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Christen sind nach Bazon Brock keine Apokalyptiker

Er gilt als der Ästhetik-Weise: Bazon Brock, der 1936 in Stolp/Słupsk im heutigen Polen zur Welt kam und über viele Jahrzehnte mit seinen Veröffentlichungen, Vorlesungen und Aktionen das kulturelle Leben der Bundesrepublik geprägt hat. Was er über Horrorfilme, körperliche Selbstverstümmlung und andere Trends denkt, äußert er im großen Feuilleton-Interview der „Tagespost“.
Behüten und Bewahren
Foto: Gerd Altmann /Pixabay | Behüten und Bewahren sind der christliche Geist.

Im Feuilleton der aktuellen „Tagespost“ äußert sich Bazon Brock sehr deutlich zum Trend, den eigenen Körper zu verstümmeln. „Jede Verstümmelung des eigenen Körpers“, so Brock, verstoße gegen die Natur. „Das natürliche Lebensprinzip heißt Bewahren. Auf dieser Verantwortlichkeit für das eigene Leben beruht unser gesamtes System des Zusammenlebens. Selbstverstümmelungsformen, die von Individuen ausgeübt werden, sind psychische Defekte. Die Leute, die das an anderen vollziehen, wollen einfach Kasse machen. Deren Motiv, anderen Leuten Geld abzunehmen, überlagert alle anderen ethischen und sonstigen Motive.“

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Satanisten betreiben das Prinzip der Zerstörung

Gerade die bei Satanisten üblichen Piercings haben für Brock eine tiefere Bedeutung: „Sie wollen das Prinzip der Zerstörung – wie im Kapitalismus üblich – als schöpferisch betrachten. Anstatt das Tyrannische der Zerstörung anzuerkennen, tut man so, als könne man selber einen Beitrag leisten, um das Weltende herbeizuführen. Das ist eine schiere kindlich dumme Allmachtsanmaßung, die geistlos behauptet, dass die eigene Macht einen legitimiert. Das Dämonische ist nur eine Deckoperation, eine Kaschierung, eine Überblendung des eigentlichen Motivs: sich als Herrenmensch aufzuspielen und sich am Leiden anderer zu ergötzen. Man tut so, als ob man einem höheren Zwecke dienen möchte.“

Christen, dies unterstreicht der 86-Jährige, die früher an Aktionen mit Joseph Beuys beteiligt war, hätten eine andere Orientierung – sie seien „keine Apokalyptiker“: „Der christliche Erlösergedanke besagt nicht, dass mit der Kreuzigung Jesu Christi jedes Leid in der Welt aufgehoben wird, sondern dass man einen Weg aufgezeigt bekommt. Jede Art von sozialem Handeln ist nicht aus egoistischer Perspektive zu sehen, sondern aus der Perspektive aller Betroffenen. Wenn ich mein Handeln so ausrichten muss, dass weder ich noch andere zu Schaden kommen, dann folgt das dem Prinzip des Opfers. Ich muss mich einschränken. Asket zu sein bedeutet Einübung in die Selbstbeherrschung. Das beschneidet meine Freiheit und meine Machtgelüste – genau das ist das Motiv der Zeugenschaft Jesu. DT/mee

Bazon Brock über Kunst, Körper und Spiritualität im Feuilleton der „Tagespost“. Lesen Sie das ganze Interview in der Ausgabe der „Tagespost“ vom 30. März.

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