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Italien: 1, Leihmutterschaft: 0

Italien stellt alle Staaten bloß, die zwar Menschenhandel verurteilen, aber beide Augen zukneifen, wenn ihre eigenen Staatsbürger davon profitieren.
Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni
Foto: IMAGO/Filippo Attili (www.imago-images.de) | „Eine vernünftige Regelung gegen die Kommerzialisierung des weiblichen Körpers und von Kindern. Menschliches Leben hat keinen Preis und ist nicht verhandelbar“, begrüßt Regierungschefin Giorgia Meloni das Gesetz auf X.

Ein echter Fortschritt für den Schutz von Frauen und Kindern: In Italien wird Leihmutterschaft künftig auch dann bestraft, wenn sie von italienischen Staatsbürgern im Ausland in Anspruch genommen wird. Das Gesetz, das am Mittwoch im Senat angenommen wurde, zielt auf Paare und Einzelpersonen, die das heimische Leihmutterschaftsgesetz umgehen, indem sie Länder aufsuchen, in denen man legal ein Kind kaufen kann. 

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Leihmutterschaft beruht auf der Ausbeutung von Frauen und macht Kinder zu einer Ware. Auch so genannte „altruistische“ Formen der Leihmutterschaft machen die Sache nicht besser. Nicht nur, dass auch hier ein Kind Gegenstand eines Vertrages ist. Sondern auch, dass sich hier im schlimmsten Fall alle Beteiligten – Agenturen, Ärzte, Kliniken, Labore – eine goldene Nase verdienen, während die einzige, die ein Risiko für Leib und Leben trägt, nämlich die Mutter, leer ausgeht.

Ein besonders perfider Zweig des Menschenhandels

In manchen Ländern, in denen Formen der „altruistischen“ Leihmutterschaft legal sind, etwa den USA und Großbritannien, erhält aber auch die Leihmutter eine Entschädigung, die einem Jahreslohn in nichts nachsteht. Für Bestelleltern ist eine „altruistische“ Leihmutterschaft in den USA oder England damit oft teurer als eine kommerzielle in der Ukraine oder Georgien. In Deutschland argumentiert man trotzdem gerne: Weil deutsche Bestelleltern andernfalls ins Ausland gehen, solle Leihmutterschaft doch auch im Inland legalisiert werden. Das ist bestenfalls blauäugig, schlimmstenfalls zynisch.

Denn Leihmutterschaft ist ein besonders perfider – und lukrativer – Zweig des Menschenhandels in menschenfreundlichem Gewand. Italien hat die einzige Möglichkeit gewählt, sie effektiv zu unterbinden: Anders als andere Formen des Menschenhandels operiert Leihmutterschaft nicht zu 100 Prozent im illegalen Raum, sondern ist auf das Entgegenkommen und die freundliche Duldung der Staaten angewiesen. Denn ohne rechtliche Anerkennung der Elternschaft können die Bestelleltern ihre Wunschkinder nicht als ihre eigenen großziehen. Würden alle Herkunftsländer der Bestelleltern – also die reichen Industrienationen der Erde – den Weg Italiens gehen, wäre der milliardenschwere Leihmutterschaftsmarkt damit ausgetrocknet. Italien stellt also alle Staaten bloß, die Menschenhandel im Ausland beweinen, aber nichts dagegen tun, dass ihre eigenen Staatsbürger genau davon profitieren.

„Eine vernünftige Regelung gegen die Kommerzialisierung des weiblichen Körpers und von Kindern. Menschliches Leben hat keinen Preis und ist nicht verhandelbar“, begrüßt Regierungschefin Giorgia Meloni das Gesetz auf X. Diese Argumentation unterschlägt die Berichterstattung durch deutsche Medien fast durchgängig. „Unfruchtbare oder homosexuelle Paare können in Italien keine Kinder mehr bekommen“, titelt „Der Spiegel“ dagegen in frecher Täter-Opfer-Umkehr.

Es gibt kein Recht auf ein Kind

Nun liegt es offensichtlich in der Natur der Sache, dass unfruchtbare und homosexuelle Paare auf natürlichem Wege keine Kinder bekommen können, und zwar nirgendwo auf der Welt. Unfreiwillige Kinderlosigkeit kann für die Betroffenen, egal ob hetero- oder homosexuell, großes Leid bedeuten. Es spricht nichts dagegen, Wege zu suchen, dieses Leid zu lindern. Nur darf das nicht durch die Schaffung neuen Leids geschehen, indem einer Frau ihr Kind und einem Kind seine Mutter entrissen wird.

Aus dem Wunsch nach einem Kind entspringt kein Recht auf ein Kind, das um jeden Preis durchgesetzt werden kann, auch unter Missachtung der fundamentalen Rechte anderer Menschen. Es ist nicht Aufgabe des Staates, seinen Staatsbürgern ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Es ist aber sehr wohl seine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass kein Mensch zum Vorteil eines anderen ausgebeutet und als Ware behandelt wird. Das hat Italien konsequent zu Ende gedacht.

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Franziska Harter Giorgia Meloni Leihmütter

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