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Im Schweiße deines Angesichts 

Arbeit adelt uns Sterbliche. Aber nicht als bloße Praxis: Als Poiesis trägt zielgerichtete Anstrengung das Schöne in unsere Welt. 
Die göttliche Strafe, arbeiten zu müssen, ist auch ein Segen: So entdeckt der Mensch seine Fähigkeiten und Möglichkeiten in der Welt.
Foto: IMAGO/imageBROKER/Yanleth Rivera (www.imago-images.de) | Die göttliche Strafe, arbeiten zu müssen, ist auch ein Segen: So entdeckt der Mensch seine Fähigkeiten und Möglichkeiten in der Welt.

Auf den Sündenfall der Menschen folgt die Strafe Gottes. „Verflucht sei der Erdboden deinetwegen“, wird dem Adam gesagt, „unter Mühsal sollst du dich von ihm ernähren alle Tage deines Lebens. Dornen und Disteln soll er dir wachsen lassen. / Die Pflanzen des Feldes musst du essen. Im Schweiße deines Angesichts / sollst du dein Brot essen.“ (Gen 3, 17–19) Die Früchte wachsen ihm nicht mehr wie im Paradies entgegen, sie bieten sich nicht mehr der mühelos pflückenden Hand. Der Mensch hat sich körperlich anzustrengen und mit Verstand Schwierigkeiten zu überwinden. Schon Adam musste überlegen, welche Erde für welchen Anbau taugt, wie der Acker zu bewässern und wie das Saatgut zu verbessern wäre. 

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Liegt in dieser Strafe nicht auch ein Segen? Arbeiten heißt immer auch entdecken. Die Welt wird in ihren Eigenschaften entdeckt, der Mensch entdeckt sich dabei selbst, die eigenen Kräfte werden bewusst, steigern sich, verbinden sich mit Klugheit. Die Menschen erwerben Kompetenzen. Nur so werden sie zu denen, die sie sein können. Sie setzen sich Ziele und entwerfen. Schon der bloße Arbeitsprozess, für sich betrachtet, hat eine Tendenz der Veränderung. Die Biene „kann“ schon alles, was für ein Bienenleben wichtig ist; sie muss nicht nachdenken und planen, und der Löwe hat die Pranke, mit der er die Beute schlägt. Nur der Mensch kann eigentlich nichts und muss alles erst erfinden und erarbeiten. 

Es fehlt die Wertschätzung der Arbeit

Etwas Neues kommt durch die Menschen in die Welt. Die Griechen hatten dafür das Wort „poiesis“, wovon unser „poetisch“ ein Nachklang ist. Platon sagt es im Symposion so: „Denn jede Ursache, die irgendetwas vom Nichtseienden ins Seiende überführt, ist insgesamt Poiesis.“

Die Frau hatte zuerst von ihrer Strafe erfahren, war sie es doch auch, die sich von der Schlange zum Biss in den Apfel hatte verführen lassen: „Überaus zahlreich werde ich die Beschwerden deiner Schwangerschaft machen. / Unter Schmerzen sollst du Kinder gebären.“ (Gen 3, 16) Das ist dem Menschen eigentümlich und unterscheidet ihn vom Tier. Beide Strafen, die des Mannes und die der Frau, gehören ihrem Wesen nach zusammen. Der nun arbeitende und entwerfende Mensch hat einen größeren Schädel, weil sein Gehirnvolumen größer ist. Zugleich ist durch den aufrechten Gang das Becken der Frau nun weniger breit. Beide Strafen sagen, jeweils genau an Mann und Frau adressiert: Ihr seid jetzt Homo sapiens. 

Stehen wir gerade am Ende dieser Entwicklung, geht es rückwärts? Der Wunsch nach Kindern, so sagen uns die Statistiken, ist im Sinkflug begriffen. Die Menschen scheinen in Deutschland, wenn man den Umfragen glaubt, auch weniger Lust auf Vollzeitbeschäftigung zu haben, von Arbeit wird mehr im Zusammenhang einer „Work-Life-Balance“ gesprochen. Die schulischen, das heißt die intellektuellen Leistungen, gehen ausweislich der Tests seit Jahren zurück. Dafür steigt der Drogenkonsum, der Entlastung von den Strafen – dem Schweiß und den Schmerzen – verspricht. Das Projekt der Gegner steht seit Jahrhunderten unter dem Titel „Die Abschaffung der Sünde“. 


Der Autor schrieb als Journalist für die FAZ und widmet sich heute philosophisch-theologischen Themen. 

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