Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Leipzig

Zukunft der Kirche: Maler Triegel setzt auf Überraschungen

Gerade in den Zeiten größter Krisen seien auch die Chancen am größten, meint der Maler Michael Triegel. Erneuerung könne nicht von außen aufgezwungen werden, sondern entsteht von innen. 
Ausstellung "Bach und Triegel. Im Dialog"
Foto: Sebastian Willnow (dpa-Zentralbild) | „Ich bin hin- und hergerissen zwischen der Überzeugung, dass sich vieles ändern muss, dass viele Fragen, die der ‚Synodale Weg‘ jetzt behandelt, wichtig sind und der Angst davor, dass Dinge preisgegeben werden, die ...

Der bekannte Maler Michael Triegel äußert sich in der „Tagespost“ zur aktuellen „Kirchenkrise“ aufgrund von Missbrauchsfällen: „Der Grund, warum ich in der Kirche bleibe, ist, dass ich sie tatsächlich als Leib Christi verstehe. Sie ist kein Sportklub aus dem ich austreten kann. Sie ist eine Familie und daher bin auch ich Glied der Kirche, wie das geringste Glied, das zum Leib gehört und vielleicht umso kostbarer ist als manches andere – das schreibt ja Paulus so großartig über den Leib Christi im ersten Korintherbrief. Also bin auch ich aufgerufen, an der Heilung des Leibes mitzuarbeiten.“

Lesen Sie auch:

Triegel, der einer breiten Öffentlichkeit durch Porträts von Papst Benedikt XVI. bekannt wurde und sich 2014 taufen ließ, ist überzeugt: „In den furchtbaren und schrecklichen Fällen von Missbrauch und Machtmissbrauch in der Kirche haben sich ,Würdenträger‘, in diesem Zusammenhang wirklich in Anführungsstrichen, eine Machtfülle und eine Omnipotenz angemaßt, die eigentlich nur Gott zukommen würde. Genauso problematisch ist es aber auch, das Christentum zu verteufeln, weil etliche in der Hierarchie gefehlt haben.“

Lösung der Krise weder knallharter Traditionalismus, noch forcierte Modernisierung

Zu aktuellen internen Streitereien über den weiteren Weg der Kirche sagt Michael Triegel: „Auf die Diskussionen innerhalb der Kirche habe ich als spät Hinzugekommener mit all meinen Sehnsüchten und Erwartungen natürlich auch keine einfachen Antworten. Ich bin hin- und hergerissen zwischen der Überzeugung, dass sich vieles ändern muss, dass viele Fragen, die der ‚Synodale Weg‘ jetzt behandelt, wichtig sind und der Angst davor, dass Dinge preisgegeben werden, die mir sehr kostbar sind. Möglicherweise werden wir feststellen: Weder der knallharte Traditionalismus, noch eine forcierte Modernisierung sind die Lösung, sondern auf einmal werden wir überrascht, dass es etwas ganz anderes ist.“

Triegel fügt hinzu: „Wenn ich in die Kirchengeschichte schaue oder an den Satz ,ecclesia semper reformanda‘ denke, wird klar: Gerade in den Zeiten größter Krisen sind auch die Chancen am größten. Erneuerung kann nicht von außen aufgezwungen werden, sondern entsteht von innen; oft durch eine Rückbesinnung auf den Ursprungstext, den Gründungsmythos, wenn Sie so wollen, durch eine neue Spiritualität wie bei Franz von Assisi, Dominikus oder Ignatius oder beim Zweiten Vatikanischen Konzil; oft ganz überraschend.“  DT

Der Maler Michael Triegel über die aktuelle „Kirchenkrise“. Lesen Sie das ganze Interview in der kommenden Ausgabe der Tagespost. 

Themen & Autoren
Vorabmeldung Franz von Assisi Jesus Christus Kirchenkrisen Michael Triegel Zweites Vatikanisches Konzil

Weitere Artikel

Warum der heilige Franz von Assisi nach 800 Jahren eine Inspiration für die Zukunft ist – Teil 10.
27.09.2026, 17 Uhr
Giuseppe Franco
30 Millionen erreichte er pro Woche über Radio und Fernsehen: Am Donnerstag wird der frühere US-Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in St. Louis seliggesprochen.
23.09.2026, 19 Uhr
Claudia Kock

Kirche

Vier Tage nach seiner Operation wird Leo XIV. wieder aus der Klinik entlassen. Und tritt am Sonntag beim Angelus in Erscheinung. Für die Lateinamerika-Reise geben Ärzte grünes Licht.
19.10.2026, 08 Uhr
Sabine Kleyboldt
Zehn Jahre „Amoris laetitia“: Der DBK-Vorsitzende lobt die „hohe Kunst des Zuhörens“ beim Treffen in Rom und nimmt die Erkenntnis mit, dass sich die Kirche weiterentwickelt.
16.10.2026, 11 Uhr
Meldung
Prüfstein für die Strukturreformen im Bistum Eichstätt: In der Oberpfälzer Stadt entsteht ein neuer Pastoralraum.
19.10.2026, 13 Uhr
Henry C. Brinker
Spricht sich Jesus gegen die Steuer für den Kaiser aus, droht ihm die Todesstrafe. Noch heute gewichtet die Kirche politische und gesellschaftliche Fragen oft zu hoch.
17.10.2026, 21 Uhr
Lothar Wehr