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Leo: „Ich beabsichtige nicht, die Lehre zu ändern“

Der Papst werde weder die Frauenordination einführen noch das traditionelle Familienbild aufbrechen. Der Westen sei zu fixiert auf Fragen sexueller Identität, kritisierte er. 
Interview in „Leo XIV.: Bürger der Welt, Missionar des 21. Jahrhunderts“
Foto: IMAGO/Evandro Inetti | Dringende Reformen sieht Papst Leo XIV. derzeit nur bei den Dikasterien. Hier müssten Abschottungen aufgebrochen werden, die einen Dialog behinderten.

Papst Leo XIV. wird die kirchliche Lehre in Bezug auf Sexualität nicht ändern. Auch die Frauenordination werde er nicht einführen. Das sagte er in einem Interview mit der US-amerikanischen Vatikankorrespondentin Elise Ann Allen, das im heute auf Spanisch erschienenen Buch „Leo XIV.: Bürger der Welt, Missionar des 21. Jahrhunderts“ veröffentlicht worden ist und über welches das international katholische Nachrichtenportal CNA am Donnerstag berichtet hat. Die einzigen Reformen, die Leo erwähnte, bezogen sich auf die Kommunikation der Dikasterien untereinander. Hier gelte es Abschottungen aufzubrechen, die den Dialog behinderten.

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Mit Blick auf LGBTQ+-Personen erklärte der Papst, dass alle Menschen in die katholische Kirche eingeladen seien, jedoch „nicht wegen einer spezifischen Identität, sondern weil alle Kinder Gottes sind.“ In Anlehnung an Aussagen seines Vorgängers, Papst Franziskus, sprach er von einer „Aufnahme für alle, alle, alle.“ Aber „die Lehre der Kirche wird so bleiben, wie sie ist“. Besonders die traditionelle Familie aus Vater, Mutter und Kindern gelte es wieder in den Fokus zu rücken und zu stärken. „Eine Familie besteht aus Mann und Frau, die im Sakrament der Ehe gesegnet sind“, so der Papst. Westliche Gesellschaften seien zu sehr fixiert auf Fragen der sexuellen Identität, kritisierte er.

„Ich beabsichtige nicht, die Lehre zu ändern"

Auch die Frage der Frauenordination beantwortetet der Papst unmissverständlich: „Ich beabsichtige nicht, die Lehre zu ändern.“ Frauen sollen aber abseits der Priesterweihe weiterhin Führungsrollen in der Kirche übernehmen können. Seine Rolle sieht der Papst darin, Brücken zu bauen und dafür zu sorgen, dass „die Polarisierungen, die es in der Welt und in der Kirche gibt“, nicht noch weiter angeheizt werden. 

Was die Debatte um die tridentinische Messe betrifft, bedauerte Leo beispielsweise deren politische Instrumentalisierung. Er wolle Gespräche mit Anhängern des alten Ritus führen – „mit synodaler Methode“. Beim Thema „Missbrauchskrise" warnte er davor, Missbrauch „zum einzigen Brennpunkt der Kirche“ zu machen: „Die große Mehrheit der Priester und Ordensleute hat nie jemanden missbraucht. Die Kirche darf nicht auf dieses eine Thema reduziert werden“, so Leo wörtlich. 

Leo mahnt zu Pragmatismus

Bei der US-Politik verwies der Papst auf die „Kirchenleitung in den USA". Die müsse „mit dem Präsidenten im Gespräch zu sein“. Er selbst würde sich aber nicht scheuen, Präsident Donald Trump gegenüber dringende Fragen anzusprechen. In Bezug auf China wolle er den Kurs seiner Vorgänger fortsetzen und stehe im „ständigen Dialog mit verschiedenen chinesischen Gesprächspartnern“. Wichtig sei es, besser zu verstehen, wie die Kirche dort ihre Mission fortsetzen könne, „im Respekt vor Kultur und politischer Situation“. Und bei der Situation in Gaza  - so viel Leid könne man kaum ertragen, so der Papst - , warnte er davor, bei all den schrecklichen Bildern abzustumpfen.  

Der Band „Leo XIV.: Bürger der Welt, Missionar des 21. Jahrhunderts“ ist heute auf Spanisch beim Penguin Verlag in Peru erschienen. Nach und nach soll er auch in Spanien, Mexiko und Kolumbien erhältlich sein. Eine englische und eine portugiesische Ausgabe sind für Anfang 2026 geplant.  DT/dsc

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