Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Rezensionen

Kurzrezensionen am 16. Mai 2019

Olaf Matthias Roth: Claudio Montverdi - Marienvesper
Foto: dpa

Große Werke der Kirchenmusik sprechen oder vielmehr klingen zunächst einmal für sich. Sie entfalten ganz ähnlich wie liturgische Feiern auch dann ihre Wirkung, wenn man nicht jede Einzelheit versteht und keine Hintergrundinformationen hat. Auf der anderen Seite gilt aber: Je mehr man als Hörer über einen Komponisten, sein Leben, die Schwerpunkte seiner Arbeit und die Umstände der Entstehung eines Werkes weiß, desto mehr erschließt sich das Opus.

Eine leicht zugängliche, gut verständliche und komprimierte Form dieser wichtigen Informationen bietet die Reihe Werkeinführungen des Bärenreiter Verlages. In ihr erschien auch Olaf Matthias Roths 102 Seiten umfassender Crashkurs über die Marienvesper von Claudio Monteverdi. Der kleine Band ist in drei Teile gegliedert, dessen erster die Entstehung und Konzeption des Werkes beschreibt, es in Monteverdis persönliche Lebenswelt sowie die seiner Zeit einordnet und einen Überblick über das Opus gibt.

In Teil zwei stehen musikalische Aspekte einzelner Werkteile im Fokus und Teil drei informiert über die facettenreiche Geschichte der Aufführungspraxis. Im Anhang finden sich eine Übersicht über die Psalmtöne, eine Auswahldiskographie sowie ausgewählte Literatur zum Weiterlesen.

Fazit: Wer sich auskennt, hört mehr – klare Kaufempfehlung. bs

Olaf Matthias Roth: Claudio Monteverdi. Marienvesper. Bärenreiter Werkeinführungen. BärenreiterVerlag, Kassel, 102 Seiten, EUR 16,95

 

András Schiff: Musik kommt aus der Stille
Foto: dpa

András Schiff ist nicht nur ein bemerkenswerter, faszinierender und zweifellos auch bedeutender Pianist der Gegenwart. Er weiß auch, wo die wunderbaren Töne, die der durch die mal sanfte, mal energische Berührung der Tasten erzeugt, kommen, nämlich aus der Stille. Diese Erkenntnis ist zugleich der Titel eines Bandes mit Gesprächen zwischen András Schiff und dem Feuilletonisten Martin Meyer, bei dem es nicht nur um Technisches wie Spielweisen oder um Künstlerisches wie Interpretationsformen geht. Denn Musik, die oft wortlos, aber immer treffend, so vieles, auch gesellschaftspolitisches, auf den Punkt bringen kann, nimmt diejenigen, die sie singen und spielen in die Verantwortung.

Schiff nimmt diesen Auftrag ernst, weshalb er sich nicht nur durch sein Lassen einmischt, indem er beispielsweise weder im Ungarn Orbans noch im Österreich Haiders konzertiert. Der Pianist greift auch anstatt in die Tasten des Flügels in jene des Computers, um seiner Empörung gegen politische Fehlentwicklungen Ausdruck zu verleihen. Schiff ist kein Elfenbeinturmpianist, Und genau dies macht seine Interpretationen so lebendig und so wichtig für unsere Zeit. bs

András Schiff: Musik kommt aus der Stille. Gespräche mit Martin Meyer, Essays. Bärenreiter/Henschel, Kassel 254 Seiten, EUR 24,95

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Claudio Monteverdi Geistliche Musik Liturgie

Weitere Artikel

Philosophie muss nicht trocken sein. Malte Oppermann glänzt mit einem geistreichen Essay zur Frage, wie das Schlechte in die Welt kam.
19.04.2026, 15 Uhr
Sebastian Ostritsch
Ein Gespräch mit Meinrad Walter, Mitarbeiter im Amt für Kirchenmusik der Erzdiözese Freiburg, über die Lage der Kirchenmusik.
27.06.2026, 15 Uhr
Barbara Stühlmeyer
Für die Philosophin Simone Weil war Gewalt die Mitte „jeder menschlichen Geschichte“. In ihrem Essay über die Ilias geht sie dieser These auf den Grund.
23.12.2025, 13 Uhr
Daniel Zöllner

Kirche

Was zeichnet den neuen Pontifex aus? Welche Akzente setzten Leos Vorgänger mit ihren jeweils ersten Lehrschreiben? Es zeigt sich die Kontinuität.
28.06.2026, 11 Uhr
Christoph Münch
In würdigem Rahmen und bei magerer Kost ein letztes Gespräch, bevor sich die Wege trennen.
28.06.2026, 05 Uhr
Mario Monte
Intrigen, Verleumdungen und Grabenkämpfe begleiteten das Panorthodoxe Konzil, das vor zehn Jahren auf Kreta stattfand.
27.06.2026, 11 Uhr
Stephan Baier