Bratislava

Papst an slowakischen Klerus: Seid eine demütige Kirche

Papst Franziskus begegnete in der St.-Martins-Kathedrale von Bratislava den slowakischen Bischöfen, Priestern, Ordensleuten, Seminaristen und Katechisten.
Papst Franziskus in der Slowakei
Foto: Micha Svitok (TASR) | In der in ihren Ursprüngen aus dem 13. Jahrhundert stammenden St.-Martins-Kathedrale erwarteten Papst Franziskus zahlreiche Bischöfe, Priester, Ordensleute, Seminaristen und Katechisten.

Nach seiner Begegnung mit den Spitzen aus Politik, Diplomatie und Zivilgesellschaft in der Slowakei am Montagvormittag im Garten des Präsidentenpalastes in Bratislava stattete Papst Franziskus der knapp eine Viertelstunde zu Fuß entfernt liegenden St.-Martins-Kathedrale einen Besuch ab. In der in ihren Ursprüngen aus dem 13. Jahrhundert stammenden Kirche erwarteten ihn bereits zahlreiche Bischöfe, Priester, Ordensleute, Seminaristen und Katechisten, um - wie auf Papstreisen üblich - den römischen Pontifex einmal persönlich begegnen zu können.

Papst: Die Kirche ist keine Festung

Die wichtigste Botschaft, die das Oberhaupt der Katholischen Kirche dem einheimischen Klerus mit auf den Weg geben wollte, war die, als Kirche nach innen und nach außen demütig und bescheiden aufzutreten. " Die Kirche ist keine Festung, keine Machthaberin, keine hoch erhabene Burg, die auf die Welt distanziert und überheblich herabblickt", mahnte Franziskus gegenüber seinen Zuhörern an.

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Und er fügte hinzu: "Das Zentrum der Kirche ist nicht die Kirche!" Anstatt sich übertriebene Sorgen um "uns selbst, unsere Strukturen, um das Ansehen in der Gesellschaft zu machen", sei es wichtiger, immer tiefer in das reale Leben der Menschen und deren Sorgen und Bedürfnisse - seien sie geistlicher oder materieller Natur - einzutauchen.

Freiheit, Kreativität, Dialog

Anhand des Dreiklangs "Freiheit, Kreativität, Dialog" entwickelte Papst Franziskus vor seinen Zuhörern das Bild einer demütigen Kirche, "die sich nicht von der Welt absondert und nicht aus der Distanz auf das Leben schaut, sondern ihm innewohnt."

So müsse die Kirche aus Sicht des Papstes nicht nur für die Freiheit innerhalb der slowakischen Gesellschaft eintreten, sondern diese auch im Inneren der Kirche vorleben: "Die Freiheit verlangt von uns, dass wir für unsere Entscheidungen Verantwortung übernehmen, dass wir unterscheiden und uns im Leben weiterentwickeln." Dies sei manchmal anstrengend und führe in Kirche und Gesellschaft vielfach dazu, sich in Bequemlichkeit und dem Gewohnten einzurichten. "Vielleicht sind einige Menschen daran gewöhnt, aber viele andere - vor allem die jüngeren Generationen - fühlen sich von einem Glaubensangebot, das ihnen keine innere Freiheit lässt, und von einer Kirche, in der alle gleich denken und blind gehorchen müssen, nicht angezogen."

Kyrill und Methodius als Vorbilder

Hier bedarf es vor allem sowohl der Kreativität und des Dialoges, so der Pontifex weiter. Immer wieder - wie auch schon in seiner Rede am Vormittag im Garten des Präsidentenpalastes - kam er hierbei auf die Evangelisten der Slawen, die heiligen Brüder Kyrill und Methodius, zu sprechen, deren Wirken sich nicht nur auf die Verkündigung des christlichen Glaubens beschränkte, sondern auch dazu führte, dass diese ein neues Alphabet für die Übersetzung der Bibel, der liturgischen Texte und der christlichen Lehre entwickelten. "Ist dies nicht vielleicht die dringlichste Aufgabe der Kirche gegenüber den Völkern Europas: neue 'Alphabete' für die Verkündigung des Glaubens zu finden?", fragte Franziskus die anwesenden Geistlichen.

Ebenso mahnte der Bischof von Rom eine nach innen und außen dialogfähige Kirche an. Auch hier dienten ihm die Apostel der Slawen zum Vorbild:  "Es ist eine Kirche, die nach dem Beispiel von Kyrill und Methodius Ost und West, unterschiedliche Traditionen und Mentalitäten vereint und zusammenhält" - eine Gemeinschaft, die durch "die Verkündigung des Evangeliums der Liebe die Gemeinschaft, die Freundschaft und den Dialog zwischen den Gläubigen, zwischen den verschiedenen Konfessionen und zwischen den Völkern gedeihen lässt."

Lesen Sie ausführliche Hintergrundberichte zum Papst-Besuch in der Slowakei in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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