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Zu Gast bei König Donald, ohne König Karl

Es geht wieder los mit der schönsten Nebensache der Welt. Doch wie steht es um die Vorfreude auf die Fußball-Weltmeisterschaft – und um die deutschen Chancen?
Fussball WM 2026 Testspiel USA - Deutschland
Foto: IMAGO/Markus Ulmer (www.imago-images.de) | Es geht wieder los mit der schönsten Nebensache der Welt. Können die deutschen Kicker überzeugen? 2018 und 2022 war bereites in der Vorrunde Schluss.

Kriege, Krisen und Konflikte überall – und die USA, das Haupt-Gastgeberland der diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft, mittendrin. Kann da so richtig mitfiebern, wer einst schon Wochen vor dem Anpfiff die Wangen schwarz-rot-gold bemalt hatte, die Seitenspiegel seines Golfs mit Stoffüberziehern in den Landesfarben verzierte und das alte Fußballtrikot mit der Rückenaufschrift „Kroos“, „Ballack“, „Bierhoff“ oder „Brehme“ selbst beim Gang zum Supermarkt trug? 

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Andererseits: Schon bei den vergangenen Turnieren in Katar oder Russland mochte dem politisch nicht völlig desinteressierten Fußballfan ein wenig mulmig gewesen sein. Die Welt zu Gast bei Freunden? Auch 2018 und 2022 konnte man darüber nur müde lächeln. Hoffte man 2018 noch darauf, dass es mit Putin vielleicht doch nicht ganz so schlimm werden würde, setzte das DFB-Team 2022 in Katar ganz auf stummen Protest – Stichwort: Hand-vorm-Mund-Geste und „One-Love“-Armbinde. Das frühe Ausscheiden der deutschen Kicker jeweils in der Gruppenphase hatte damit ganz sicher nichts zu tun. Oder?

Fußball-Philosoph Lothar Matthäus weiß Rat

So oder so: König Fußball gilt bekanntlich als die schönste Nebensache der Welt. Und wer alle vier Jahre auf die Freuden eines Kräftemessens der größten Ballkünstler des Planeten nicht verzichten möchte, wird auch in diesem Jahr fünf gerade sein lassen – und die Fußballfestspiele, die heute mit dem Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika unter dem strengen Blick von König Donald beginnen, gespannt verfolgen. Mit der Gewissheit, dass die wohl beliebteste Sportart der Welt auch diesmal wieder Mitreißendes, Kurioses und Dramatisches auf und neben dem Platz bieten wird. 

Welche Dramen er schreiben kann, hat der Fußball schon vor dem eigentlichen Beginn des fast sechswöchigen Mega-Turniers bewiesen: Der verletzungsbedingte Ausfall von Lennart Karl, einem der wohl talentiertesten Nachwuchskicker des deutschen Kaders, hat das DFB-Team schwer getroffen. Hohe Erwartungen waren mit ihm verbunden, dem sogar ein Platz in der ersten Elf winkte. Trotz seiner Körpergröße von nur 1,68 Metern wird er schon „Karl der Große“ genannt. Und befindet sich auf dem besten Weg, weltliche und geistliche Fußballmacht auf sich zu vereinen. Denn sein Idol ist der mehr als doppelt so alte Lionel Messi – eine aktive Legende sozusagen, oft zum „Messias“ erklärt. Kann „König“ Karl einmal der neue Messi, gar der neue Messias des deutschen Fußballs werden? Eine Frage, die diese WM nun leider definitiv nicht beantworten wird.

Karls Verletzung ist schmerzhaft für das deutsche Team, schmerzhaft noch viel mehr für den Spieler selbst, der nun im zarten Alter von nur 18 Jahren bereits lernen muss, was es heißt, mit Rückschlägen und mit geplatzten Träumen umzugehen. Dennoch: Ihm dürfte eine große Karriere bevorstehen, ob bei seinem Verein, dem FC Bayern München, oder in der deutschen Nationalmannschaft. Kein Grund also, „den Sand in den Kopf zu stecken“, wie schon der deutsche Fußball-Philosoph Lothar Matthäus wusste.

Blaues Wunder gegen Curaçao?

Immerhin kann Karl sich darauf freuen, nächste Saison wieder in einem Team spielen zu dürfen, dem solch geniale Fußballer wie der Franzose Michael Olise angehören. Der offensive Rechtsaußen der Münchner Bayern könnte zum großen Star des Turniers in Nordamerika werden – und somit die Zentrifugalkräfte erhöhen, die ohnehin schon an ihm zerren und ihn zu einem Wechsel in Richtung des europäischen Auslands bewegen wollen. Die heißeste Spur der letzten Tage, glaubt man der Gerüchteküche: Real Madrid.

Doch aufmerksame Beobachter des Transfermarkts wissen: Auch in der Gerüchteküche wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Da müssten die Königlichen schon ein mehr als fürstliches Angebot auf den Schreibtisch von Uli Hoeneß am Tegernsee legen. Und ohnehin: Solange sich Olise, in Abwandlung der alten Fußballer-Weisheit „München oder Madrid – Hauptsache Italien“, nicht für den Klub entscheidet, in dessen Stadion kürzlich noch der amerikanische Papst Leo XIV. die Massen begeisterte, haben die Fans des FC Bayern ohnehin nichts zu befürchten.

Ob Fans des FC Bayern, der Dortmunder Borussen oder der Werkself aus Leverkusen: Die WM werden sie alle aufmerksam verfolgen und gleichzeitig bedauern, dass einer wie Olise nicht in ihren Reihen spielt. Aber um Curaçao zu besiegen, den ersten Gegner der DFB-Auswahl, sollte es am Sonntag dennoch reichen. Oder droht gegen den krassen Außenseiter aus der Karibik ein blaues Wunder?

Alle, die den deutschen Adler schon im Sinkflug sehen, dürfte beruhigen: Auch als drittplatziertes Team einer Gruppe kann man bei diesem, auf 48 Teilnehmer aufgeblähten Turnier, noch weiterkommen. Das blaue Wunder droht dann spätestens, wenn es in der KO-Runde wirklich gegen „Les Bleus“, die Franzosen, gehen sollte. Daher, liebes DFB-Team, am besten gleich am Sonntag glänzen, mit vielen Toren. Am besten solche, bei denen der Ball, wie einst Mehmet Scholl schwärmte, „schön flach oben reingeht“.


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