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Ferdinand von Habsburg: Im royalen Rennwagen Richtung Ewigkeit

Kaiserurenkel Ferdinand von Habsburg hat den Durchbruch in der Motorsportwelt geschafft. Dort fällt er neben seinem Können vor allem durch eines auf: seinen katholischen Glauben.
Ferdinand von Habsburg
Foto: IMAGO/Joao Filipe (www.imago-images.de) | Schnell und katholisch unterwegs: Ferdinand von Habsburg.

Humorvoll, tiefsinnig, charmant – eigentlich ist Ferdinand von Habsburg genauso, wie man sich einen Prinzen und theoretischen Thronerben vorstellt. Wäre da nicht noch das kleine Wort mit großen Auswirkungen: „katholisch“. Während andere Prinzen Schlagzeilen damit machen, Partys mit viel Champagner und schönen Frauen zu feiern, fällt der österreichische Kaiserurenkel damit auf, dass er sich regelmäßig ins Kloster zurückzieht und in Interviews beinahe revolutionär anmutende Dinge sagt, wie dass er sich auch vorstellen könnte, Priester zu werden. Nach seiner Teilnahme am berühmtesten Langstreckenrennen der Welt „Le Mans Series“ dieses Jahr pilgerte der imperiale Rennfahrer nach Medjugorje. Doch was bringt den 25-Jährigen dazu, seinen Sommerurlaub lieber an Gebetsstätten zu verbringen als sich auf einer Partyinsel wie Ibiza königlich zu amüsieren? „Wenn man Hoffnung braucht und Zuwendung und Liebe, dann sollte man eher an einen Wallfahrtsort gehen als nach Ibiza – dort holt man sich wahrscheinlich eine Geschlechtskrankheit“, entgegnet der Rennfahrer schmunzelnd.

Doch so fromm wie heute war der blonde Wuschelkopf mit dem verschmitzten Grinsen nicht immer: Er ließ sich erst mit 18 Jahren firmen, statt wie vorgesehen mit 14 Jahren. Erst durch Begegnungen und Gespräche mit gläubigen Christen wurde aus dem trotzigen Teenager ein überzeugter Katholik.

Offen reden über den Glauben

Über seinen Glauben auch in säkularen Medien offen zu sprechen, ist für den Habsburger inzwischen etwas ganz Normales: „Die einen reden über Corona oder die Klimakrise oder politisches Zeug – ich bin überzeugt, dass der Glaube und Nächstenliebe das sind, was am meisten fehlt in unserer Welt.“ Doch schiefe Blicke bleiben dem Rennfahrer dafür nicht ganz erspart: „Meine Kollegen sind oft überrascht, dass ich gläubig bin. Sie schauen mich ein bisschen so an wie ich jemanden anschauen würde, der Ketchup auf eine Pizza geben würde. Da würde ich mir denken: Was ist mit dem los? Aber trotzdem oft mit einem gewissen Interesse“, sagt der Habsburger in seinem wienerisch gedehnten Dialekt. Auch wenn nicht ganz einfach, gibt sich das junge Talent Mühe, den Glauben mit dem zeitintensiven und stressigen Job zu vereinbaren: Im Flugzeug auf dem Weg zu Rennen betet er den Rosenkranz, der auch neben seinem Laptop in seiner Wiener Wohnung liegt, vor Rennen am Sonntag steht noch die Frühmesse auf dem Programm.

Werte weitergeben und repräsentieren

Den christlichen Glauben verbindet der Adelsspross, für dessen ganzen Namen „Ferdinand Zvonimir Maria Balthus Keith Michael Otto Antal Bahnam Leonhard Habsburg-Lothringen“ man sogar ohne Adelstitel gleich zweimal Luft holen muss, auch mit der Dynastie der Habsburger. „Der Name ist lange sehr stark für christliche Werte gestanden. Diese Werte weiterzugeben und selbst zu repräsentieren – das bedeutet für mich ein Habsburger zu sein.“ Und das, obwohl in seiner Familie nicht alle so fromm sind wie er: Seine Mutter bezeichnet er als „Suchende“, die sich für verschiedenste Religionen interessiert. „Aber ich bete für sie, dass sie die Autobahn findet und nicht immer auf der Seitenstraße rumfährt.“ Ferdinand selbst hat auf der Rennstrecke seinen Weg bereits gefunden. Vergangenes Jahr schaffte er mit seinem Sieg im Rennen der Langstreckenserie „European LeMans Series“ den Durchbruch und holte sich im selben Jahr gleich noch einen Weltmeistertitel in der zweithöchsten Kategorie der Langstreckenrennen in Bahrain.

