Kritik am Synodalen Weg

Weigel: Synodaler Weg ist „verflüssigter Katholizismus“

Eine weitere Abkehr von der kirchlichen Lehre sieht der US-Theologe George Weigel im Synodalen Weg. Man wolle die Kirche als „eine Art liberalen Protestantismus“ neu erfinden.
US-Theologe George Weigel
Foto: Courtesy Everett Collection via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Die Geschichte, so Weigel, würde dann über die Offenbarung urteilen, und es gebe keine beständigen Bezugspunkte mehr für das katholische Selbstverständnis. „Wir haben die Kontrolle, nicht Christus der Herr.“

Der amerikanische Publizist und Theologe George Weigel hat Kritik am Synodalen Weg in Deutschland geübt. In einem Essay für das Online-Magazin „First Things“ attestiert Weigel dem innerkirchlichen Reformprozess einen „verflüssigten Katholizismus“. Am Ende des Synodalen Wegs werde keine Erneuerung im Sinne des Evangeliums stehen, sondern „eine noch weitere Abkehr von der Lehre“. 

Der Synodale Weg unterwirft sich dem Zeitgeist

Der 70-jährige Papst-Biograf Weigel nennt den Synodalen Weg einen „mehrjährigen Prozess, geprägt von Kirchenbürokraten und Akademikern, der entschlossen sei, die katholische Kirche als eine Art liberalen Protestantismus neu zu erfinden“. Der Reformprozess würde die Missbrauchskrise instrumentalisieren, um sich bei Themen wie der Gender-Ideologie oder der Ethik der menschlichen Liebe ganz dem Zeitgeist zu unterwerfen. 

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Weigel zufolge stellt der Synodale Weg eine „Abkehr vom Glauben“ dar. Diese bestehe darin, dass das Reformprojekt die göttliche Offenbarung in Schrift und Tradition nicht mehr als verbindlich ansehe. Weigel wörtlich: „Jesus der Herr sagt, dass die Ehe dauerhaft ist; der Synodale Weg kann das verändern.“ Der heilige Paulus und die gesamte biblische Tradition würden lehren, dass gleichgeschlechtliche Handlungen gegen den göttlichen Plan für die menschliche Liebe verstoßen, der darin verankert sei, „dass wir als Mann und Frau geschaffen wurden“. Auch dies könne der Synodale Weg ändern, „da wir Postmodernen es besser wissen“.

"Wir haben die Kontrolle, nicht Christus der Herr"

Auch kritisiert Weigel, dass der Synodale Weg an der 2000 Jahre alten katholische Tradition, wonach die Kirche nicht autorisiert sei, Frauen zu weihen, und die auch Johannes Paul II. 1994 noch einmal bekräftigte, nicht mehr festhalten wolle. Nach Ansicht des US-Theologen würde man dann „die eheliche Beziehung des Hohepriesters Christus zu seiner Braut, der Kirche, verfälschen“. Für den Zeitgeist sei dies jedoch „Nonsens, und der Synodale Weg stimmt mit dem Zeitgeist überein“. Die Geschichte, so Weigel, würde dann über die Offenbarung urteilen, und es gebe keine beständigen Bezugspunkte mehr für das katholische Selbstverständnis. „Wir haben die Kontrolle, nicht Christus der Herr.“

Ein weiterer Glaubensabfall bestehe darin, dass der Synodale Weg eine falsche Vorstellung von Freiheit im Sinne von „Autonomie“ verbreite. Authentische Freiheit sei jedoch nicht mit Autonomie gleichzusetzen, meint Weigel. Nach katholischem Verständnis bedeute authentische Freiheit, „das Richtige zu tun, aus den richtigen Beweggründen als Frage der moralischen Verpflichtung“.  DT/mlu

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