Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Würzburg

Warum wir einen neuen Liberalismus brauchen

Der Liberalismus hat viel gelitten, auch an seinem eigenen politischen Programm. Statt der ewigen Suche nach der Freiheit von etwas, braucht es eine neue Idee.
Ladenöffnung am Sonntag
Foto: Bernd Wüstneck (dpa-Zentralbild) | Mit seiner wirtschaftsliberalen Ausprägung hat sich der Liberalismus selbst marginalisiert.

Einstmals hatte der Liberalismus noch ein emphatisches Pathos. Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts die kleinen und großen Staaten Europas noch immer unter der Fürstenkontrolle standen, gab er der Sehnsucht der Bevölkerung ein Programm. Mit ihm verband sich der Anspruch auf Demokratie und Teilhabe, auf Rechtsstaat und Menschenrechten.

Er war die intellektuelle Phalanx der Kämpfer für die Freiheit, die sich etwa in der Märzrevolution 1848 Raumverschaffte. Bereits die englischen Denker John Locke oder Thomas Hobbes hatten die philosophische Grundlage gelegt, auf der dann John Stuart Mill oder Adam Smith mit ihren politischen und ökonomischen Ansätzen aufbauen konnte. Noch bis ins ausgehende 20. Jahrhundert, infolge zweier Weltkriege und des Ost-West-Konflikts, büßte er kaum an Strahlkraft ein.

Lesen Sie auch:

Mit der Wirtschaftspolitik selbst marginalisiert

Und heute? Was ist geblieben von dem vormals noch so wirkungsstarken Programm? Nimmt man die Wahlergebnisse der liberalen Parteien in unseren Gefilden zum Maßstab, so ist von ihm nicht mehr als eine Schwundstufe geblieben. Die Gründe für den Bedeutungsverlust erweisen sich indes als vielschichtig. Zunächst einmal dürfte die zunehmende Verengung auf einen wirtschafts- oder neoliberalen Diskurs in den letzten Dekaden wesentlich zur Marginalisierung beigetragen haben, zumal sich die Ungleichheit und Ungerechtigkeit im Hinblick auf Güterverteilung in der Bevölkerung enorm verschärft haben. Die Vorstellung von der Logik des Marktes als austarierende Kraft hat sich schlichtweg nicht bewahrheitet.

Und während man sich somit vor allem in eine ökonomische Traditionslinie stellte, vernachlässigte man die eigentlich nötige Debatte um Bürgerrechte und Datenschutz in der Epoche der Digitalisierung. Da wir uns heute schon in einer Ära der Selbstausstellung und pornoiden Transparenz befinden, zieht inzwischen auch letztere Argumentation längst nicht mehr.

DT/mee

Hat liberales Denken noch eine Zukunft? – Lesen Sie den ganzen Text in der Ausgabe der „Tagespost“ vom 01. August 2019.

Themen & Autoren
Redaktion Adam Smith John Locke John Stuart Mill Menschenrechte Philosophie Thomas Hobbes

Weitere Artikel

Wer die US-Regierung verstehen will, sollte auf Postliberale wie Patrick Deneen schauen. Worauf Postliberalismus basiert, was er erreichen will - und welche Rolle das Christliche spielt.
27.03.2025, 17 Uhr
Jakob Ranke Maximilian Lutz
Vor 250 Jahren erschien „Der Wohlstand der Nationen“ von Adam Smith. Ein Konzept aus dem Werk hat Karriere gemacht: die „unsichtbare Hand“. Aber führt sie uns auch richtig?
27.03.2026, 17 Uhr
Josef Bordat
Vor 400 Jahren, am 9. April 1626, starb Francis Bacon. Einige Anmerkungen zu Leben, Werk und Wirkung.
09.04.2026, 09 Uhr
Josef Bordat

Kirche

Bei einer Pizza im Archäologischen Park lässt sich gut über unverständliche Texte lästern, die so mancher Kuriale zum Besten gibt.
31.05.2026, 05 Uhr
Mario Monte
Es war seine Berufung, eine Kirche zur Ehre der heiligen Dreifaltigkeit zu erreichten: Warum der katalanische Architekt Antonio Gaudí mehr war als ein genialer Künstler.
31.05.2026, 09 Uhr
Esther von Krosigk
„Wissen muss mit Gewissen zu tun haben“, fordert der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl beim Festakt zum 80. Geburtstag der Katholischen Hochschulgemeinde Wien.
29.05.2026, 14 Uhr
Laetitia Mayr
Was Papst Leo XIV. über die Liturgie sagt, könnte auch von Benedikt XVI. stammen. Und auch eine Botschaft für die deutschen Katholiken lässt sich seiner Katechese entnehmen.
29.05.2026, 11 Uhr
Regina Einig
Schluss mit dem Museum im Apostolischen Palast in Castel Gandolfo: Leo XIV. kehrt in die ursprüngliche Sommerresidenz der Päpste zurück.
30.05.2026, 17 Uhr
Giulio Nova