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Der AfD-Schlumpf, der zur Staatsaffäre wurde

Der Gefährderansprache an eine politisch deviante 16-Jährige folgt die mediale Skandalisierung. Doch der Fall hält Überraschungen bereit.
Animationsfilm Schlümpfe 2
Foto: Mary EvansxAF ArchivexColumbia Pictures via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Na, alles kapiert? In der Schlumpf-Posse ist es nicht ganz einfach, den Durchblick zu behalten.

Es gibt Geschichten, für die ist das schöne Wort „Provinz-Posse“ erfunden worden. Oft scheitern die dörflichen Protagonisten etwa bei dem Versuch, ganz besonders fortschrittlich zu wirken. Am Ende ist aber meist nur ein Haufen Geld verbrannt und die beteiligten Hinterwäldler haben unrühmliche Bekanntheit erlangt. Und dann gibt es noch Provinz-Geschichten, die zwar ebenfalls absurd sind – aber ein erhellendes Schlaglicht auf die Situation im ganzen Land werfen. Zu letzterer Bewertung kamen in der vergangenen Woche zahlreiche einflussreiche Medien auf beiden Seiten des politischen Spektrums mit Blick auf die Vorgänge an einem Gymnasium in der Kleinstadt Ribnitz-Damgarten in Mecklenburg-Vorpommern.

Auslöser war die Social-Media-Aktivität einer 16-jährigen Schülerin. Die hatte auf „TikTok“ ein Video geteilt, in dem festgestellt wurde, dass sowohl Schlümpfe blau seien, als auch Deutschland – was mit der Einblendung einer blauen Deutschlandkarte mit AfD-Wahlergebnissen unterlegt war. Außerdem soll sie Deutschland als „Heimat“ bezeichnet haben. Daraufhin hatte ihr Schulleiter Ende Februar die Polizei informiert, die mit drei Beamten in der Schule anrückte, um die vorliegenden Hinweise auf „staatsschutzrelevante Inhalte“ zu überprüfen. Anschließend unterhielten sich die Beamten mit der Schülerin – obwohl sie zu dem Ergebnis gekommen waren, dass kein Hinweis auf strafrechtlich relevantes Verhalten vorlag.

Die Mutter der Schülerin setzte daraufhin die AfD-Landtagsfraktion in Schwerin von der Maßnahme in Kenntnis. Die Partei sah sich in Statements unter anderem an die DDR-Bildungsministerin Margot Honecker erinnert. Soweit ungefähr der Stand der Dinge Ende letzter Woche.

Polizeiskandal oder Hetzkampagne?

Die anschließende mediale Berichterstattung folgte den bekannten Mustern: Während private Medien rechts der Mitte von einer „Herrschaft des Verdachts“ („Nius“) und der Schülerin als „Polizeiopfer“ sprechen („Junge Freiheit“), titelte der öffentlich-rechtliche NDR „Hetzkampagne gegen Gymnasium in Ribnitz-Damgarten“. Im NDR-„Nordmagazin“ kamen die zu diesem Zeitpunkt bekannten konkreten Vorwürfe an die Schülerin gar nicht erst vor – statt von Schlümpfen war nur vom „Verdacht staatsfeindlicher Inhalte“ die Rede.

Am Montag kommt schließlich durch eine „Welt“-Recherche Bewegung in die Sache: Wie sich herausstellt, ging es bei den inkriminierten Social-Media-Inhalten der Schülerin gar nicht um Schlümpfe – dies soll lediglich die Mutter der Schülerin behauptet haben. Sondern immerhin um Posts mit Slogans wie „heimat freiheit tradition, multikulti endstation“, oder „Deutsche Jugend voran“, die der „Welt“ zufolge mit der vom Verfassungsschutz beobachteten Identitären Bewegung und der rechtsextremen Kleinpartei „Der III. Weg“ assoziiert werden. Außerdem soll das Oberteil der Schülerin, welches in dem „Beweismaterial“ zu sehen gewesen sei, die Buchstaben „HH“ aufgestickt gehabt haben (was für „Heil Hitler“ stehen kann). Was freilich alles nichts daran ändert, dass die Posts als strafrechtlich irrelevant bewertet wurden.

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Bis hierhin ließe sich feststellen, dass sich die eine Seite des medialen Spektrums allzu leichtfertig von der doch abstrusen Version der Gefährderansprache wegen eines völlig harmlosen Videos überzeugen ließ – und die andere Seite trotzdem kein Problem darin sehen wollte, nur wegen einer Farbanalogie eine Gefährderansprache durchzuführen. Zu Ende ist die Geschichte damit aber immer noch nicht: Die AfD will der „Jungen Freiheit“ zufolge der Sache gar eine aktuelle Stunde des Bundestages widmen.

Und auch für die Berichterstattung scheint die Schlumpf-Posse immer noch Überraschungen bereit zu halten: So handelt es sich bei dem „HH“ auf der Kleidung des Mädchens laut „Nius“ lediglich um das Zeichen der beliebten Outdoor-Marke „Helly Hansen“.

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