Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Einwurf – die „Tagespost“-WM-Kolumne

Gibt es im Himmel Fußball?

Unterirdische Schiedsrichter, existenzielles Drama: Ohne das bisschen Ungerechtigkeit wäre Fußball verzichtbar.
Lionel Messi
Foto: IMAGO/Eibner-Pressefoto/Scott Coleman (www.imago-images.de) | Mit dem Blick nach oben - was mag da wohl kommen? Lionel Messi vor Anpfiff des verrückten Achtelfinales Argentinien - Ägypten.

Ist ein Leben ohne Fußball denkbar? Ja, schon, muss ja, erst mal ist nämlich Verschnaufpause – die Achtelfinals sind durch, am Donnerstag geht es um 22 Uhr mit Frankreich gegen Marokko weiter. Heute können also Fußballfanatiker im Schulalter und auch danach wieder rechtzeitig ins Bett. Und die spekulativ veranlagten Christen unter Ihnen können sich – nach dem deutschen Aus eh viel wichtiger – schon mal viel relevantere Gedanken machen: Ist ein ewiges Leben ohne Fußball denkbar?

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Denn wie wäre das eigentlich, Kicken im Himmel? Leistungsgerecht und fair dank allwissendem und gerechtem Schiedsrichter? Oder gar nur ein wenig Rasengymnastik unter in Liebe vereinten Freunden, bei der es am Ende immer unentschieden steht und keiner traurig den Platz verlassen muss?

Hier unten läuft es bekanntlich anders. Auch wenn gerade mal nicht Donald Trump den Fifa-Boss Gianni Infantino für eine kleine Mauschelei in Anspruch nimmt, auf Erden ist am Ende immer einer sauer. Fußballgott Lionel Messi spiele mit gezinkten Karten, sind sich die Ägypter nach dem dramatischen 2:3-Ausscheiden gegen Argentinien sicher. „Das war ganz klar ein manipuliertes Spiel, und die ganze Welt hat das gesehen“, findet Ägyptens Nationaltrainer Hossam Hassan. „Wenn sie unbedingt wollen, dass Argentinien gewinnt, warum lassen sie dann überhaupt alle anderen Mannschaften am Turnier teilnehmen?“ Und ja, die Schiedsrichterleistung, die das Ergebnis beförderte, war wahrscheinlich eher unterirdisch.

Man muss aber schon wieder einen sehr menschlichen Begriff von Gerechtigkeit haben, wenn man in den Fehlern, Unkontrollierbarkeiten und irren Wendungen, die ein Fußballspiel mit sich bringen kann, nicht genau den Reiz entdeckt, der ihn von leistungsgerechteren Sportarten wie etwa Basketball unterscheidet. Wenn man so will, liegt im Wesen des Fußballs etwas vom Drama des menschlichen Lebens selbst. Es geht nicht immer gerecht zu, aber dafür sind auch Wunder möglich. Dass das irgendwie schöner ist, dafür muss doch auch der Herrgott Verständnis haben.


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