Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Erfahrungen aus der Weltsynode

Renovabis-Direktor: In der Kirche muss es anders zugehen als im Parlament

Renovabis-Direktor Thomas Schwartz spricht gegenüber der „Tagespost“ über seine Erfahrungen bei der Weltsynode.
An den runden Tischen sei, berichtet Renovabis-Chef Thomas Schwartz, Gelegenheit für Austausch auf Augenhöhe.
Foto: Gregorio Borgia (AP) | An den runden Tischen sei, berichtet Renovabis-Chef Thomas Schwartz, Gelegenheit für Austausch auf Augenhöhe.

Thomas Schwartz, Direktor des kirchlichen Osteuropa-Hilfswerks „Renovabis“, nimmt seit letzter Woche an der Weltsynode in Rom teil. Gegenüber der "Tagespost" spricht er von seinen bisherigen Erfahrungen. Positiv hebt Schwartz dabei die Zusammenarbeit an den runden Tischen hervor. „Die Möglichkeit, mit jedem Teilnehmer in ein wirkliches Gespräch zu kommen, erlaubt einen Austausch auf Augenhöhe“, so Schwartz.

Für Bilanzierungen sei es noch „ein bisschen zu früh“, doch berichtet Schwartz, dass es „atmosphärisch wertschätzend und respektvoll zugeht“. Von der Synode erhoffe sich Schwartz, „dass wir in der Kirche mit sehr unterschiedlichen Positionen dennoch in einen geschwisterlichen und konstruktiven Austausch kommen können“. Wichtig sei für Schwartz, dabei die Unterschiede als Bereicherung und nicht als Gefahr zu erkennen.

Spirituelles Ereignis, keine parlamentarische Demokratie

Besonders die Einkehrtage im Vorfeld der Synode hätten einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, indem sie deutlich gemacht hätten, dass der synodale Prozess ein spirituelles Ereignis für die Kirche sei und es dort anders zugehen müsse als in parlamentarischen Demokratien, wo Entscheidungen immer reversibel sein müssten. „Reservibilität ist jedoch kein Kriterium der kirchlichen und auch nicht einer synodalen Entscheidungsfindung“, so Schwartz.

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Ausschluss der Presse soll Druck von außen verhindern

Dass die Synode unter Ausschluss der Medien stattfindet, verteidigt Schwartz. „Es geht nicht um Verweigerung von Kommunikation, sondern vielmehr darum, die Meinung der unterschiedlichen Teilnehmer der Synode nicht „zu Markte“ zu tragen und so einen Druck aufzubauen, der eine ehrliche und durchaus auch kontroverse Diskussion nicht mehr zulässt.“ Er teile aber die Angst mancher vor der Presse nicht.

Auch über den Angriff der Hamas auf Israel und die Kriegshandlungen in Nahost werde auf der Synode gesprochen. Man tausche sich im Gebet für die Opfer aus, aber diskutiere auch mit den Vertretern orientalischer Kirchen des Heiligen Landes über die Entwicklungen und die Befürchtungen der Menschen. DT/sdu

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