München

Pastoraltheologe Wollbold: „Kirche hat ihre Sendung verloren“

Um aus der Krise des Glaubens zu finden, plädiert der Pastoraltheologe Andreas Wollbold für eine pastorale Bekehrung. Die Themensetzung des „Synodalen Wegs“ geht für ihn an den eigentlichen Problemen der Kirche vorbei.
Pastoraltheologe Wollbold fordert pastorale Bekehrung
Foto: adobe.stock.com | "Wie können wir die Herzen der Menschen für das Evangelium wiedergewinnen? Wie können Menschen sich bekehren?“ Mit diesen Fragen müsse sich die Kirche nach Ansicht Wollbolds eigentlich beschäftigen.
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Nach Ansicht des Münchner Pastoraltheologen Andreas Wollbold ist die Krise der Kirche „zutiefst eine Krise des Glaubens“. Im Gespräch mit der „Tagespost“ erklärt der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München: „Die Glaubenskrise ist eine Gotteskrise. Das Gottesbild der Menschen hat sich verändert.“ Für die meisten Menschen sei Gott kein persönliches Du, sondern bestenfalls eine höhere Kraft, „die mich wie ein warmer Wind umfängt und mir das Leben etwas leichter macht“.

Kritik am "Synodalen Weg"

Die Kirche, so Wollbold, habe aber Jesus Christus, „die menschengewordene Liebe Gottes“, zu verkünden, „und nicht warmen Wind zu machen“. Der entscheidende Punkt ist für Wollbold: „Die Kirche hat ihre Sendung verloren.“ Notwendig sei daher eine pastorale Bekehrung, „aber der weichen wir mit allen Mitteln aus“.

Kritisch äußert sich Wollbold zum „Synodalen Weg“: Er glaube nicht, so der 59-Jährige, dass die Themen Macht, Sexualmoral, priesterliche Lebensform und die Rolle der Frau, mit denen sich der Reformprozess vom ersten Advent an befassen werde, angesichts der Glaubenskrise die wichtigsten sind. „Man hat eher den Eindruck, hier sollen strukturelle Fragen, kirchenpolitische Fragen, Fragen, die seit Jahren in den innerkirchlichen Zirkeln mit Lust und Liebe diskutiert werden, nun in eine bestimmte Richtung durchgedrückt werden.“

"Die katholische Kirche in Deutschland ist zu
schwergewichtig an Strukturen, an Einrichtungen,
zum Teil auch an großen Apparaten"
Andreas Wollbold, Pastoraltheologe

Dabei laute die eigentliche Aufgabe: „Wie können wir die Herzen der Menschen für das Evangelium wiedergewinnen? Wie können Menschen sich bekehren?“ Diese Fragen scheinen nicht zu interessieren, so der Pastoraltheologe.

Auf die Frage, warum sich die Kirche in Deutschland mit dem Thema Evangelisierung so schwer tue, meint Wollbold: „Die katholische Kirche in Deutschland ist zu schwergewichtig an Strukturen, an Einrichtungen, zum Teil auch an großen Apparaten.“ Eine Intervention von außen werde nur noch als „Störe meine Kreise nicht“ empfunden. Der Kern der pastoralen Bekehrung sei deshalb auch ein anti-struktureller: „Wir müssen den Apparat abbauen, wir müssen die Kirche wieder als Communio, als Gemeinschaft aller wirklich Gläubigen verstehen, als kleine Gemeinschaft, die von Glaube, Hoffnung und Liebe lebt und die nicht vom Kirchensteuerapparat und von großen Ordinariaten gesteuert ist.“

DT/mlu

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