Würzburg

Henryk M. Broder: Die Pauschalisierung der Schuld

Der jüdische Publizist Henryk Broder hat sein Befremden über die immer irrer werdende politische Korerektheit gegen die AfD geäußert. Das Video wurde bei YouTube als „Hassrede“ eingestuft und gelöscht.
Henryk M. Broder Video wurde bei YouTube als „Hassrede“ eingestuft und gelöscht.
Foto: Stephanie Pilick (dpa)

Es gibt eine neue Qualität der Verlogenheit in Deutschland. Wenn Youtube eine freie und – zugegebenermaßen – ebenso logische wie flotte Meinungsäußerung einfach so löscht, dann ist das mehr als schräg. Und wenn es sich um die legitime freie Meinungsäußerung eines bekannten deutschen Juden handelt, dann wird es gefährlich absurd.

Die Fakten: Henryk Broder, nachweislich kein Rechter, aber sehr wohl ein selbst denkender Publizist, hatte sich in einem Video geäußert und sein Befremden über die immer irrer werdende politische Korrektheit gegen die AfD geäußert. Und er fragt sich angesichts geforderter Totalausgrenzung zum Beispiel, ob man im Falle eines Hausbrandes die Feuerwehrleute nicht zunächst einmal fragen müsse, wie diese zu dieser Partei stehen – um beim geringsten Zeichen einer Sympathie die Feuerwehrleute stante pede nach Hause zu schicken? Es sei ohnehin abwegig, diese Partei als die Wiedergeburt der NSDAP zu bezeichnen. Denn wenn diese „Gurkentruppe“ tatsächlich die Erben der echten Nazis seien, dann würde man ja damit zugleich zum Ausdruck bringen, dass die Braunen damals eine harmlose Truppe gewesen seien. Wer so etwas betreibe, habe ja eigentlich nur im Sinn, die Nazis zu verharmlosen oder zu rehabilitieren.

Pauschale Schuldzusprechungen sind die eigentliche Gefahr für Deutschland

Gleichzeitig müsse man aber feststellen, dass die viel beschworenen Brandmauern gegen Faschisten ja bereits gefallen seien. Durch geschickte Häutungen werde die Linke heute als bürgerliche Partei anerkannt, obwohl sie die Wiedergeburt einer staatlichen Terrorgruppe sei, nämlich der SED. Man vergesse wohl, dass die Linken ebenfalls Konzentrationslager und Gulags hatten, Deportierungen und Todesstrafen. Man könne doch nicht mit gutem Gewissen behaupten, diese Verbrechen, die es bei den Linken zuhauf gab, seien nicht so schlimm. Diese Relativierung des Unrechts, der Grausamkeiten und des Terrors seien widerlich.

Unbequem? Sicher. Politisch nicht korrekt? Sicher. Korrekt? Ganz sicher. Und dennoch löschte Youtube „Broders Spiegel“ als Hassrede. Vielleicht war es eine unverantwortliche Bemerkung von Jakob Augstein, der man sich in vorauseilendem Gehorsam beugte – und dabei selbst das Recht auf Meinungsfreiheit beschoss. Denn dieser Herr hatte nach der schrecklichen Tat eines offenbar psychokranken Mörders in Hanau „festgestellt“: „Die Wegbereiter der Gewalt haben Namen und Adresse: Sarrazin, Broder, Tichy, und andere, die die Verrohung des Diskurses vorangetrieben haben. Zuerst kommen die Worte, dann die Taten.“ Eine Löschung dieser Verrohung wurde übrigens nicht bekannt. Während man bei anderen Morden – etwa von Islamisten, deren Taten niemals etwas mit dem Islam zu tun haben (dürfen) – allenthalben betont, dass es sich um eine Einzeltat eines Verwirrten und psychisch Kranken handelt und man auf keinen Fall verallgemeinern darf oder die Tat in irgendeiner Weise instrumentalisieren dürfe, wusste hier ein linker Journalist, wer eigentlich schuld ist an den Morden. Unfassbar. Aber das passt ja in eine tsunamiartige Mentallage, in der – noch bevor ernstzunehmende Untersuchungsergebnisse vorliegen – eine unliebsame, nicht verbotene Partei und deren Mitglieder pauschal wie in einer perfekten Hatz schuldig gesprochen werden. Und eben auch namentlich Henryk Broder. Das ist höchst besorgniserregend und markiert eine echte Gefahr für unsere Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Es ist sehr viel faul im Staate Deutschland.

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