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Der unhöfliche Neffe von C.S. Lewis

Rudolf Gehrig über seinen Tagespost-Podcast „Wie verliere ich meinen Glauben?“.
Rudolf Gehrig über seinen Tagespost-Podcast
Foto: Privat | „Natürlich will ich nicht, dass die Hörer meines Podcasts wirklich ihren Glauben verlieren! Aber als Kind habe ich gerne „Gegenteil-Tag“ gespielt.“

Herr Gehrig, Die Podcast-Serie „Wie verliere ich meinen Glauben“ geht in die Verlängerung. Wie kam es zur ursprünglichen Idee für diesen Podcast?

Ich wollte eigentlich ein Handbuch für Möchtegern-Atheisten schreiben und das als Buch oder Artikelserie veröffentlichen. Ich finde, es gibt unter manchen Christen diesen irrationalen Neid auf Atheisten, weil manche glauben, das Leben wäre viel einfacher, wenn es Gott nicht gäbe. Aber das ändert ja nichts an Gottes Existenz. Manche glauben auch: Gott kann kein guter Gott sein, wenn Er Kriege, Krankheiten und das Tragen von Lederhosen zulässt! Also wollte ich im Sinne der christlich-atheistischen Ökumene meine Hilfe anbieten und hatte angefangen, eine Art Betriebsanleitung darüber zu schreiben, was man tun muss, wenn man wirklich seinen Glauben verlieren will.
Die „Tagespost“ hatte dann die Idee, das Konzept mal als Podcast zu versuchen.

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Wie lässt sich der Podcast mit diesem für ein katholisches Medium ungewöhnlichen Titel inhaltlich einordnen?

Natürlich will ich nicht, dass die Hörer meines Podcasts wirklich ihren Glauben verlieren! Aber als Kind habe ich gerne „Gegenteil-Tag“ gespielt. So funktioniert das auch hier. Sie kennen ja sicherlich Watzlawicks „Anleitung zum Unglücklichsein“. Ich bin auch ein Fan der „Dienstanweisungen an einen Unterteufel“ von C.S. Lewis. Mein Podcast geht allerdings etwas brachialer vor. Ich bin quasi C.S. Lewis‘ unhöflicher Neffe mit dem Holzhammer – und einem extrem originellen Gitarren-Intro. (lacht) Mein Podcast ist die Art von Ratgeber, der nicht nur davor warnt, dass die Herdplatte heiß ist, sondern dem Hörer direkt auch ein paar verbrannte Hände unter die Nase hält und sagt: „Sehen Sie, das kommt davon!“ Der Podcast dient also auch zur Kirchenaustrittsprophylaxe. Die deutsche Bischofskonferenzen freut sich mit Sicherheit darüber. (lacht)

Hand aufs Herz: Was soll das Ganze?

Ich kann auf eine nun 30-jährige Berufserfahrung als Katholik zurückblicken. Ich habe viele Freunde ihren Glauben verlieren sehen. Das macht mich jedes Mal sehr betroffen. Jeder hat seine eigene Geschichte und Gründe, warum er nichts mehr mit der Kirche und dann auch nichts mehr mit Gott zu tun haben will. Allerdings konnte ich oft auch gewisse „systemische Ursachen“ beobachten, gewisse Parallelen, die sich in vielen Karrieren von Durchschnittsatheisten wiederholen. Ich möchte mit diesem Podcast diese Dynamiken nachzeichnen und auch ein bisschen überzeichnen, um meinen lieben Glaubensgeschwistern zu zeigen: Hey, das kann jedem von uns passieren!

Warum aber so negativ? Warum nicht konstruktiv aufzeigen: „Wie behalte ich meinen Glauben?“

Würden Sie sich theologische Vorträge von einem 30-jährigen Unterfranken reinziehen, der nicht einmal sein Theologiestudium zu Ende gebracht hat? Eben. Aber wenn ich jetzt als der lustige „Spinner“ mit meinem bescheuerten Gitarren-Intro vor Ihnen stehe, mir die Clownsnase aufsetze und ein paar steile Thesen raushaue, sind Sie vielleicht etwas offener. Sie können sich darüber amüsieren und dann freundlich abwinken. Aber möglicherweise bleibt doch etwas hängen.
Ich glaube, wenn man das Pferd von hinten aufzäumt, werden manche Dinge und Dynamiken noch einmal klarer und man erkennt die Stolperfallen etwas leichter, die einem im Glaubensalltag so begegnen.

Sollten Ihre Hörer Ihre Ratschläge wirklich beherzigen?

Ich werde nicht müde, in jeder Podcast-Folge zu betonen: Bitte nicht zuhause nachmachen! Und: Bleiben – oder werden Sie katholisch!

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Wie sind die Rückmeldungen auf den Podcast bisher gewesen?

Es heißt ja, dass Ironie nicht funktioniert. Das stimmt zum Teil. Ich finde auch, dass die Polemik als Kunstform oft zu Unrecht verschmäht wird. Ein eigentlich sehr medienaffiner katholischer Priester hat mir geschrieben: „Habe mal reingehört. Welche Arroganz!“. Ein anderer Hörer dagegen schrieb: „Prima Rudolf! Halte den verlogenen Heuchlern den Spiegel vor!“ – Gut, wer aber sagt, dass wir nicht selbst die größten Heuchler sind? Ich merke schon, dass dieser Podcast manchmal für Verwirrung sorgt. Jemand hat mir vorgeworfen, man könne ihn nicht „mal so nebenbei beim Kochen hören, weil man sich echt konzentrieren muss“. (lacht) Allerdings hat mir neulich in Deutschland ein junger Kerl auf der Straße meinen Standard-Abschlusssatz nachgerufen, den ich am Ende jeder Episode sage: „Bitte nicht zuhause nachmachen! Bleiben oder werden Sie katholisch!“ Da ist die Kernbotschaft doch hängen geblieben. Das hat mich sehr gefreut.

Und wie verliere ich letztendlich meinen Glauben?

Leichter als Ihren Führerschein. Das Schöne ist aber, dass Gott die Tür immer einen Spalt offenlässt und wir jederzeit zu Ihm zurückkehren können. Und das sollten wir auch nutzen – denn irgendwann müssen wir alle mal dran glauben.


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