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Die laufende Saison krönte der Rennfahrer, der viermal durch die theoretische Führerscheinprüfung gerasselt war, zuletzt mit dem ersten Platz in der Langstrecken-Weltmeisterschaft bei den „6 Stunden von Monza“. Seit dieser Saison ist Ferdinand Habsburg auch unter Vertrag beim Rennsportteam „Prema“, das bereits Formel-1-Größen wie Jacques Villeneuve, Valtteri Bottas oder den aktuellen WM-Leader Charles Leclerc hervorbrachte. Doch von der Königsklasse Formel-1 träumt der Habsburger selber nicht. „Ich glaube nicht, dass ich die Seele habe, um mit dem Druck in der Formel 1 umzugehen. Aktuell habe ich auch noch Zeit, andere Dinge zu tun, was ich in der Formel-1 nicht mehr könnte.“ Zum Beispiel initiierte Ferdinand das Projekt „Drive act, act faster“, mit dem er sich für mehr Nachhaltigkeit im Motorsport einsetzen möchte und unterstützt finanziell den Bau eines neuen Gebäudes des katholischen Zentrums Johannes Paul II. in Wien. „Das Projekt finde ich super spannend, weil ich glaube, dass das die Zukunft ist und hoffentlich auch meine Kinder dort einmal über den Glauben lernen und im Glauben wachsen werden“, erzählt er mit leuchtenden Augen. Ebenso wie sein Vater Karl engagiert sich der Kaiserurenkel auch in der Ukraine: Zu Beginn des Krieges mietete er dort Ferienunterkünfte, um den im Tourismus arbeitenden Familien weiter ein Einkommen zu sichern.

Kein Weg in die Politik

Doch ebenso wie sein Großvater Otto in die Politik zu gehen, was ihm eigentlich im blauen Blut liegen würde, möchte der theoretische Thronfolger bisher nicht. Betont bescheiden meint er, dass seine Schwester Gloria viel intelligenter und politisch gebildeter sei als er: „Wenn jemand von unserer Familie überhaupt in die Politik gehen sollte, dann hoffe ich für das Volk von Österreich, dass Gloria das tut und nicht ich.“ Statt Politiker zu werden, träumte Ferdinand schon als Kind davon, Rennfahrer oder Musiker zu werden.

Eine Entscheidung, die seine Eltern immer unterstützt hätten. „Wahrscheinlich aus dem Grund, weil sie von ihren Eltern nicht diese extreme Freiheit bekommen haben.“ Dennoch muss seine Berufswahl für seine Eltern eine Nervenzerreißprobe darstellen: 2015 flog der Rennwagen von Ferdinand bei einem Rennen in Silverstone in die Luft, 2017 krachte er bei einem Wettbewerb im chinesischen Macao in die Leitplanke. Vor dem Rennen wurde Ferdinand Zeuge des Todes seines Kollegen Daniel Hegarty, der bei einem Motorradrennen verunglückte. Ein Moment, der dem jungen Sportler das Risiko des Rennfahrens neu bewusst werden ließ. Lange habe er mit sich gerungen, ob er das Rennen anschließend überhaupt fahren sollte. „An dem Abend habe ich tatsächlich einen Brief an meine Mutter geschrieben, falls ich nach dem Rennen gestorben sein sollte. Aber ich hoffe, dass sie versteht, dass ich trotzdem eingestiegen bin, weil der Motorsport das ist, was ich liebe.“

Wo es als nächstes im kaiserlichen Rennwagen hingehen soll, hat Ferdinand auch schon geplant: In den nächsten zwei Jahren möchte er in die Top-Kategorie „Hypercar“ aufsteigen. Doch auch jenseits des Motorsports hat Ferdinand von Habsburg Pläne: „Eine coole Familie zu haben, ein guter Vater und Ehemann zu werden. In den Himmel zu kommen. Und gut Kaiserschmarren machen zu können. Aber davon bin ich noch weit entfernt.“

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