Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Wunder

Norbert Bolz: Wo Wunder im modernen Leben auftreten

Für den Medienwissenschaftler Norbert Bolz gibt es nur einen erfolgreichen Umgang mit dem Unverfügbaren, Schicksalhaften: die Religion.
Norbert Bolz über Wunder
Foto: Ralf Hirschberger (dpa) | Für menschliche Versuche, das Unerwartete in den Griff zu kriegen, hat Norbert Bolz nur geerdeten Spott übrig:

Der Medienwissenschaftler Nobert Bolz reflektiert in der kommenden Ausgabe der „Tagespost“ über den Sitz von Wundern im modernen Leben: „Nichts ist dem aufgeklärten Selbstverständnis des modernen Menschen fremder als die Erfahrung eines Wunders – so scheint es zumindest. Sieht man aber genauer hin, so entdeckt man leicht säkulare Varianten. So hat der Jurist Carl Schmitt den Ausnahmezustand als säkularisiertes Wunder bezeichnet.“

Wunder nicht im Widerspruch zur Natur

Dabei muss man laut Bolz theologisch definierte Wunder von Menschen gemachten „Ausnahmezuständen“ unterscheiden: „Normalerweise denkt man beim Begriff Wunder aber an einen Eingriff Gottes in den Naturablauf. Und das widerspricht eben dem rationalistischen Weltverständnis des modernen Menschen. Für den ungebildeten Aufgeklärten ist das Wunder der Inbegriff des Irrationalen. Doch schon der Kirchenvater Augustinus wusste es besser. Das Wunder muss nämlich nicht irrationalistisch interpretiert werden. Es steht nicht im Widerspruch zur Natur, sondern nur im Widerspruch zur uns bekannten Natur.“

Lesen Sie auch:

Für menschliche Versuche, das Unerwartete in den Griff zu kriegen, hat Norbert Bolz nur geerdeten Spott übrig: „Managementtheoretiker und Organisationssoziologen empfehlen ein Training der Geistesgegenwart und Spannkraft, Mut zur Risikobereitschaft und eine Kultur der Fehlerfreundlichkeit. Das sind aber nur Äquivalente des Gottvertrauens. Denn es gibt nur einen erfolgreichen Umgang mit dem Unverfügbaren, Schicksalhaften: Religion.“  DT/mee

Norbert Bolz über Wunder. Lesen Sie den ganzen Text in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

Themen & Autoren
Vorabmeldung Carl Schmitt Kirchenväter Norbert Bolz Wunder

Weitere Artikel

Carl Schmitt nutzte seine Leseerfahrungen für die Deutung der eigenen Biografie. Schmitt-Experte Reinhard Mehring geht dieser Selbstverständigung auf den Grund. 
05.10.2026, 19 Uhr
Dirk Brockschmidt
Der Politikwissenschaftler Philipp Manow ist überzeugt, dass Politik zunehmend über das Recht statt durch Mehrheiten bestimmt wird.
17.09.2026, 19 Uhr
Theo Hoenhorst
Die Kraft des demokratischen Gefühls entscheidet für Carl Schmitt über die Akzeptanz unseres Systems. 
17.08.2026, 07 Uhr
Maximilian Welticke

Kirche

Zehn Jahre „Amoris laetitia“: Der DBK-Vorsitzende lobt die „hohe Kunst des Zuhörens“ beim Treffen in Rom und nimmt die Erkenntnis mit, dass sich die Kirche weiterentwickelt.
16.10.2026, 11 Uhr
Meldung
Spricht sich Jesus gegen die Steuer für den Kaiser aus, droht ihm die Todesstrafe. Noch heute gewichtet die Kirche politische und gesellschaftliche Fragen oft zu hoch.
17.10.2026, 21 Uhr
Lothar Wehr
Kurienkardinal Luis Antonio Tagle ist neuer Dekan des Kardinalkollegiums. Einst galt er als charismatischer Hoffnungsträger. Doch konnte er die Erwartungen in Rom erfüllen?
15.10.2026, 11 Uhr
Guido Horst
Die Piusbruderschaft hat in Rom Beschwerde gegen die Exkommunikation eingelegt. Der Kölner Offizial Peter Fabritz erläutert die rechtlichen Folgen.
16.10.2026, 11 Uhr
Regina Einig