Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Im Alter von 82 Jahren gestorben

Musikproduzent Frank Farian: Größter Hit wäre ohne die Bibel undenkbar gewesen

Der Macher von „Boney M.“ und „Milli Vanilli“ starb mit 82 Jahren und verkaufte über 800 Millionen Tonträger.
Musikproduzent Frank Farian gestorben
Foto: IMAGO/Christian Offenberg (www.imago-images.de) | Ausgerechnet die Bibel verhalf dem es mit der Wahrheit nicht immer ganz genau nehmenden Frank Farian zu einem seiner größten Hits: „Rivers of Babylon“, 1978 von „Boney M.“ veröffentlicht.

Angesichts der Verkaufszahlen, die Deutschlands erfolgreichster Musikproduzent Frank Farian bis zu seinem Tod am Dienstag im Alter von 82 Jahren erzielt hat, muss selbst ein selbsternannter „Pop-Titan“ wie Dieter Bohlen vor Neid erblassen. Denn der Gründer von „Modern Talking“ konnte zwar bis auf den heutigen Tag über 160 Millionen Tonträger verkaufen – doch der Bohlen in herzlicher Abneigung verbundene Farian toppte dies mit Verkaufszahlen in Höhe von 800 Millionen Exemplaren.

Mitpräger des Disco-Sounds

Farian – geboren am 18. Juli 1941 als Franz Reuther in Kirn/Rheinland-Pfalz – wurde schon als Kind von amerikanischem Rock and Roll sowie Rhythm 'n' Blues beeinflusst und versuchte sich zunächst als Schlagersänger (größter Erfolg: „Rocky“ von 1976), ehe er sich entschied, vornehmlich hinter den Mischpultreglern Platz zu nehmen. 

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Die von ihm entdeckten und produzierten Bands „Boney M.“ und „Eruption“ prägten die Disco-Ära der Mitte bis Ende der 1970er-Jahre entscheidend mit – und vor allem „Boney M.“ erzielte mit Hits wie „Rasputin“, „Ma Baker“, „Daddy Cool“ oder „Brown Girl in the Ring“ so große internationale Erfolge, dass diese nach „Abba“ als zweiterfolgreichste kontinentaleuropäische Band der 1970er Jahre gelten.

Ein umstrittener Erfolgsmensch

Auch in den 1980er- und 1990er-Jahren blieb Farian das musikalische und finanzielle Glück hold: Mit Musikprojekten wie „Milli Vanilli“, „La Bouche“ und „No Mercy“ konnte sich der gebürtige Rheinland-Pfälzer, der mittlerweile Musikstudios in Brüssel, auf Ibiza und in Miami besaß, weiterhin in den obersten Chartregionen der Welt halten. Zudem arbeitete er mit Musiklegenden wie Stevie Wonder und Meat Loaf zusammen und coverte 1985 mit dem All-Star-Projekt „Far Corporation“ erfolgreich den „Led Zeppelin“-Klassiker „Stairway to Heaven“.

Trotz unbestrittener Erfolge war Farian in der Musikbranche und weit darüber hinaus als regelrechter Trickser und Schummler bekannt: Denn bei seinen beiden erfolgreichsten Projekten „Boney M.“ und „Milli Vanilli“ stellte sich jeweils heraus, dass die Musiker ihre eigenen Hits nicht selbst gesungen haben – im Fall von „Boney M.“ waren es lediglich Leadsängerin Liz Mitchell und Farian selbst, die bei dem Quartett die Lippen bewegten. Beim Duo „Milli Vanilli“ jedoch sangen weder Fab Morvan noch Rob Pilatus auch nur eine einzige Zeile selbst – die Enthüllung sorgte 1990 für einen großen Skandal, der erst kürzlich im Film „Girl you know it’s true“ mit Matthias Schweighöfer in der Rolle Frank Farians auf den hiesigen Kinoleinwänden in Erinnerung gerufen wurde.

„Rivers of Babylon“: Ein Hit biblischen Ausmaßes

Doch ausgerechnet die Bibel verhalf dem es mit der Wahrheit nicht immer ganz genau nehmenden Farian zu einem seiner größten Hits: „Rivers of Babylon“, das 1978 von „Boney M.“ veröffentlicht wurde. Das Lied basiert auf dem biblischen Psalm 137,1–4, einem Klagelied des jüdischen Volkes im Exil nach der Eroberung Jerusalems durch den babylonischen König Nebukadnezar im Jahr 586 vor Christus – und im Ganzen gesehen spiegelt der Psalm die nach der Verschleppung ins babylonische Exil aufgekommene Sehnsucht nach Jerusalem wider.

Als Lied von der Reggaeband „The Melodians“ bereits 1970 veröffentlicht, verwandelte Farian das Lied in einen Disco-Welterfolg – und gehört sowohl in Deutschland als auch in Großbritannien mit insgesamt 4,3 Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten Single-Veröffentlichungen aller Zeiten. Wie viel Geld Farian alleine mit diesem Hit eingenommen hat, ist nicht bekannt. In einem seiner letzten Interviews erzählte er jedoch, dass alleine sein Hit „Rasputin“, der während der Corona-Pandemie auf TikTok von einer jüngeren Generation neu entdeckt wurde, ihm alljährlich angeblich rund 250.000 Euro Tantiemen einbringen würde. 

Frank Farian ist am 23. Januar im Alter von 82 Jahren in Miami/Florida gestorben. 

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