Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um "5 vor 12"

Wer liest, bleibt Mensch!

Die 75. Frankfurter Buchmesse zeigt: Das Buch lebt – und zum Lesen gibt es keine vernünftige Alternative.
Frankfurter Buchmesse 2023
Foto: IMAGO/Chris Emil Janssen (www.imago-images.de) | Zum Lesen längerer Texte gibt es keine vernünftige Alternative. Wer an der immer komplizierter werdenden Welt nicht irre werden will, muss lesen.

 „Schock Deine Eltern. Lies ein Buch“ So und ähnlich werben Stadtbibliotheken heute um junge Besucher. Was auf den ersten Blick recht witzig klingt, verströmt bereits auf den zweiten einen drückenden Kulturpessimismus. Dazu gibt es jedoch keinen Grund, wie die gestern zu Ende gegangene 75. Frankfurter Buchmesse zeigt: Bücher stoßen nach wie vor auf ein großes Interesse. 110.000 Privatbesucher, 23.000 mehr als im vergangenen Jahr, fluteten allein an den beiden Publikumstagen Samstag und Sonntag die Messehallen, in denen mehr als 4.000 Ausstellende aus 95 Ländern ihre Druckerzeugnisse präsentierten.

Lesen Sie auch:

Und auch die übrigen Benchmarks können sich sehen lassen. 105.000 Fachbesucher aus 130 Ländern, 12.000 mehr als im Jahr zuvor, gaben sich an den Fachbesuchertagen (18. bis 20.10.) die Klinke in die Hand. Das früh ausgebuchte „Literary Agents & Scouts Centre“ (LitAg) meldete mit 548 Tischen, an den die Rechtehändler in rund 35.000 Meetings über Lizenzen verhandelten, gar eine Rekordbelegung.

Anker für Innerlichkeit und Entschleunigung

Vor allem aber gilt: Zum Lesen längerer Texte gibt es keine vernünftige Alternative. Wer an der immer komplizierter werdenden Welt nicht irre werden will, muss lesen. Infotainment bis der Arzt kommt, war gestern. Die Ursachen für die Krise der Demokratien, Kriege und den Raubbau an Gottes Schöpfung lassen sich genauso wenig via Facebook & Twitter verstehen lernen, wie sich gefährliche Ideologien wie der Transhumanismus oder Genderismus auf Instagram durchschauen lassen.

Dabei ist das Buch nicht bloß für den Autor das einzige Format, das es ihm ermöglicht, seine Gedanken Schritt für Schritt zu entfalten und dabei auch mögliche Einwände gegen diese ausführlich zu behandeln. Auch für den Konsumenten gilt: Lesen schult das Denken, fördert die Fähigkeit viele, unterschiedliche Informationen aufzunehmen, komplexe Zusammenhänge gedanklich zu verarbeiten und eine eigene Position dazu zu entwickeln. Und als wäre das noch nicht genug: Lesen kann und darf auch Freude bereiten. In unserer immer hektischer werdenden Welt fungiert zu lesen dann wie ein Anker für mehr Innerlichkeit und Entschleunigung. Wer liest, bleibt Mensch.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Stefan Rehder Frankfurter Buchmesse

Weitere Artikel

Seit 1980 veröffentlicht der Karolinger Verlag Bücher, ohne auf Trends zu schielen. Die Gründer Peter Weiß und Jean-Jacques Langendorf sprechen über Geschichte und Zukunft des Verlags.
01.02.2026, 15 Uhr
Sebastian Ostritsch
Gefängnisseelsorger zu sein, wendete sein Leben. Klar schreibt Winfried Abel über seine Zeit mit den „harten Kerlen“, die ihn verstehen ließen: Priester sind Väter für alle.
09.12.2025, 11 Uhr
Laetitia Barkhausen
„The European“, das Meinungsmagazin des Kulturstaatsministers, hatte wohl ein recht unverkrampftes Verhältnis zum Urheberrecht. Das fällt Weimer nun auf die Füße.
21.10.2025, 09 Uhr
Jakob Ranke

Kirche

Peter Kohlgraf ist „gerne Bischof von Mainz“, könnte sich aber wohl auch den DBK-Vorsitz vorstellen. Zumindest geizt er vor der Wahl nicht mit geschickten Positionsbestimmungen.
13.02.2026, 15 Uhr
Jakob Ranke
Nach Treffen zwischen Fernández und Pagliarani lässt der Vatikan verlauten: Bischofsweihen würden ins Schisma führen. Stattdessen soll ein Dialog theologische Differenzen klären.
12.02.2026, 15 Uhr
Guido Horst
Die Gebote sollen keine Überforderung sein, sondern ein Hilfe für die Christen, ihre eigene Berufung zu leben. Christsein ist schließlich kein Moralismus.
14.02.2026, 21 Uhr
Martin Grichting