Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Berlin

„Der theologische Nullpunkt ist erreicht“

Die christlichen Kirchen verabschieden sich selbstverschuldet in die Bedeutungslosigkeit, findet der Medienwissenschaftler Norbert Bolz.
Abschied in die Bedeutungslosigkeit
Foto: Marc Müller (dpa) | Für Klimapolitik-Impulse muss man nicht in die Kirche gehen. Wenn die christlichen Kirchen sich nicht wieder auf die Heilsverkündigung besinnen, entgleiten sie immer mehr in die Bedeutungslosigkeit, meint Norbert Bolz.

Der Weg einer Selbstsäkularisierung des Christentums zum sozialistischen Humanitarismus sei in Deutschland längst schon gebahnt, meint der Medienwissenschaftler und Autor Norbert Bolz. In der kommenden Ausgabe der Tagespost zeichnet Bolz ein kritisches Bild der aktuellen Entwicklung der chistlichen Kirchen in Deutschland. Die dramatischen Kirchenaustrittszahlen seien im Wesentlichen nur das Symptom einer tiefer liegenden theologischen Krise. 

Die Kirchen auf der Welle des Zeitgeistes

Bolz kritisiert, dass die Kirchen ihrem Auftrag, Heil anzubieten, nicht mehr gerecht würden und sich in politisch-gesellschaftlichen Debatten verlören. „Als Zivilreligion hat das Christentum die großen Themen wie Kreuz, Erlösung und Gnade aufgegeben und durch einen diffusen Humanismus kompensiert.“ Damit könnten die christlichen Kirchen den Menschen allerdings nicht mehr bieten, „was diese aus anderen, nämlich grünen und sozialistischen Quellen, nicht sehr viel präziser erfahren könnten.“ Vor allem das klimapolitische Engagement der Kirchen wecke den Verdacht, dass die katholische Kirche hier auf der höchsten Welle des Zeitgeistes, nämlich der Angst vor der „Klimakatastrophe“ reite und sich der neuen „Öko“-Religion anschließe. 

Als Beobachter bekomme man durch solchen Aktivismus leicht den Eindruck, „dass das Christentum in der modernen Welt sich selbst nicht mehr für anschlussfähig hält, jedenfalls nicht in seiner kirchlichen Dogmatik“.

DT/ama

Warum Norbert Bolz sich von den Kirchen mehr "Mut zur Unzeitgemäßeit" und weniger Klimapolitik wünscht, lesen Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe

Themen & Autoren
Redaktion Christliche Kirchen Humanismus Katholische Kirche Klimakatastrophe Religionswissenschaft

Weitere Artikel

Was bleibt vom Menschen? Rüdiger Safranski zum Stand der Geistesgeschichte, an dem Gott und Mensch, die Religion und die Künste in eine neue Ordnung der Wahrnehmung eintreten.
03.09.2026, 07 Uhr
Stefan Groß-Lobkowicz
Zu lange haben Christdemokraten das Thema Ökologie der grünen Bewegung überlassen. Dabei finden sich gerade im Christentum die richtigen Prämissen für einen Naturschutz.
26.08.2026, 09 Uhr
Dorian Winter
Man wolle man das politische Handeln „kritisch begleiten“: Christliche Kirchen äußern sich zur Landtagswahl. „Schlimme Befürchtungen” seien wahrgeworden.
07.09.2026, 14 Uhr
Meldung

Kirche

Künstliche Intelligenz kann Daten verarbeiten, aber keine Verantwortung übernehmen. Papst Leo XIV. verteidigte in „Magnifica Humanitas“ die menschliche Urteilskraft.
01.11.2026, 09 Uhr
Christoph Fehring
Es gibt ab Samstag neue US-amerikanische Selige: Fünf Franziskaner, die 1957 von Ureinwohnern in Georgia ermordet wurden. Der Grund: Sie verteidigten die monogame Ehe.
31.10.2026, 05 Uhr
Claudia Kock
Halloween wurde zum Filmthema – und machte den Grusel-Tag hierzulande populär. Ein Horrorfilm spiegelt gesellschaftliche Verhältnisse und hinterfragt Selbstverständliches.
31.10.2026, 11 Uhr
Fabian Bell
Ist es falsch, dass die Kirche sich gegen die Todesstrafe stellt? Nein, denn jeder Mensch hat eine unantastbare Würde. Und zwar nicht erst seit Papst Franziskus.
29.10.2026, 21 Uhr
Maximilian Welticke