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Proust: Metaphysik der Erinnerung

Verschlüsselte Bedeutungswelt des Glaubens: Wie der französische Schriftsteller Marcel Proust die Kirche vor der Moderne verteidigte.
Der Dichter Marcel Proust
Foto: arte (arte) | Marcel Proust lag nicht nur der Schutz der Kirchen vor Zweckentfremdung am Herzen, sondern das Weiterleben der Riten und des Glaubens.

Marcel Proust hat in seinem Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ das Bürgertum auf distanzierte und vergnügliche Weise geschildert – aber er wusste auch, dass die Gesellschaft nicht alles ist. Die Wahrheit liegt jenseits, schrieb er ein Jahr vor seinem Tod an den Bonner Romanisten Ernst Robert Curtius.

Seine Liebe für Kirchen zeigte Proust nicht nur in seinem Roman

Seine Liebe für Kirchen und Kathedralen zeigte der Schriftsteller aber nicht nur in seinem Roman. Er schrieb auch eine Verteidigung der Kathedralen in einer Serie von Artikeln in seiner Lieblingszeitung „Le Figaro“, wo es etwa heißt: „Wenn das Opfer von Christi Fleisch und Blut nicht mehr in den Kirchen zelebriert wird, werden sie ohne Leben sein.“

Proust lag aber nicht nur der Schutz der Kirchen vor Zweckentfremdung am Herzen, sondern das Weiterleben der Riten und des Glaubens war für ihn Teil eines großen Lebenszusammenhangs, in dem die Erinnerung an Erlebtes und Traditionen eine besondere Rolle spielten. Es waren die kleinen „Sandtörtchen“ namens Madeleine, deren Genuss ihm eines Tages diese Metaphysik der Erinnerung deutlich machte, als er durch diese Süßigkeit an frühere Erlebnisse erinnert wurde.

"Die wahren Paradiese sind jene, die wir verloren haben"

Die unzähligen religiösen Anspielungen in seinem Hauptwerk deuten ebenfalls auf eine Bedeutungswelt des Glaubens hin, die der heutige Leser oft wieder neu entschlüsseln muss. „Denn die wahren Paradiese sind jene, die wir verloren haben“, schreibt Proust einmal und fordert uns so auf, sie durch Erinnerung wieder lebendig werden zu lassen.

DT/ari

Lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der "Tagespost" vom 23. August, wie der französische Schriftsteller Marcel Proust den Glauben verteidigte.

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