Es dauert zwar noch etwas, bis wir wieder Silvester feiern, das große Fest, das auf dem Gedenktag des heiligen Papstes Silvester I. liegt, dafür dürfen wir aber bereits jetzt einen seiner Namensvetter hochleben lassen: Sylvester „Sly“ Stallone. Der Hollywood-Superstar, der am 6. Juli 1946 in New York City geboren wurde, feiert nämlich heute seinen 80. Geburtstag. Er wird oft unterschätzt und ist mehr als nur ein alt gewordener und brachialer Muskelprotz, der uns als Schöpfer von „Rocky“ und „Rambo“ zwei der ikonischsten Filmreihen der Popkultur geschenkt hat. Er ist auch ein dreifach Oscar-nominierter Schauspieler und Drehbuchautor, der mit seinem nuancierten Spiel im Drama „Copland“ (1997) und im Rocky-Ableger „Creed“ (2015) bewiesen hat, dass er auch ein ausgezeichneter Charakterdarsteller ist.
Zudem ist Stallone auch ein erfolgreicher Regisseur, Produzent und Synchronsprecher, der sich nahezu in jedem Filmgenre ausprobiert hat: Ob Thriller, Action, Drama, Komödie, Sci-Fi, Sport, Horror, Animation, Musik- oder Tanzfilm, seine Filmografie kennt keine Genregrenzen. Daneben ist er aber auch ein kluger Geschäftsmann und ein anerkannter Künstler, Dichter und Maler. Außerdem ist er Vater von zwei Söhnen aus seiner ersten Ehe mit Sasha Czask (verh. 1974–1985) und drei Töchtern aus seiner dritten Ehe mit Jennifer Flavin, mit der er nächstes Jahr bereits 30 Jahre verheiratet ist. Seine zweite Ehe mit Brigitte Nielsen (verh. 1985–1987) blieb kinderlos.
Er wuchs als Katholik auf, liest regelmäßig in der Bibel, geht in die Kirche und vergleicht den Gottesdienstbesuch gerne mit einem „Fitnessstudio für die Seele“. Zudem ist er aber auch ein prominenter Unterstützer von US-Präsident Donald Trump, welcher ihn zum „Sonderbotschafter für Hollywood“ ernannt hat. Er ist somit nicht unumstritten und bleibt dennoch das personifizierte Sinnbild für den American Way of Life und den American Dream, ein inspirierender Visionär mit einem tiefen Verständnis für Außenseiterfiguren, mit denen er Kinogeschichte geschrieben hat.
Tiefschläge vor und hinter der Kamera
Seine Rambo- und Rocky-Franchises waren für Stallone jedoch stets mehr als nur erfolgreiche Goldesel, die ihm Ruhm und Anerkennung gebracht haben. Er verarbeitete in diesen beiden, voneinander sehr verschiedenen Kultfiguren zahlreiche Erfahrungen aus seinem eigenen turbulenten Leben und sieht sie als zwei Seiten seiner Persönlichkeit an. Seine Underdog-Figuren sind selten unbesiegbare Helden. Ob als Rocky Balboa, der im Ring vor allem lernt, wie viele Schläge er einstecken kann und trotzdem aufsteht, oder als John Rambo, der an den traumatischen Wunden des Vietnamkrieges leidet: Stallone verleiht seinen Charakteren stets auch verletzliche Tiefe. Er porträtiert Männer, die von der Gesellschaft an den Rand gedrängt werden und sich durch Hingabe, Disziplin und Herz von Rückschlägen rehabilitieren.
