Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Debattenkultur

Bestsellerautor von Schönburg beklagt Verlust der „Unbekümmertheit“  

Die Debatte ist eine Kunst. Scheinbar verlieren wir den Mut und oder die Fähigkeit zum Diskurs. Stetiger Konsens schläfert ein.
Jubiläum der Maidan-Proteste
Foto: Efrem Lukatsky (AP) | Mitglieder der Nationalisten demonstrieren 2017 anlässlich des dreijährigen Jubiläums der Maidan-Proteste in Kiew. Kann man über den Putsch unterschiedlicher Meinung sein?

Der Bestseller-Autor Alexander v. Schönburg berichtet in der „Tagespost“ vom Verlust der „Unbekümmerheit“, den er an sich selbst erlebt. „In letzter Zeit erwische ich mich dabei, dass mir auch bei in privatem Kontext ausgesprochenen Worten eine gewisse Unbekümmertheit flöten geht. Erstmals in meiner Lebenszeit erlebe ich, dass gewisse Aussagen nicht nur anstößig wirken, sondern einen geradezu ins soziale Abseits befördern könnten. Ich hatte nie etwas gegen Anstößigkeit. Solange sie mit Takt gepaart ist. Ausschließlich Dinge zu äußern, die konsensfähig sind, ist langweilig. Aber wer will schon aus der Gemeinschaft ausgestoßen werden?“

Lesen Sie auch:

Nicht aussprechen

Der 52-Jährige, der auch zur Chefredaktion der BILD-Zeitung gehört, schließt daraus: „Über manche Dinge grübele ich also nur noch im Stillen nach. Wenn ich die Dinge, über die ich nachdenke, nicht mehr aussprechen kann, fehlen mir dann allerdings die, die mir widersprechen und mich eines Besseren belehren. Ich würde zum Beispiel gerne laut darüber nachdenken, ob der Sturm auf das Kapitol, der zweifelsohne ein abscheulicher Anschlag auf die demokratischen Institutionen Amerikas war, mit den Maidan-Protesten im Winter 2013/2014 zu vergleichen ist.

Damals wurde in Kiew eine demokratisch legitimierte Regierung gestürzt. Weil die Straßenproteste gegen eine korrupte Regierung gerichtet waren, wurden die Putschisten von uns im Westen als „die Guten“ klassifiziert. Und das, obwohl eine der tragenden Kräfte dieses Umsturz die ultranationalistische, rechtsradikale Partei Swoboda war. Ich würde mich gerne korrigieren lassen. Ich würde mir gerne erklären lassen, warum sich diese beiden Ereignisse und warum sich QAnon und Swoboda nicht vergleichen lassen, warum das eine unsere Empörung und das andere unsere Unterstützung verdient. Aber das geht nicht, weil einen schon die unbekümmerte Frage zum Aussätzigen machen würde.“ DT/mee

Der Bestseller-Autor Alexander von Schönburg über den Verlust der Unbekümmertheit. Lesen Sie den ganzen Text in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

Themen & Autoren
Vorabmeldung

Weitere Artikel

Jesus ermutigt uns, das Gute nicht zu verstecken und mutig zu sein. Er hilft uns, gegen den Strom zu schwimmen.
18.06.2026, 07 Uhr
Florian Kopp
In der groß angelegten „Vereinbarten Debatte“ über einen Paradigmenwechsel bei der Organspende hielt Michael Brand eine so bemerkenswerte wie selbstkritische Rede.
26.06.2026, 11 Uhr
Stefan Rehder
Die Nutzung Künstlicher Intelligenz bei der Erstellung journalistischer Texte erregt die Gemüter. So wird die Debatte in den Medien geführt.
17.06.2026, 13 Uhr
Jakob Naser

Kirche

Der eskalierende Streit zwischen Kirche und Regierung beschädigt die Autorität beider Seiten und spaltet ein Land, das von unfreundlichen Nachbarn umgeben ist.
14.08.2026, 17 Uhr
Stephan Baier
Katechismuslesen reicht nicht: Warum der Abtprimas der Benediktiner, Jeremias Schröder, der Mutter Jesu große Bedeutung für seinen Glauben beimisst.
14.08.2026, 15 Uhr
Esther von Krosigk
In Obertshausen erinnert neuerdings eine Statue an den Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz und an den spanischen Wallfahrtsort Caravaca de la Cruz.
14.08.2026, 09 Uhr
Oliver Gierens
Tod in der Arena oder lebendig begraben im Bergbau? Im dritten Jahrhundert wurden auch Päpste zu Märtyrern. Der 13. August ist der Gedenktag des heiligen Papstes Pontianus.
12.08.2026, 21 Uhr
Claudia Kock
Wer und was in deutschen Bistümern willkommen ist, zeigt sich besonders deutlich im Umgang mit der traditionellen lateinischen Messe und der Priesterbruderschaft St. Pius X.
11.08.2026, 20 Uhr
Jakob Naser