Wer der katholischen Sozialethik in seinem Denken folgt, misstraut einfachen Heilsversprechen – und ebenso der schnellen Verdammung. Die Geschichte der Kirche kennt beides: Technikpessimismus und Technikbegeisterung, Kreuzzugsrhetorik und Fortschrittsoptimismus. Am Ende gilt ein nüchterner Satz: Nicht das Werkzeug ist moralisch, sondern der Gebrauch. Genau deshalb ist die aktuelle Verbotsdebatte – TikTok heute, die nächste App morgen – so verführerisch und so unzureichend. Ein Plattformverbot ist die moderne Form des Ablasshandels der Politik: Man zahlt mit einem einfachen Akt, um sich vom schlechten Gewissen freizukaufen – und hofft, die Sünde des Systems sei damit getilgt.
Social-Media-Verbot: Ein digitaler Ablasshandel
Die Debatte über das Verbot von TikTok oder anderen Apps führt nicht weiter. Stattdessen kann die Katholische Soziallehre Anknüpfungspunkte für digitale Spielregeln bieten.
