Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar zum Familienreport

Die Ampel als familienfeindlich entlarvt

Der gesunde Selbsterhaltungstrieb müsste spätestens jetzt die Regierung zu einer familien- und geburtenfreundlichen Politik treiben – und zwar jenseits reproduktionsmedizinischer Allmachtsphantasien.
Familienreport des Familienministeriums
Foto: IMAGO/Michael Gstettenbauer (www.imago-images.de) | „Natalistische Familienpolitik“ hat in Deutschland einen schlechten Ruf, was dazu geführt hat, dass die Politik die sinkende Geburtenrate seit Jahrzehnten ignoriert – zu Unrecht.

Der 15. Mai ist in ländlichen Gegenden immer noch als die „kalte Sophie“ bekannt: Der Gedenktag der römischen Märtyrerin Sophia markiert als Letzte der Eisheiligen den letzten Tag im Frühling, an dem es noch Frost geben kann. Neben dem Klimawandel muss sich Deutschland auf eine andere Eiszeit vorbereiten, nämlich die demografische. Der 15. Mai wird seit 1993 seitens der Vereinten Nationen als Internationaler Tag der Familie gefeiert. Es ist bezeichnend für die Familienpolitik unseres Landes, dass der Tag es kaum in eine Randnotiz schafft, während die LGBT-Community im Juni auch dieses Jahr einen ganzen Monat lang frenetisch gefeiert werden wird.

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Immerhin brachte das Bundesfamilienministerium wieder einmal einen Familienreport heraus. Früher erschienen sie jährlich, nun verlängern sich die Abstände zusehends. Auch das Meinungsforschungsinstitut INSA Consulere hat diese Woche eine repräsentative Familienstudie vorgelegt, die es in sich hat: Familie ist für die meisten Menschen größter Halt in Krisenzeiten und Glücksgarant Nummer eins. Gleichzeitig hält fast jeder Zweite (49 Prozent) Deutschland für nicht kinderfreundlich. Sogar über die Hälfte (56 Prozent) ist der Meinung, dass Familie von der deutschen Politik nicht genug Anerkennung erhält.

Die Zahl der ungewollt Kinderlosen steigt

Da stimmt der Familienreport des Familienministeriums natürlich nicht zu, aber auch der kommt nicht umhin, die alarmierende Sachlage immerhin durchscheinen zu lassen: Die Zahl der ungewollt Kinderlosen steigt, Menschen mit einem niedrigen Haushaltseinkommen haben deutlich seltener Kinder als Reichere, Depression und Einsamkeit steigen gerade in der Generation der Unter-30-Jährigen rasant an. Die Geburtenrate sinkt weiterhin kontinuierlich, von noch 1,58 Kindern pro Frau 2021 auf 1,36 Ende 2023.

„Natalistische Familienpolitik“ hat in Deutschland einen schlechten Ruf, was dazu geführt hat, dass die Politik die sinkende Geburtenrate seit Jahrzehnten ignoriert – zu Unrecht. Zwar kann es nicht darum gehen, Menschen zu einer bestimmten Lebensgestaltung zu drängen, aber die Politik hat trotzdem eine Verantwortung, wenn es darum geht, den Rahmen bereitzustellen, in dem Menschen gerne Kinder bekommen und dafür nicht sozial und finanziell abgestraft werden. Dazu muss die Regierung dringend einsehen, dass die klassische Familie aus Mutter, Vater und Kind nicht nur die Realität der überwältigenden Mehrheit ist, sondern auch das, was die meisten Menschen in Deutschland wollen und für gut befinden (86 Prozent der Befragten laut INSA).

Klientelpolitik für Regenbogenfamilien

Stattdessen macht das Familienministerium Klientelpolitik für eine verschwindend geringe Minderheit an Regenbogenfamilien, in denen nur 0,4 Prozent aller minderjährigen Kinder in Deutschland aufwachsen. Kein Wunder, dass ein Drittel der Deutschen Lisa Paus nicht kennt. Von denen, die sie kennen, geben fast zwei Drittel an, dass die Familienministerin einen schlechten Job macht.

Das Drama des fast weltweiten Einbruchs der Geburtenrate wird langsam offenbar. Allein der gesunde Selbsterhaltungstrieb müsste eine Regierung spätestens jetzt eine familien- und geburtenfreundliche Politik zur Priorität zu machen – und zwar jenseits reproduktionsmedizinischer Allmachtsphantasien. Die bisherigen Lösungen – Stichwort Migration, Ausbau der staatlichen Kinderbetreuung, Erhöhung des Frauenanteils auf dem Arbeitsmarkt – haben offensichtlich nicht funktioniert und werden laut Umfragen von den Menschen gar nicht unbedingt gewollt. Trotzdem sind das die Thesen, die mantraartig wiederholt werden. Man fühlt sich unwillkürlich an Einsteins Bonmot erinnert: „Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“

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