wenn es schwer ist. Und genau darin wird sie für uns zur Lehrerin im Glauben.“
Jonas fragt: „Und was will Jesus uns damit sagen?“ „Wenn wir beten“, erklärt Opa, „dürfen wir vertrauen. Auch wenn Jesus nicht sofort antwortet. Er hört uns, immer.“
Der Autor ist Mitglied der Ordensgemeinschaft der Servi Jesu et Mariae und ist als Seelsorger in der Familien- und Jugendarbeit tätig.
Auflösung zum Bibel-Quiz:
Wer kommt zu Jesus? – Eine kanaanäische Frau
Wohin ist Jesus gesandt? – Zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel
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