Berlin

Der WDR will Literatursendungen streichen

Prominente Autoren wehren sich in einem Offenen Brief gegen die Kürzungen von Literaturbesprechungen. Die Reaktionen bleiben nicht aus.
«Literarisches Quartett»: Thea Dorns Neuanfang
Foto: Svea Pietschmann (ZDF) | Die österreichische Schriftstellerin Vea Kaiser (l-r), Autorin Thea Dorn, Publizist Jakob Augstein und Autorin Marion Brasch sitzen in der Sendung das «Literarische Quartett im Literatursalon im Berliner Ensemble.

Das Literarische Quartett mit Marcel Reich-Ranicki hatte noch die goldene Zeit erlebt, in der Literatur geschätzt wurde. Die Einschaltquoten waren hoch, man sprach am nächsten Tag über Literatur.  Doch der Wind hat sich gedreht. Der Westdeutsche Rundfunk hat angekündigt, ab März seine Literaturkritiken auf WDR3 zu kürzen, weil dies keine „zeitgemäße Vermittlung“ von Literatur sei.

Kommt der Sender noch seinem Kulturauftrag nach?

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Die von möglichen Kürzungen betroffenen Autoren, insgesamt 102 Personen wie auch Günther Jauch, Ex-Bild-Chef Kai Dieckmann oder Alice Schwarzer, wandten sich nun in einem Offenen Brief an den Intendanten des Westdeutschen Rundfunks, Tom Buhrow sowie an weitere leitende Stellen des Senders.  Es wird beklagt, dass jährlich um die 250 Bücher weniger besprochen werden, und gefragt, ob der Sender noch seinem Kulturauftrag nachkommt. Bücher seien schließlich kein Luxusgut und die Buchlesezeiten steigen in allen Altersgruppen. 

Die Reaktionen bleiben nicht aus. Das deutsche PEN-Zentrum, die Schriftstellervereinigung zeigte sich entsetzt „über die Entscheidung des WDR, die Sendeplätze für Literatur und Sachbücher zu reduzieren und die täglichen Rezensionen zu streichen“. Vielmehr müsste die Literaturberichterstattung ausgebaut werden.  Auch der Suhrkamp Verlag wandte sich gegen das Projekt und verwies auf Frankreich, wo das öffentlich-rechtliche Fernsehen ein neues Format zur besten Sendezeit mit zwei Stunden täglich Kulturthemen – von der Musik bis zur Literatur – angekündigt hat.  So bleibt zu hoffen, dass der Westdeutsche Rundfunk sein Vorhaben überdenkt, nachdem der Sender bereits 2010 seinen Literaturmarathon auf WDR5 gestrichen hat. 

Lesen Sie weitere Hintergründe in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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