Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Neue "Tagespost"-Serie - "Aufbruch – die christliche Zukunft Europas"

Aufbruch statt Untergang

Hochkarätige Autoren wie Johannes Hartl denken in der neuen Reihe "Aufbruch – die christliche Zukunft Europas" über die Zukunft des Christentums nach.
Der Brunnen von Karthaus im Schnalstal in den Südtiroler Alpen
Foto: Volker Hohlfeld (imago stock&people) | Zeit für den Aufbruch in eine christliche Zukunft.

Kulturen sind lebendige Organismen und durchschreiten, wie jedes Lebewesen, einen natürlichen Lebensweg, der von der Entstehung über die Blüte und Fülle bis hin zu Verfall und Tod führt. So zumindest lautet eine der zentralen Thesen des Geschichtsphilosophen Oswald Spengler. In seinem zweibändigen geschichts- und kulturphilosophischen Klassiker „Der Untergang des Abendlandes“ (1918/1922) war Spengler zudem der Überzeugung, dass die Lebenskräfte der europäisch-abendländischen Kultur aufgebraucht seien: Ihr Lebenszyklus stehe vor der Vollendung, der Niedergang habe unwiderruflich begonnen.

Nun muss man Spengler in seinen geschichtsphilosophischen Spekulationen nicht folgen. Als Christ wird man ihnen sogar in einem entscheidenden Punkt widersprechen müssen. Denn während Spengler meinte, in der Geschichte eine Abfolge in sich geschlossener kultureller Zyklen erkennen zu können, leben Christen in der Überzeugung, dass es einen einzigartigen Dreh- und Angelpunkt in der Geschichte gegeben hat: Der allmächtige Schöpfer des Universums, der Lenker aller weltlichen Geschicke, ist selbst als Mensch in die Weltgeschichte eingetreten, um aus ihr eine Heilsgeschichte zu machen.

Wer herrscht über die Geschichte?

Dass wir in Europa – oder allgemeiner gesprochen: im Westen – in Zeiten des institutionellen, sittlichen und religiösen Verfalls leben, lässt sich dennoch schwer leugnen. Das Christentum ist kulturell im Rückzug begriffen. Die Volkskirche ist entweder nur noch eine blasse Erinnerung an vergangene, bessere Tage oder ein frommer Zukunftswunsch jener, die noch am christlichen Glauben und seiner religiösen Praxis festhalten. Die Realität ist dagegen von Entchristlichung und Säkularisierung geprägt. Und dennoch dürfen sich Christen nicht in weinerlichen Klagen über den „Untergang des Abendlandes“ ergehen. Denn sie müssten wissen, dass nicht anonyme Mächte, eiserne Gesetzmäßigkeiten oder ein blindes Schicksal über den Gang der Geschichte herrschen, sondern der lebendige Gott. Dieser aber vermag auf für den Menschen völlig neue und unvorhergesehene Weise in der Welt zu wirken und den erwartbaren Lauf der Dinge zu ändern.

Wie also lässt sich eine christliche Zukunft Europas jenseits der üblichen Verfallsklagen denken? Welche Möglichkeiten der Re- und Neuchristianisierung – ¬oder zumindest einer Überwinterung des Christentums – sind nicht nur prinzipiell denkbar, sondern auch realistisch? Diesen und verwandten Fragen ist die neue „Tagespost“-Serie gewidmet, in der christliche Autoren und Intellektuelle ihre Überlegungen zu einem Aufbruch in eine christliche Zukunft Europas darlegen.

Das Verlangen nach Transzendenz in der Moderne

Den Anfang macht Johannes Hartl. In seinem Essay „Nach dem säkularen Zeitalter“ stellt er sich die Frage, wie das Christentum angesichts der beiden Megatrends der Moderne, nämlich Säkularisierung und Industrialisierung, lebendig und in der Welt wirksam bleiben kann. Die Antwort findet Hartl in der Tatsache, dass der Mensch von einem Verlangen nach Transzendenz und Sinn gekennzeichnet ist – einem Verlangen, das sich nicht durch weltliche Güter oder technische Errungenschaften stillen lässt.

Lesen Sie auch:

Auch die Ausbreitung des Islams im Westen und die Bedrohungen, die damit für Christen entstehen, müssen kein Grund zur Verzweiflung sein. Wie Hartl mit Verweis auf die koptischen Christen Ägyptens zeigt, kann das Christentum gerade auch dort blühen, wo es in seiner Existenz besonders herausgefordert wird.

Den Essay von Johannes Hartl lesen Sie in der kommenden Ausgabe.

Themen & Autoren
Sebastian Ostritsch Christliche Glaubensrichtungen Johannes Hartl Koptische Christen

Weitere Artikel

Die Eden Academy will junge Menschen zu Persönlichkeiten formen, die die Gesellschaft gestalten, anstatt sich von ihr treiben zu lassen.
09.11.2025, 15 Uhr
Theresia Mair
Der Krieg ist zurück in Äthiopien, doch der Westen ignoriert weithin einen facettenreichen Konflikt, der bereits Hunderttausenden das Leben und Millionen die Heimat kostete.
02.10.2026, 11 Uhr
Stephan Baier
Knochen des Apostels Paulus sind nur eines der Highlights. In einem vom Architekten Jörg Preckel entworfenen Neubau mitten in Münster öffnet die Kirche den Blick in ihre Schatzkammer.
06.09.2026, 13 Uhr
Henry C. Brinker

Kirche

Sie besucht einen Monat lang die Bistümer Augsburg, Freiburg und Limburg: Die Reliquienreise der heiligen Bernadette steht fest. Auf der Liste stehen 18 Klöster und Kirchen.
01.10.2026, 18 Uhr
Meldung
Zu Fuß von Köln zur Trösterin der Betrübten nach Kevelaer: Warum diese Pilgerfahrt junge Menschen anzieht.
02.10.2026, 13 Uhr
Isabel Wodatschek
Der langjährige Kurienmitarbeiter Friedrich Bechina wird Koordinator der Geistlichen Assistenten von „Kirche in Not“. Dafür bringt er internationale Erfahrung mit.
02.10.2026, 05 Uhr
Guido Horst
Ehemalige Mitglieder von „Totus Tuus“ berichten von geistlicher Überforderung und Abhängigkeit. Eine neue Studie zeigt, wie solche Strukturen entstehen.
02.10.2026, 07 Uhr
Benjamin Leven