Seine Rollen- und Filmwahl sowie seine zahlreichen Erfolge und Niederlagen haben stets sein Leben widergespiegelt und es gleichzeitig massiv geprägt. Es gab viele Tiefschläge, die Stallone vor und hinter der Kamera einstecken musste, darunter auch zahlreiche Kino-Flops und den frühen Verlust seines Sohnes Sage Stallone, der im Alter von 36 Jahren 2012 an einem Herzinfarkt verstarb. Privat verlief sein Leben ebenso wenig geradlinig wie die Rollen, die ihn berühmt gemacht haben. Stallones Werdegang liest sich dabei im Rückblick selbst wie ein Hollywood-Drehbuch von einem, der als Straßenkind und Außenseiter im berüchtigten New Yorker Stadtteil Hell’s Kitchen aufwuchs und allein durch Willensstärke und Ausdauer zum Weltstar und zur Legende wurde. Sowohl sein Leben als auch seine Karriere bestehen aus legendären Comebacks. Wenn das Leben oder die Kritiker ihn abschrieben, kehrte er stets mit einer Filmfortsetzung oder einer neuen kreativen Vision zurück. Seine Dialogzitate aus „Rocky Balboa“ (2006) sind bis heute weltweit motivierende Lebensweisheiten. Er steht symbolisch dafür, dass Erfolg durch eisernen Glauben an sich selbst und die Bereitschaft, niemals aufzugeben, entsteht.
Doch bis dahin ist es oft kein einfacher Weg: Geprägt von einer schwierigen Kindheit, einer zerrütteten Beziehung zu seinem Vater, sprachlichen Barrieren und einer Gesichtsnervenlähmung, die ihm sein unverkennbares Markenzeichen verlieh, wurde Stallone zunächst nicht ernst genommen und von unzähligen Filmagenturen abgelehnt. Er lebte in bitterer Armut und musste zeitweise sogar seinen Hund verkaufen, weil er sich kein Futter mehr für ihn leisten konnte. Doch Stallone besaß eine unerschütterliche Resilienz, die ihn trotz aller Widerstände nie aufgeben ließ.
Die Rolle seines Lebens
Nach vielen erfolglosen kleinen Filmrollen wurde ihm klar: Wenn er es als Schauspieler in Hollywood schaffen will, dann muss er zuvor Drehbuchautor werden. Wenn er nicht die Rollen bekommen konnte, die er haben wollte, musste er sich diese Rollen eben selbst schaffen, indem er sie sich auf den Leib schrieb. Bevor sein Name auf der ganzen Welt bekannt wurde und er zur Popkultur-Ikone avancierte, saß Stallone mit einem Stift in der Hand über einen Notizblock gebeugt und versuchte, eine gute Geschichte zu erfinden. Als er 1975 den Boxkampf zwischen Muhammad Ali und Chuck Wepner sah, wurde er schließlich von diesem Ereignis inspiriert und schrieb innerhalb von nur drei Tagen das Drehbuch zu „Rocky“. Daraufhin pokerte er sehr hoch und verkaufte sein Skript nur unter der Bedingung, dass er selbst die Hauptrolle spielen durfte.
Der Rest ist Geschichte, die wiederum selbst so inspirierend ist, dass sie Ende des Jahres als Spielfilm unter dem Titel „I play Rocky“ ins Kino kommt. „Rocky“, der als Film mit der Einblendung einer Christus-Ikone über einem Boxring beginnt und uns einen Protagonisten zeigt, der sich bekreuzigt, vor wichtigen Kämpfen betet, sich von einem Priester segnen lässt und zudem christliche Werte wie Nächstenliebe, Vergebung und Opferbereitschaft lebt, hat für Stallone alles verändert. Mit dem riesigen Erfolg des Boxer-Dramas kam im Jahr 1976 mit 30 Jahren der langersehnte Durchbruch, den Stallone als göttliche Fügung ansieht.
Der Grundstein für seine phänomenale Karriere war gelegt. Eine Karriere, die inzwischen 50 Jahre andauert und die neben der Rocky-, Creed- und Rambo-Saga mit weiteren Erfolgen wie den vier „The Expendables“-Filmen und zwei Auftritten im „Guardians of the Galaxy“-Marvel-Franchise oder auch der Paramount+-Serie „The Tulsa King“ gespickt ist. Stallone ist mit seinen 80 Jahren immer noch unglaublich fit, er ist weiterhin gut im Filmgeschäft aktiv und denkt nicht daran, sich zur Ruhe zu setzen. Wie lange er jedoch wirklich noch vor und hinter der Kamera wirken kann, das weiß wohl allein der, dem Stallone sich und seine Karriere verdankt. „Keep punching, Sly! Am Ende steht der Sieg!“
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