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Papst: „Es kamen Millionen. Was haben sie gefunden?“

Leo XIV. schließt die Heilige Pforte im Petersdom und wirbt für die Schönheit einer Hoffnung, die die Mächtigen dieser Welt nicht anbieten können.
Papst Leo schließt Heilige Pforte
Foto: IMAGO/STEFANO CAROFEI / ipa-agency.net (www.imago-images.de) | Am Morgen des Dreikönigstags, vor dem feierlichen Gottesdienst in der Vatikanbasilika, hatte sich Papst Leo zum stillen Gebet vor die noch offene Pforte gekniet und schließlich erst den einen, dann den anderen Flügel ...

Die Heilige Pforte im Petersdom ist zu, das Heilige Jahr ist zu Ende, mit dem Fest der Heiligen Drei Könige starten Papst und Vatikan in eine Zeit, in der wieder die Lasten des Alltags und nicht mehr der Glanz und die Menschenmassen eines Jubiläums im Vordergrund stehen. Drei Mal „heilig“: die Heilige Pforte, das Heilige Jahr, die Heiligen Drei Könige. Die Kirche hat den Menschen nach wie vor etwas anzubieten, was die Mächtigen dieser Welt eben nicht anbieten können: einen Weg zum ewigen Heil in Gott.

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Am Morgen des Dreikönigstags, vor dem feierlichen Gottesdienst in der Vatikanbasilika, hatte sich Papst Leo zum stillen Gebet vor die noch offene Pforte gekniet und schließlich erst den einen, dann den anderen Flügel des Portals zugezogen, zu dem ein Jahr lang Millionen Menschen über die Via della Conciliazione hochgezogen waren. „Die Heilige Pforte dieser Basilika“, sagte Leo XIV. kurz darauf in seiner Predigt, „hat den Strom unzähliger Männer und Frauen gesehen, die als Pilger der Hoffnung auf dem Weg zu der Stadt mit den immer offenen Toren, dem neuen Jerusalem, waren. Wer waren sie und was hat sie bewegt?“

Die Frage nach der geistlichen Suche der vielen Zeitgenossen stelle sich zum Ende des Heiligen Jahres mit besonderem Ernst, fuhr der Papst fort: „Millionen von ihnen haben die Schwelle der Kirche überschritten. Was haben sie gefunden? Welche Herzen, welche Aufmerksamkeit, welche Resonanz? Ja, die Sterndeuter gibt es noch immer. Es sind Menschen, die die Herausforderung annehmen, ihre je eigene Reise zu wagen, die in einer so bewegten Welt wie der unseren, die in vielerlei Hinsicht abweisend und gefährlich ist, das Bedürfnis verspüren, sich auf den Weg zu machen, zu suchen.“

Für die Organisatoren ein voller Erfolg

Das Heilige Jahr war auch ein weltliches Ereignis, das über die Kirche hinaus die Politik, die öffentliche Verwaltung und die Sicherheitskräfte vor allem in Rom und in der Region Latium in Atem gehalten hatte. Bei einer Pressekonferenz am Montag im Vatikan hatte sich der „harte Kern“ der Verantwortlichen ein wenig selbst gefeiert: dass man eng zusammengearbeitet habe, dass die „Methode Jubiläum“ funktioniert habe, das heißt, die anstehenden Aufgaben über kurze Dienstwege, tägliche Telefonate und enge Zusammenarbeit aller Beteiligten schnell und effizient gelöst werden konnten.

Vor den Journalisten saßen Erzbischof Rino Fisichella, als Pro-Präfekt des Dikasteriums für die Evangelisierung der Beauftragte des Papstes für den organisatorischen Ablauf des Heiligen Jahrs. Neben ihm Alfredo Mantovano, Staatssekretär beim Amt des italienischen Ministerpräsidenten, sozusagen der „Kanzleramtsminister“ von Giorgia Meloni, sodann Roms Bürgermeister Roberto Gualtieri sowie der Präsident der Region Latium und der Chef der römischen Präfektur, die vor allem für die Sicherheitsfragen zuständig war: Das war das Team, das das Heilige Jahr „geschultert“ hat. Und mit Erfolg, da waren sich alle auf dem Podium einig.

Genau 33.475.369 Pilger aus aller Welt hätten die Ewige Stadt besucht, um eine der Heiligen Pforten zu durchschreiten, gab Erzbischof Fisichella bekannt. Im Petersdom hätten die Kameras an der Pforte automatisch jeden Einzelnen der Pilger gezählt. Mit über 36 Prozent seien die meisten Heilig-Jahr-Besucher aus Italien gekommen, gefolgt von US-Amerikanern (12,6 Prozent), Spaniern (6,2 Prozent), Brasilianern (4,7 Prozent), Polen (3,7 Prozent), Deutschen (3,2 Prozent), Engländern und Chinesen (beide 2,8 Prozent).

