Soziale Medien

Facebook-Whistleblowerin lässt nicht locker

Frances Haugen will mit einer selbstgegründeten Organisation auf die Gefahren in den Sozialen Medien aufmerksam machen. Instagram führt derweil eine „Kindersicherung“ ein.
Facebook-Whistleblowerin
Foto: Christophe Gateau (dpa) | Frances Haugen gründet eine NGO gegen Willkür von Socialmedia - Unternehmen.

„Beyond the Screen“: So soll die Organisation heißen, mit deren Hilfe die frühere Facebook-Managerin Frances Haugen weiterhin auf die gerade für Kinder und Jugendliche lauernden Gefahren in den Sozialen Netzwerken aufmerksam machen will.

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Der Kampf gegen übergriffige Soziale Medien geht weiter

Die Whistleblowerin, die vor rund neun Monaten vollumfänglich vor dem US-Kongress über die Praktiken des Meta-Konzerns, zu dem auch Facebook und Instagram gehören, aussagte und anhand zahlreicher Dokumente offenlegte, dass Metas Social-Media-Plattformen mit Wissen von deren Betreibern jugendpsychologisch schädliche Inhalte verbreiten, möchte mit ihrer Organisation sowohl Juristen beim Kampf gegen den Machtmissbrauch großer Internet-Plattformen unterstützen als auch weiterhin über deren missbräuchliches Verhalten im Allgemeinen sowie deren Arbeitsmethoden „hinter dem Bildschirm“ aufklären.

Für letzteres plant Haugen gar die Erstellung eines künstlichen Sozialen Netzwerks, mit welchem Politiker, Juristen und andere Interessierte in die Lage versetzt werden sollen, gewissermaßen spielerisch nachzuvollziehen, wie Konzerne wie Meta bei ihrer Arbeit agieren. Hierfür sucht sie gegenwärtig nach Investoren – ein erstes Ziel ist das Akquirieren von Spenden in Höhe von 5 Millionen US-Dollar. Dass Frances Haugen hierfür auch Kontakte ins Silicon Valley, Washington oder Brüssel knüpfen muss, ist der Whistleblowerin, wie sie im Gespräch mit der US-Nachrichtenplattform „Politico“ betont, vollkommen bewusst.

Meta bewegt sich – ein bisschen

Derweil kommt Meta Haugens Kritik anscheinend entgegen und will bereits ab Ende Juni bei Instagram einen sogenannten Familienbereich einführen. Teile dieses neuen Bereichs sind der sogenannte Medienkompetenz-Hub und Elternaufsichts-Tools:  Im Hub will Instagram Eltern und Erziehungsberechtigten Tipps zum sicheren Umgang mit Social Media geben. Dafür arbeitete Meta beispielsweise in Deutschland mit der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz zusammen.

Die Tools wiederum sollen es Eltern erlauben, den Social-Media-Konsum von Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren zu managen. So können hier Zeitlimits oder feste Pausen-Phasen festgelegt werden. Gleichzeitig sehen die Eltern, welchen Konten der Nachwuchs folgt - und welche Nutzer wiederum die Aktivitäten der Kinder verfolgen.

Der Haken an der Sache: Die Kontrolle durch die Eltern klappt nur, wenn sowohl Kind als auch Eltern dieser Kontrolle zustimmen. Ob diese neue Funktion also weitgehende Verbreitung finden wird, darf also bezweifelt werden – was Meta natürlich in seine Überlegungen bereits einkalkuliert hat. DT/sta 

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