Filmklassiker

„It's a Wonderful Life“ kam vor 75 Jahren in die Kinos

Vor 75 Jahren kam „It's a Wonderful Life“ in die US-Kinos. Der Weihnachtsfilm-Klassiker bejaht das Leben – und ist angesichts zahlreicher Sterbehilfediskussionen aktueller denn je.
75 Jahre "Ist das Leben nicht schön?"
Foto: (ARD) | Der Weihnachtsfilm-Klassiker „Ist das Leben nicht schön?“ gehört für viele zu den Festtagen einfach dazu.

Katholiken wissen: Kein Mensch lebt nur für sich allein. Die Autonomie des Menschen ist keine absolute und auch keine, die sich in der Subjektivität des Menschen erschöpft, denn sie hat vielmehr sowohl moralische als auch soziale Voraussetzungen. Sie ist relational zu verstehen, denn jeder Mensch ist ein ens sociale – und bleibt es bis zuletzt. Der Mensch verliert auch im Sterben nicht die Beziehung zu Dritten. Damit ist immer auch Verantwortung verbunden. Es ist deswegen auch eine Illusion zu meinen, dass ein Suizid nur den Suizidalen selbst betreffe. Jede Handlung hat Konsequenzen für Dritte – auch der Suizid.

So sehenswert wie zeitlos

Es gibt einen ebenso sehenswerten wie zeitlosen Film, der auf anrührende Weise diese so wichtige Grundlage der Lebensschutzethik verdeutlicht: der Filmklassiker „Ist das Leben nicht schön?“ (im Original: „It's a Wonderful Life“), eine US-Produktion aus dem Jahr 1946 unter der Regie von Frank Capra, basierend auf der Kurzgeschichte „The Greatest Gift“ von Philip Van Doren Stern. Dieser bekannte Weihnachtsfilm (er spielt an Heilig Abend und es geht unter anderem um einen Engel, der endlich in der himmlischen Hierarchie aufsteigen will – und dafür Flügel braucht) stellt anhand des Protagonisten exemplarisch den Menschen als ens sociale vor.

Lesen Sie auch:

George Bailey (gespielt von James Stewart) ist ein guter Mensch. Ausgerechnet am Heiligabend verliert er seinen Lebensmut. Ein Fehler mit großer Tragweite lässt ihn am Sinn des Lebens zweifeln. Er beschließt, von einer nahegelegenen Brücke ins Wasser zu springen, um sich zu töten. Plötzlich fällt ein älterer Herr ins Wasser, in Bailey triumphiert für den Augenblick der gute Mensch, der für andere da ist, und er rettet den Mann, der Bailey damit am Suizid hindert, aus den Fluten. Der Gerettete stellt sich ihm als sein Schutzengel Clarence vor. Bailey glaubt ihm zunächst nicht, sieht in ihm aber einen willkommenen Gesprächspartner, dem er sein Leid klagen kann. Als er sein Leben auf die Formel bringt, alle ins Unglück zu stürzen und es daher wohl besser gewesen wäre, nie geboren worden zu sein, zeigt ihm der Engel, wie sich das Leben in seiner Heimatstadt entwickelt hätte – ohne ihn, George Bailey.

Die eigene Bedeutung für andere entdeckt

Bailey hat nun die einmalige Chance, den Lauf der Welt ohne ihn zu betrachten und muss feststellen, dass er in vielen Kontexten fehlt, dass er an schier allen Ecken und Enden gebraucht wird, dass zahlreiche Menschen ihn und seine Hilfe schmerzlich vermissen, dass Projekte ohne ihn scheitern, ja, dass die ganze Stadt ohne ihn eine andere, eine schlechtere wäre. Er erfährt so seine Bedeutung für andere und erkennt den Wert seines Lebens. Das ruft in ihm die Verantwortung wach und er beschließt, seinem Leben doch kein Ende zu machen. Der Status Quo ist wiederhergestellt, die anderen sind nun für ihn da und helfen ihm gar aus seiner misslichen Lage – und der Engel erhält seine sehnlichst erwünschten Flügel.

Jenseits der wirklich anrührenden Geschichte wird deutlich, wie mannigfaltig all jene menschlichen Beziehungen sind, die bei einem Suizid zugleich mitbeendet werden. Bailey entdeckt, dass das Leben schön ist – und zwar nicht deswegen, weil im Leben immer nur alles glatt läuft, sondern weil er es nicht alleine lebt, weil andere ihn brauchen und er ihnen etwas bedeutet. Der Film transportiert damit eine eindringliche Botschaft, die in den letzten 75 Jahren nichts an Aktualität eingebüßt hat, im Gegenteil: Wenn es einen Film gibt, den wirklich jeder Mensch mindestens einmal gesehen haben sollte, gerade auch in einer Zeit, in der die Sterbehilfe zur Option geworden ist, dann wohl „Ist das Leben nicht schön?“ – dieses Jahr an Weihnachten zum Beispiel am 24.12. um 22 Uhr 25 auf Servus TV oder am 25. Dezember um 20 Uhr 10 auf 3Sat.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
„Dexter“ und „You“: Bei diesen Protagonisten lösen sich die Grenzen zwischen Gut und Böse auf.
01.12.2021, 07  Uhr
Stefan Ahrens
Themen & Autoren
Josef Bordat Filmtipps Selbstmord

Kirche

Papst Benedikt XVI. bestand auf einem Priesterbild, das der Lehre der Kirche entspricht – und wurde dafür kritisiert.
24.01.2022, 11 Uhr
Regina Einig