Zu den 35 Großveranstaltungen seien zwei außerordentliche Ereignisse hinzugekommen: das Requiem für Papst Franziskus und die Wahl von Leo XIV. mit Staatsbesuchen und viel Prominenz aus allen Teilen der Welt. Von den 332 geplanten Bauprojekten seien 204 bereits ganz oder teilweise abgeschlossen, fügte Bürgermeister Gualtieri an. Vor allem habe man die Fußgängerzone zwischen Engelsburg und Via della Conciliazione samt Untertunnelung für den Verkehr punktgenau zum Start des Heiligen Jahrs fertiggestellt. Aber auch die Chemie zwischen den Verantwortlichen hat offensichtlich gestimmt. Auf die Frage, was er nach dem Heiligen Jahr am meisten vermissen werde, antwortete Erzbischof Fisichella bewegt: „Die fast täglichen Telefonate und die Freundschaften, die über die strukturelle Verantwortung hinaus entstanden sind. Das hat uns ermöglicht, gut zusammenzuarbeiten.“

Die Schönheit, Pilger der Hoffnung zu sein

Für Papst Leo geht die Wirkung des Heiligen Jahrs jedoch weit über die organisatorische Leistung hinaus. Für ihn zählt das Herz jedes Einzelnen, der im Heiligen Jahr die Pforten durchschritten hat: „Die Art und Weise, wie Jesus allen begegnet ist und alle an sich herangelassen hat“, sagte er bei seiner Predigt am Dreikönigsfest, „lehrt uns, das Geheimnis der Herzen zu schätzen, die nur er zu lesen vermag. Mit ihm lernen wir, die Zeichen der Zeit zu erkennen.“

Die Herzen der Menschen von heute erlebten schwere Bedrängnisse. „Seit den Tagen Johannes’ des Täufers bis heute wird dem Himmelreich Gewalt angetan und Gewalttätige reißen es an sich“, zitierte der Papst den Herrn aus dem Matthäus-Evangelium. Dieser geheimnisvolle Ausdruck Jesu lasse unweigerlich an die vielen Konflikte denken, in denen die Menschen dem Neuen, das Gott für alle bereithalte, Widerstand leisten und es sogar zunichtemachen können. „Den Frieden zu lieben, den Frieden zu suchen bedeutet, das zu schützen, was heilig ist und gerade deshalb im Entstehen begriffen ist: klein, zart, zerbrechlich wie ein Kind“, sagte der Papst weiter. „Um uns herum versucht eine entstellte Wirtschaft, aus allem Profit zu schlagen. Wir sehen es: Der Markt macht sogar aus dem menschlichen Verlangen, zu suchen, zu reisen, neu anzufangen, ein Geschäft. Fragen wir uns: Hat uns das Heilige Jahr gelehrt, jener Art von Effizienz zu entfliehen, die alles auf ein Produkt und den Menschen auf einen Konsumenten reduziert? Werden wir nach diesem Jahr besser in der Lage sein, im Besucher einen Pilger, im Unbekannten einen Suchenden, im Fernen einen Nächsten, im Anderen einen Weggefährten zu erkennen?“

Papst Leo ließ diese Fragen offen. Aber am Ende seiner Predigt machte er dann doch sehr deutlich, wie schön es sei, ein „Pilger der Hoffnung“ zu sein, dem es verheißen sei, die „Morgenröte“, das persönliche Heil zu finden: „Der Herr überrascht uns immer noch! Er lässt sich finden. Seine Wege sind nicht unsere Wege, und die Gewalttätigen können sie nicht beherrschen, noch können die Mächte der Welt sie blockieren. Daher die große Freude der Sterndeuter, die den Palast und den Tempel hinter sich lassen und sich auf den Weg nach Betlehem machen: Von da an sehen sie wieder den Stern!“

Daher sei es schön, „Pilger der Hoffnung zu werden. Und es ist schön, dies weiterhin gemeinsam zu sein. Die Treue Gottes wird uns weiterhin in Erstaunen versetzen. Wenn wir unsere Kirchen nicht zu Denkmälern degradieren, wenn unsere Gemeinschaften Heimat sind, wenn wir gemeinsam den Verlockungen der Mächtigen widerstehen, dann werden wir die Generation der Morgenröte sein.“ 

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Guido Horst Leo XIV.

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