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Metropolit Hilarion nach Missbrauchsvorwürfen suspendiert

Der russisch-orthodoxe Bischof, der lange als zweitwichtigster Mann des Moskauer Patriarchats galt, weist alle Vorwürfe zurück.
Metropolit Hilarion  weist alle Vorwürfe zurück
Foto: Imago/Itar-TASS | Metropolit Hilarion soll seinen Assistenten sexuell genötigt haben. Doch Metropolit Hilarion weist alle Vorwürfe vor sich.

Das Moskauer Patriarchat hat Metropolit Hilarion vorläufig aus allen Ämtern entfernt. Das berichtet die Katholische Nachrichtenagentur (KNA) am Freitag. Grund dafür sind Missbrauchsvorwürfe durch Hilarions ehemaligen Assistenten, Subdiakon Georgij Suzuki. Dieser wirft seinem früheren Vorgesetzten sexuelle Übergriffe und ein Leben im Luxus vor. Hilarion, der ehemalige Außenamtschef des Moskauer Patriarchats, muss nach einem Beschluss des Moskauer Patriarchats die Leitung der Diözese Budapest-Ungarn, sowie den Vorsitz der Theologiekommission und eines weiteren Gremiums vorläufig abgeben. Indes soll eine Kommission die Lage untersuchen. 

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Audiomitschnitte sollen Nötigung belegen

Bereits im Juli veröffentlichte das Onlineportal „Nowaja Gazeta Europa“ den Grundriss einer Villa mit 14 Zimmern und Pool, die Hilarion erworben haben soll. Laut dem Portal habe Suzuki ihnen Audiomitschnitte überlassen, aus denen hervorgehe, dass Hilarion Suzuki verboten habe, sich angekleidet ins Bett zu legen. Laut „Nowaja Gazeta Europa“ drohte Hilarion Suzuki mit Exkommunikation, sollte dieser seinen Haushalt verlassen. Auch Audiomitschnitte, in denen Hilarion das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kyrill I., einen selbstherrlichen Umgang mit Spendengeldern reicher Oligarchen vorwarf, soll Suzuki dem Portal überlassen haben.

Hilarion weist die Vorwürfe zurück und bezichtigt seinen ehemaligen Assistenten und dessen Mutter der Erpressung. Er zeigte sich bereit, den Vorwürfen gerichtlich entgegenzutreten. Sein Anwesen habe er aus Privateinkünften, unter anderem als Buchautor, bezahlt. Elf Geistliche aus der Diözese Ungarn verteidigten den Metropoliten in einem Statement und bezeichnen Suzuki als „Verbrecher“. 

Hilarion war lange Zeit als möglicher nächster Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche gehandelt worden. Bis Juni 2022 hatte er das Außenamt des Moskauer Patriarchats geleitet, war dann aber in die relativ unbedeutende Rolle des Metropoliten der Diözese Ungarn-Budapest versetzt worden. Laut der „Moskow Times“ sei dies nach einer Untersuchung wegen Verdachts finanziellen Fehlverhaltens geschehen, die Patriarch Kyrill in die Wege geleitet hatte. Von 2003 bis 2009 spielte Hilarion als Bischof von Wien und Österreich eine Schlüsselrolle im Dialog mit der katholischen Kirche und hat bis heute gute Beziehungen zu Papst Franziskus und zum Vatikan. DT/sdu

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