Die Ilias gilt als Gründungsdokument abendländischer Literatur, in dem zugleich eine seitdem unübertroffene Höhe erreicht wurde. Diese großartige Dichtung ist dominiert von der Willkür der Götter und des Schicksals, von Tod, Hoffnungslosigkeit und einer Brutalität, die jeden Versuch einer Sinngebung oder tröstlichen Abmilderung scheitern lässt. Vermutlich hat sich jede Zeit in der Ilias wie in einem Spiegel wiedererkannt. Dass wir dies auch heute noch können, setzt aber voraus, den Irrtum eines moralischen Fortschritts und einer Humanisierung des Menschen im Laufe der Geschichte zu verabschieden.
Simone Weil und der Spiegel der Gewalt
Für die Philosophin Simone Weil war Gewalt die Mitte „jeder menschlichen Geschichte“. In ihrem Essay über die Ilias geht sie dieser These auf den Grund.
