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Missbrauchstäter – ausgelöscht und für immer vergessen?

In der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs eines Priesters aus Sachsen, soll das Grab des verstorbenen Geistlichen dem Erdboden gleich gemacht werden. Man kann aber letztlich auch Missbrauchstätern nicht die Menschenwürde absprechen.
Grab
Foto: (81976978) | Das Grab des verstobernen Priesters Herbert Jungnitsch, der sich des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht hat, soll dieses Jahr eingeebnet werden.

Das Jahr 2021 bringt mindestens in einem Punkt ein Novum in der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der Kirche mit sich: Dieses Jahr soll erstmals das Grab eines des sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen schuldigen Priesters eingeebnet werden, wie die „Sächsische Zeitung“ berichtet. 

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Tote kann man nicht mehr bestrafen

In dem konkreten Fall handelt es sich um das Grab des Priesters Herbert Jungnitsch, der 1971 in seiner Gemeinde Heidenau in Sachsen verstorben ist. Sein Grab befindet sich auf dem Südfriedhof der Stadt. Wie der Seelsorgerat der Pfarrgemeinde St. Georg bestätigt, soll der verstorbene Priester körperliche und sexualisierte Gewalt gegen mindestens vier Kinder angewandt haben. Außerdem soll Jungnitsch zwei Jugendliche zusammen mit weiteren Männern aus der Gemeinde zum Sex gezwungen haben, so die „Sächsische Zeitung“.

Auch wenn die Auflösung von Grabstätten auch bei Priestern nach einer gewissen Zeit üblich ist – wird sie in diesem Fall auf der Internetseite der Pfarrei als "Teil des Aufarbeitungsprozesses in der Gemeinde" angegeben. So grausam jegliche Art sexueller Nötigung ist und so sehr sie bestraft werden muss, kann man Tote aber nicht mehr bestrafen. 

"Wenn die Kirche den Sündern das Menschsein abspricht,
dann wird sie eine Kirche von Scheinheiligen."

Und auch, wenn die Taten des Priesters absolut schändlich waren, so glauben wir doch, dass jeder Mensch eine unauslöschliche Würde von Gott bekommen hat, die keine Tat der Welt ihm nehmen kann. Einem Menschen aber aufgrund seiner Taten seine Grabstätte zu nehmen, käme dem gleich – ihm auch nach dem Tod noch die menschliche Würde entziehen zu wollen. Wenn aber die Kirche den Sündern das Menschsein abspricht, dann wird sie eine Kirche von Scheinheiligen. So wichtig die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der Kirche ist, kann das Auslöschen des Gedächtnisses an den Täter nicht der richtige Weg sein. 

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Themen & Autoren
Veronika Wetzel Kirchen und Hauptorganisationen einzelner Religionen Kirchengemeinden Menschenwürde Sexueller Missbrauch

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