Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Einwurf – die „Tagespost“-WM-Kolumne

Die neue Freiheit zur Religion

Ob Fußball-Messias Messi oder der deutsche Nationalspieler Nmecha: Der Trend geht zum religiösen Bekenntnis.
Lionel Messi
Foto: IMAGO/ALEJANDRO PAGNI (www.imago-images.de) | Er kann es immer noch: Lionel Messi (38), vielleicht der beste Fußballspieler aller Zeiten, erzielte im ersten Vorrundenspiel seiner Mannschaft gleich drei Tore.

Na, auch müde nach einem langen Tag? Ja, richtig, die Fußball-WM hat erst einen einzigen Spieltag hinter sich gebracht, dafür aber dank Teilnehmerinflation schon mehr Spiele, als auch der fanatischste Fan bewältigen kann. Zumal die Augenlider doch recht schnell schwer werden können, wenn das Anstoß-Bier vor dem Bildschirm erst arg spät am Feierabend ploppt.

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So oder so: Zeit für eine kleine Trinkpause mit Mannschaftsbesprechung. Und hey, so kann es weitergehen. Deutschland-Fans freuen sich über den 7:1-Auftaktsieg der Männer, die seit einiger Zeit ja wieder ganz klassisch „Nationalmannschaft“ heißen dürfen. Noch dazu reizt, anders als noch bei der WM 2022 in Katar, keine Regenbogen-Propagandabinde (in einer eigentlich köstlichen Kombination von politischer Korrektheit und Feigheit damals „One-Love-Binde“ genannt) den inneren Wutbürger.

Wen diese Entwicklung freut, dem zaubert vielleicht auch ein Blick über den Ärmelkanal ein Lächeln ins Gesicht: Nicht nur, dass nach dem 4:2 mit zwei Kane-Toren auch etwas vom englischen Glanz auf die Bundesliga fällt; auch wurde der politisch anschmiegsame Gareth Southgate, der seiner Mannschaft 2022 noch einen Kniefall gegen Rassismus in Anlehnung an die „Black Lives Matter“-Bewegung verordnet hatte, gegen den kantigeren Deutschen Thomas Tuchel ersetzt. Obwohl es an Donald Trump sicher viel zu kritisieren gäbe: Dass Fußball wieder öfter einfach nur Fußball sein darf, entspannt doch.

„Ich kann um nichts mehr bitten“

Viel bemerkenswerter aus christlicher Perspektive ist allerdings der Trend zum Glaubenszeugnis. Ökonomen könnten mutmaßen: ein „Crowding-in“ des privaten Bekenntnisses, nachdem das verordnete politische ausfällt. Sogar der argentinische Altstar Lionel Messi bekannte nach seinem Hattrick im ersten Spiel seiner Mannschaft: „Ich kann um nichts mehr bitten. Danke Gott, du hast mir so viel geschenkt.“ Danke, argentinischer Fußball-Messias, für alles, was du uns geschenkt hast, möchte man ihm hinterherflüstern. Die deutschen Nationalspieler Nmecha und Tah, die mit einem Gebet im Mittelkreis durchaus auch öffentliche Kritik ausgelöst hatten, wollen übrigens weitermachen.

Im Interview mit „MagentaTV“ sagte Tah, er und Nmecha wollten auch in Zukunft mit anderen Profis beten: „Es geht um Liebe, es geht um Nächstenliebe, es geht um Frieden, Dankbarkeit. Das sind die Werte, die wir nach außen vermitteln wollen.“ Gerne bis ins Finale!

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