Dublin

Irland: Schulen geben katholisches Ethos auf

Drei Grundschulen – eine in Roscommon und zwei in Kerry – beginnen das neue Schuljahr überkonfessionell.

Grundschulen in Irland
Im Sog der Liberalisierungswelle: Grundschulen in Irland. Foto: Karl-Josef Hildenbrand (dpa)

In Irland ist das Bildungswesen fest in der Hand der katholischen Kirche. Sie unterhält etwa 90 Prozent der Grundschulen. Drei Schulen in Irland werden in dieser Woche Geschichte schreiben: Sie werden ihr katholisches Ethos aufgeben und überkonfessionelle staatliche Einrichtungen werden.

Säkularer Neustart

Die drei Grundschulen Lecarrow in der Grafschaft Roscommon und Tahilla National School sowie Scoil an Ghleanna in der Grafschaft Kerry werden am morgigen Donnerstag unter dem Dach der örtlichen Schul- und Ausbildungsbehörde ihre Pforten öffnen. Das hat Konsequenzen für das Curriculum: Demnächst bringen unterschiedliche Glaubensrichtungen ihre Werte in den Unterricht ein.

Neue Schülerkreise erschließen

Die Schulen hoffen, mit dieser Maßnahme Schüler aus Irlands wachsender Zahl an Atheisten, Agnostikern und Nichtkatholiken anzuziehen. „Wir hatten ein Drittel unserer Schüler, die nicht religiös waren, also mussten wir uns das ansehen“, so Sorcha Ni Chatháin, Schulleiter von Scoil an Ghleanna, gegenüber dem irischen Sender „RTÉ News“. „Wir mussten uns überlegen, wie wir die Schüler halten und andere anwerben sollten. Wir sind eine wunderschöne Schule an einem schönen Ort und können jetzt mit guten Grund sagen: Wir sind inklusiv.“

Allgemeine Zustimmung

Lehrer, Eltern und katholische Geistliche befürworten die Maßnahme als überlebenswichtig. „Dies ist, was die Gemeinde wollte und ich war glücklich, diesen Prozess zu erleichtern“, sagte etwa Pater Patsy Lynch, der Pfarrer. Die katholische Kirche hat bereits zuvor ungenutzte Schulgebäude an eine konfessionsübergreifende Schirmherrschaft übertragen.

Hintergrund: Irland erlebt Liberalisierungsschub

Die Übertragung der Schulträgerschaft passiert im Kontext einer Welle der gesellschaftlichen Liberalisierung in dem traditionell katholischen Land. Themen wie die gleichgeschlechtliche „Ehe“ oder die Abtreibung werden heute anders behandelt als noch vor einigen Jahren. Die Teilnahme an katholischen Gottesdiensten ist zurückgegangen. Die Migration – 17 Prozent der Bevölkerung wurde im Ausland geboren – hat die Zahl der Nichtkatholiken in Irland erhöht.

DT/jobo

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