Gendersprache

YouTuberin zeigt Problematik des Genderns

Die YouTuberin Alicia Joe schildert, wie Gendersprache häufig in eine Sackgasse führe. Sie plädiert dafür, das Verständnis für das generische Maskulinum zu stärken.
Schriftzug Mensch mit Gendersternchen
Foto: Christian Ohde via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Die YouTuberin Alicia Joe warnt vor "Satzungetümen" wie: "Das Buch des/der Schüler*s*in gebe ich an die Gruppe von Schüler*n*innen weiter“.

Die YouTuberin Alicia Joe hat in einem Video auf ihrem Kanal einige Fallstricke der „gendergerechten“ Sprache aufgezeigt. Unter dem Titel „Warum Gendersprache scheitern wird“ äußert sich Joe knapp 29 Minuten lang über das Gendern und die Probleme, die sich daraus ergeben. Als Paradebeispiel dienen ihr „Wortungetüme“, die sich insbesondere im Genitiv Singular oder Dativ Plural ergeben: „Das Buch des/der Schüler*s*in gebe ich an die Gruppe von Schüler*n*innen weiter“.

Auch grammatisch weibliche Formen können allgemein gültig sein

Bereits zu Beginn weist die YouTuberin, deren Kanal 307.000 Follower hat, darauf hin, dass nicht nur grammatisch männliche Personenbezeichnung allgemein gültig seien. Beim Satz: „Der König schickt seine Wache mit dem Schwert los, um den Angreifer abzuwehren“ sei „die Wache“ zwar eine grammatisch weibliche Form, sie werde aber generisch gebraucht – sie bezeichne in dem Fall eher Männer. Denn generisch können sowohl männliche („Der Mensch“) als auch weibliche („Die Person“) oder sachliche („Das Genie“) Personenbezeichnungen sein.

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Im Kapitel „Genus und Sexus“ differenziert Joe über allgemeinen Betrachtungen hinaus zwischen Sachgegenständen (der Löffel, das Messer, die Gabel): Hier seien die drei Genera willkürlich verteilt. Bei Personenbezeichnungen unterscheidet sie nach „Personenbezeichnungen bestimmten Geschlechts“, bei denen das Genus mit dem Sexus übereinstimme („Der Onkel“, „Die Tante“). Bei „Personenbezeichnungen unbestimmten Geschlechts“ seien die Genera – „genau wie bei Sachgegenständen“ – gleichmäßig und recht willkürlich verteilt („Die Koryphäe“, „Die Leiche“, „Das Kind“ oder auch „Die Lehrkraft“, „Der Lehrkörper“, „Das Lehrpersonal“).

"Movierte Personenbezeichnungen" als eigentliches Problem

Als eigentliches Problem bezeichnet Joe die „movierten Personenbezeichnungen“, wobei „Movierung“ die weiblichen/männlichen Ableitungen durch den Suffix meint. So leitet sich etwa aus „Lehrer“ dadurch „Lehrerin“ ab. Üblich sei die Movierung vom Maskulinum zum Femininum. Das Problem bestehe darin, dass es in der Regel keine Movierung für Männer gebe: Das Wort „Lehrer“ könne für eine Person unbekannten Geschlechts, aber auch für eine männliche Person stehen.

Als mögliche Lösung schlägt Alicia Joe vor, sämtliche Movierungen aufzugeben und stattdessen dort, wo eine geschlechtliche Unterscheidung nötig ist, mit Adjektiven zu arbeiten („weibliche Leiche“ – „männliche Leiche“; „weiblicher Lehrer – männlicher Lehrer“). Nicht die Sprache solle verändert, sondern das Verständnis in der Gesellschaft gestärkt werden, dass mit einem generischen Maskulinum alle Menschen einer Gruppe angesprochen seien. Als Beispiel führt sie an, dass heute 66 Prozent der Humanmedizin-Studenten weiblich seien. Damit würde die Realität die Behauptung Lügen strafen, dass bei der Bezeichnung „Arzt“ die meisten Menschen an einen Mann denken würden. 

Alicia Joe richtet sich an Universitäten und Behörden, insbesondere aber an die Medien: „Befasst euch bitte ausgiebig mit der Geschichte, der Entwicklung und der Grammatik der deutschen Sprache, bevor ihr wie wild – teilweise inkonsequent – drauf losgendert, dabei noch ganz viele Sachen falsch macht und somit nur Chaos und Spaltung in der Gesellschaft provoziert.“ 

Mehr als 450.000 Aufrufe

Das Video wurde in den ersten fünf Tagen mehr als 457.000 Mal aufgerufen. In den Kommentaren, viele von ihnen von Frauen, erhält Joe überwiegend Zustimmung: „Endlich gut dargelegte Argumente gegen das Gendern! Ich als Frau war schon immer dagegen. Ich fühlte mich nie männlich oder vergessen, als wir damals noch alle Schüler genannt wurden.“ 

Ein anderes Beispiel: „Ich finde es diskriminierend hervorgehoben werden zu müssen. Ich bin ein Mensch und will nicht Aufgrund meiner Sexualität oder Geschlechts als Anhängsel lieblos drangeklatscht werden. Es ist toll das man sich für andere einsetzen möchte.. und dennoch habe ich das Gefühl, das diese Gruppen die es betrifft, gar nicht richtig dazu befragt werden. Ich möchte ein Teil von dem sein, was alle sind und kein Sternchen oder sonst was.“  DT/jg

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