Frankfurt/Oslo

IGFM kritisiert Auszeichnung Peter Handkes

Dass dem österreichischen Schriftsteller der Literaturnobelpreis verliehen werde, sei „skandalös“, meint der Vorsitzende der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM).
Auszeichnung Peter Handkes
Foto: Anders Wiklund (TT NEWS AGENCY/AP) | Umstrittener Literat: Die Verleihung des Literaturnobelpreises an den Österreicher Peter Handke wird aufgrund dessen Unterstützung des serbischen Nationalismus im Bürgerkrieg kritisiert.

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) übt Kritik an der heute anstehenden Verleihung des Literaturnobelpreises an den österreichischen Schriftsteller Peter Handke. Der 77-Jährige sei ein „Leugner schwerster Kriegsverbrechen Serbiens“, die Entscheidung des Nobel-Komitees „skandalös“.

Nie um Ausgleich bemüht

„Der Literaturnobelpreis für Handke ist eine Verhöhnung der Opfer von Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, so der IGFM-Vorsitzende Edgar Lamm. Handke habe in seinen Jugoslawien-Texten stets Partei für Serbien ergriffen und sich nie um Ausgleich bemüht.

Die IGFM erinnert an die Beerdigung des ehemaligen serbischen Machthabers Slobodan Milosevic im Jahr 2006, bei der Handke eine Rede gehalten hatte. Dabei habe er einem Mann „gehuldigt, der sich schwerster Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht“ habe. Vor allem bei den überlebenden Opfern der serbischen Vernichtungspolitik stoße dies auf Unverständnis. Auch die Vorsitzende des kroatischen Zweigs der IGFM, Jadranka Cigeli, und der Sprecher der IGFM in Bosnien-Herzegowina, Mirzad Duratovic, teilen die Kritik. Handke habe schwerste Verbrechen bagatellisiert und geleugnet.

Schwerste Verbrechen bagatellisiert und geleugnet

Partei für den Schriftsteller hatte zuletzt beispielsweise der neue Kärntner Bischof Josef Marketz ergriffen: Bei der Pressekonferenz im Rahmen seiner Ernennung erklärte er vergangene Woche, er halte die Auszeichnung Handkes, eines gebürtigen Kärntners, für „sehr positiv“. Zu dessen Parteinahme für Serbien und den serbischen Diktator Slobodan Milosevic meinte Marketz: „Man kann sich in seinem Engagement auch verrennen.“ Insgesamt sei Handkes Literatur aber „gewaltig“, insbesondere in seinem Blick auf die Menschen.

Handke erhält am Dienstag den Literaturnobelpreis 2019, die polnische Schriftstellerin Olga Tokarczuk wird mit dem nachgeholten Literaturnobelpreis für 2018 ausgezeichnet. Neben der Nobelmedaille und einer Urkunde erhalten beide ein Preisgeld von jeweils neun Millionen schwedischer Kronen (rund 830.000 Euro).

DT/mlu

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