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Der internationale Kampf gegen Cyberterrorismus 

Trotz einiger Schwächen überzeugen die Hauptdarsteller sowie die Aktualität der behandelten Themen: die Apple TV-Serie „Liaison“.
Lisaison
Foto: Netflix | Alison Rowdy (Eva Green) und Gabriel Delage (Vincent Cassel) suchen gemeinsam nach sensiblen Informationen, die bei einem Cyberanschlag auf die syrische Polizei in die Hände von zwei jungen Hackern gelangt sind.

Ein Hinterhof irgendwo in Syrien. Die zwei jungen Hacker Walid (Marco Horanieh) und Samir (Aziz Dyab) haben gerade einen Polizeiserver geknackt. Die brisanten Informationen, die sie dabei finden, machen sie allerdings zur Zielscheibe verschiedener Geheimdienste, allen voran von Gabriel Delage (Vincent Cassel), der das Material für eine französische Firma besorgen soll. 

Interessiert an den Informationen ist aber auch die britische Regierung, deren Innenminister Richard Banks (Peter Mullan) Alison Rowdy (Eva Green) mit deren Beschaffung beauftragt. Bald erfährt der Zuschauer, dass Delage und Rowdy vor Jahren ein Paar gewesen sind, als die beiden in Frankreich lebten. Inzwischen dient Alison Rowdy aber der britischen Regierung. 

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Schnelle Schauplatzfolge

Delage gelingt es zwar, mit den beiden Hackern in Kontakt zu treten, und ihnen Asyl in Frankreich zu versprechen. Der Einsatz, um sie außer Landes zu bringen, endet jedoch in einer Katastrophe. Dennoch schaffen die zwei Hacker zusammen mit Samirs Frau und Kind, nach Großbritannien zu fliehen. 

Als wenig später das System der dortigen nationalen Cybersicherheit geknackt wird, fällt der Verdacht auf die Syrer, die als mutmaßliche Terroristen eingestuft werden. Die Suche nach den vermeintlichen Tätern wird intensiviert, nachdem auf den ersten, eher harmlosen Hackerangriff weitere, viel schwerwiegendere Anschläge folgen. 

Wie es bei Spionage-Thrillern und insbesondere bei Filmen über Cyber-Sicherheit üblich ist, wechseln sich die Schauplätze in schneller Folge ab. Den internationalen Flair unterstützen ebenfalls die verschiedenen Sprachen, die zum Einsatz kommen – schnell wechselt man vom Französische ins Englische und umgekehrt. Es wird aber auch auf Russisch und Arabisch gesprochen.

Eine deutliche Stärke der Apple-Serie liegt in der Besetzung: Vincent Cassel, der sowohl in Actionfilmen („Public Enemy“, „Kind 44“) als auch in Sozialkomödien („Alles außer gewöhnlich“) und Psychothrillern („Black Swan“) brilliert, und die ebenso vielseitige Eva Green („Casino Royal“, „Proxima – Die Astronautin“) gehören zu den besten französischen Schauspielern der Gegenwart. Dazu müssen allerdings auch die Darsteller von Nebenfiguren gezählt werden, insbesondere Irène Jacob, die durch die Kieslowski-Filme „Die zwei Leben der Veronika“ und „Drei Farben. Rot“ Anfang der 1990er bekannt wurde.

Kompakte Serie

Sie machen wieder wett, dass sich die von Serienentwicklerin Virginie Brac entworfenen Figuren als eigentlich ziemlich klischeehaft ausnehmen. Auch die verschiedenen Wendungen in der Handlung sind nicht besonders originell. Die Inszenierung erweist sich ebenfalls als eher konventionell – im Vergleich zu Spionageserien wie „Slow Horses“ oder zu Serien über internationale Verwerfungen wie „Diplomatische Beziehungen“. Von größerem Interesse als die Haupthandlung an sich stellt sich die gemeinsame Vergangenheit von Gabriel Delage und Alison Rowdy heraus, die für Spannung sorgt, weil sie erst nach und nach enthüllt wird. Zugutehalten kann man Virginie Brac jedoch, dass sie „Liaison“ als Miniserie mit sechs Folgen, also relativ kompakt, entworfen hat, und dass sie deshalb auch das Tempo meistens hochhält.

Auch wenn die Verknüpfung von spannendem Spionage-Thriller und der Ebene des Antiterrorkampfs in der Post-Brexit-Zeit mit den komplexen zwischenmenschlichen Beziehungen der Protagonisten nicht immer stimmig ist, zeichnet sich „Liaison“ dadurch aus, dass die Serie große politisch-gesellschaftliche Aktualität besitzt: Vordergründig durch die Veränderungen in der europäischen Politik, die nach dem Brexit entstanden sind, und die auch in der französisch-britischen Beziehung zwischen den beiden Protagonisten gespiegelt wird: Nach der gemeinsamen Vergangenheit finden sich die Britin und der Franzosen auf nicht mehr ganz freundschaftlichen, verschiedenen Seiten wieder. Ihr kompliziertes Verhältnis überträgt auf die private Ebene das Nach-Brexit-Verhältnis zwischen Großbritannien und Frankreich beziehungsweise Europäischer Union.

Anschlag auf kritische Infrastruktur

Dazu kommen die Flüchtlingspolitik oder etwa die zunehmende Rolle von privaten Sicherheitsfirmen auch auf dem internationalen Parkett.

Unter diesen Themen befindet sich aber eine größere Sorge: Die Digitalisierung und die heute vorherrschende Abhängigkeit der Gesellschaft von unterschiedlichen Technologien führen dazu, dass ein Cyberangriff das wird, was man früher GAU, den „größten anzunehmenden Unfall“, nannte. „Liaison“ liefert anschauliche Beispiele, wie ein computergesteuerter Anschlag auf sogenannte „Kritische Infrastrukturen“ (KRITIS) eine ganze Gesellschaft an den Rand des Chaos bringen kann – das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sprich davon, dass beim Ausfall oder Beeinträchtigung von KRITIS „nachhaltig wirkende Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit oder andere dramatische Folgen eintreten würden“.


„Liaison“, Frankreich, Großbritannien 2023. Serienentwicklerin: Virginie Brac, insgesamt sechs Folgen à ca. 55 Minuten. Auf Apple TV+. 

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