Equal Care Day

Familiäre „Care-Arbeit“ sichtbarer machen

Die Initiative „Equal Care Day“ fordert eine finanzielle und ideelle Anerkennung für die Sorgearbeit, die in Familien an Kindern und pflegebedürftigen Angehörigen geleistet wird.
"Equal Care Day" : Honorierung von Pflegearbeit
Foto: Christoph Soeder (dpa) | Zum siebten Mal in Folge findet heute der jährliche "Equal Care Day" statt, der sich für gerechte Verteilung und Honorierung von Pflegearbeit einsetzt.

Größere gesellschaftliche Wertschätzung, mehr öffentliche Wahrnehmung, eine gerechtere Verteilung und finanzielle Anerkennung der Pflegearbeit, die tagtäglich in Familien geleistet wird, das sind die Forderungen der Initiative „Equal Care Day“. Zum siebten Mal in Folge findet der jährliche Aktionstag heute statt. In Schaltjahren liegt er auf dem 29. Februar, in den anderen Jahren auf dem ersten März. Dieses Jahr findet anlässlich des „Equal Care Day“ die ECD-Städtekonferenz in Bonn, Bremen, Düsseldorf und Hannover, sowie parallel auf einer Online-Plattform statt.

Lesen Sie auch:

Unsichtbare Arbeit

Warum der 29. Februar? Die Website der Initiative erklärt: „Care-Arbeit ist überwiegend “unsichtbare Arbeit”. Sie wird, genau wie der Schalttag 29. Februar, oft übergangen. Daher findet der Equal Care Day am 29. Februar in Schaltjahren und in allen anderen Jahren am 1. März statt.“ Außerdem bilde das gewählte Darum auch die Verteilung von Care-Arbeit zwischen den Geschlechtern ab. Diese werde im Privatleben, im Ehrenamt und im Beruf zu 80% von Frauen übernommen.

 „Die Care-Krise lässt sich weder lösen, indem man sie exportiert, noch, indem man sie als privates Problem ins Unsichtbare schiebt. Stattdessen braucht es einen neuen Generationenvertrag, der eine wirkliche Vereinbarkeit von Erwerbs- und Sorgearbeit ermöglicht, und zwar für alle Geschlechter gleichermaßen, für Arm und Reich, zugezogen und alteingesessen. Und wir brauchen ein System der finanziellen und ideellen Anerkennung von Care-Arbeit, das Menschen für ihre Sorgearbeit wertschätzt und nicht abstraft“, so erklären Sacha Verlan und Almut Schnerring, die Initatoren des „Equal Care Day“ ihr Anliegen.

Das „Equal Care Manifest”belegt anhand einer Oxfam-Studie von 2020, dass weltweit vor allem Frauen unter- oder unbezahlte Care-Arbeit leisten. Dies sei auch wesentlich für den Gender Pay Gap zwischen Mann und Frau verantwortlich. Die Situation habe sich durch die Corona-Pandemie erheblich verschärft, da sowohl die berufliche Pflege- und Fürsorgearbeit in Deutschland zu über 85 Prozent von Frauen geleistet werde, als auch die Folgen von geschlossenen Kitas und Schulen zumeist von Frauen geschultert worden seien.

Schlechterstellung von Frauen

Die Schlechterstellung von Frauen münden laut Manifest in einer erheblichen Rentenlücke: „Bis zu 75% der heute 35- bis 50-jährigen Frauen werden eine gesetzliche Rente beziehen, die unter dem jetzigen Hartz-IV-Niveau liegt.“

Die Initiative fordert daher unter anderem eine Anerkennung privater Care-Arbeit in der Alterssicherung und die Einführung einer finanziell abgesicherten Familienarbeitszeit. Durch eine Vervielfältigung der Erwerbsmodelle soll außerdem eine gleichberechtigtere Arbeitsteilung in Familien ermöglicht werden. Die Initiative fordert auch von privatwirtschaftlichen Unternehmen, private Sorgearbeit finanziell und ideell zu honorieren. Strukturelle Forderungen betreffen den Ausbau professioneller Unterstützungsangebote in den verschiedenen Bereichen der Pflegearbeit sowie eine Mitbestimmung der Pflegenden bei der individuellen Inanspruchnahme dieser Angebote.

Lesen Sie auch:

Hoher Zeitaufwand 

 „Grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Lebens- und Arbeitsbereiche aufgeteilt werden. Was allerdings dagegenspricht, ist die Hierarchie, die damit einhergeht. Dass das eine bezahlt wird, das andere unsichtbar bleibt und einfach vorausgesetzt wird“, so Schnerring. Laut der Website der Initiative bedeute “Equal” nicht „gleich viel“, sondern „gleichwertig“.

Ziel sei nicht, dass alle den gleichen zeitlichen Umfang an Care-Arbeit leisten müssten, damit eine faire Verteilung erreicht sei, sondern Equal Care sei „die Aufforderung an all jene, die von der (privaten) Sorgearbeit profitieren, insbesondere Staat und privatwirtschaftliche Unternehmen, Care nicht als Allgemeingut und Ressource auszubeuten zur eigenen Gewinnmaximierung. Equal Care ist also der Appell, Verantwortung zu übernehmen, Care-Arbeit zu honorieren und einen gesellschaftlichen Ausgleich zu schaffen, damit Sorgetätige nicht finanziell und ideell bestraft werden für ihre systemrelevante Arbeit.“ DT/fha

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung

Weitere Artikel

Der Krieg gegen die Ukraine bringt - bei allen schrecken - auch wieder das Gute im Menschen zum Vorschein: Aufopferungsvoll stehen viele Freiwillige und Mitarbeiter großer Organisationen den ...
30.09.2022, 07 Uhr
Johannes Hartl
Podcasts, Blog und Vorträge: Eine Online-Plattform macht die Theologie des Leibes für ein breites Publikum zugänglich.
21.11.2022, 05 Uhr
Franziska Harter

Kirche

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke äußert sich zum „Ad-limina-Besuch“ der deutschen Bischöfe, zur Gefahr eines Schismas und zum neuen kirchlichen Arbeitsrecht.
26.11.2022, 14 Uhr
Dorothea Schmidt
Der Vatikan hat die Kritik der Kardinäle Ladaria und Ouellet am Synodalen Weg veröffentlicht. Diese Transparenz schafft Orientierung, wo bisher nur ungläubiges Staunen über die Bischöfe war.
25.11.2022, 11 Uhr
Guido Horst
Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt in zwei Fällen gegen den Kölner Kardinal wegen des Verdachts der falschen eidesstattlichen Versicherung. Ökumenisches Gebet abgesagt. 
25.11.2022, 11 Uhr
Meldung
Im Wortlaut die Stellungnahme von Kardinal Marc Ouellet zum Synodalen Weg beim interdikasteriellen Treffen mit den deutschen Bischöfen.
24.11.2022, 17 Uhr
Kardinal Marc Ouellet