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Papst Leo startet durch

Das Konsistorium in Rom mit (fast) allen Kardinälen der Welt soll ein Aufbruch hin zu einer christusorientierten Einheit der Kirche sein.
Papst Leo trifft Kardinäle zu Konsistorium
Foto: IMAGO / Catholicpressphoto | Beim Konsistorium Mitte dieser Woche geht es um nichts Geringeres als den Kurs der gesamten Kirche. Mancher meint, dass damit das Pontifikat von Papst Leo überhaupt erst beginnt.

Insgesamt 245 Kardinäle gibt es in der Welt und nicht alle werden an dem außerordentlichen Konsistorium teilnehmen können, zu dem sie Leo XIV. für den 7. und 8. Januar nach Rom eingeladen hat. Krankheit oder die Gebrechen des Alters werden den einen oder anderen die Reise nicht antreten lassen. Bei den Generalkongregationen vor dem Konklave des letzten Jahres waren es auch nur 190 Purpurträger, die dem Ruf des Kardinaldekans Giovanni Battista Re zur Aussprache vor der Papstwahl gefolgt waren.

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Aber immerhin: Papst Leo will sie alle sehen – sofern sie in der Synodenaula dabei sein können. Sein Vorgänger Franziskus hatte zu Beginn seines Pontifikats einen Rat von acht und dann neun Kardinälen berufen, die ihn bei der Leitung der Kirche mit Rat und Tat zur Seite stehen sollten. Damals ging es zunächst um die Kurienreform und die Schaffung neuer Kongregationen, später auch um die Vatikanfinanzen. Das ist jetzt anders. Mitte dieser Woche geht es um nichts Geringeres als den Kurs der gesamten Kirche – und da sollen alle Kardinäle dabei sein. Mancher hat gesagt, dass damit das Pontifikat von Papst Leo überhaupt erst beginnt.

Neustart in Einheit mit allen Kardinälen

Das ist nicht ganz falsch. Abgesehen von kleineren Eingriffen in die Abläufe der Kurie, den Bischofsernennungen in der Welt und wenigen notwendigen Personalentscheidungen hat sich Leo XIV. ganz auf das Heilige Jahr konzentriert und ein gewaltiges Programm an Jubiläumsfeiern und Audienzen absolviert. Ebenso einen ersten Auslandsbesuch, aber ein wirkliches Reiseprogramm des dynamisch wirkenden Papstes aus Amerika steht noch nicht fest.

Und bei seiner ersten und bisher einzigen Apostolischen Exhortation, „Dilexi te“ über die Liebe zu den Armen, hat er selber festgestellt, dass sie noch ein Werk seines Vorgängers ist. Nun also wird Leo XIV. durchstarten, aber mit allen Kardinälen. Das ist ein Ausdruck der Einheit, wie sie sich der Papst vorstellt und bisher schon als ein Ziel seines Petrusdienstes vorgelebt hat.

Eine auf Christus konzentrierte Einheit

Mit seinem knappen Brief vom 12. Dezember an die Kardinäle der Weltkirche, in dem er für das übermorgen startende Konsistorium die vier Programmpunkte Mission, Kirchenführung, Synodalität und Liturgie skizziert hat, hat er vier Themen auf die Tagesordnung der Beratungen gesetzt, die alle angehen, die ganze Kirche. Bei der Mission will der Papst von der 2013 erschienenen Programmschrift „Evangelii gaudium“ seines Vorgängers Franziskus ausgehen, mit der der Jesuitenpapst einen Aufbruch in Sachen Evangelisierung und apostolischer Wirksamkeit auslösen wollte.

Doch ist es dazu gekommen? Schon die Doppelsynode zu Ehe und Familie mit dem abschließenden Schreiben „Amoris laetitia“ hat zu einer Lagerbildung im Weltepiskopat (und bei vielen Gläubigen) geführt, die Kirche schien sich in ein Pro-Franziskus-Lager und einen Franziskus-skeptischen Block zu spalten – eine Zweiteilung, die Papst Leo unbedingt in einer sich auf die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus konzentrierenden Einheit wieder auflösen will.

Gemeinschaftlich für die Mission

Beim Thema Kirchenführung geht es nicht um den Vatikan, sondern um das Miteinander von römischer Kirchenführung und Ortskirchen, wobei Papst Leo durchaus für den synodalen Stil aufgeschlossen ist. Das Konsistorium in Rom ist jetzt selber der beste Beweis dafür, dass Leo XIV. auf Austausch und Dialog setzt. In seinem Brief vom 12. Dezember verwies Leo auf Artikel 4 der Kurienkonstitution „Praedicate Evangelium“, in dem es heißt, dass die Kirche als Gemeinschaft eine Kirche des gegenseitigen Zuhörens sein müsse, „bei dem jeder etwas zu lernen hat: das gläubige Volk, das Bischofskollegium, der Bischof von Rom – jeder im Hinhören auf die anderen und alle im Hinhören auf den Heiligen Geist, den Geist der Wahrheit, um zu erkennen, was er den Kirchen sagt.“

Die Erneuerung der Kirche und in ihr auch der Römischen Kurie, so heißt es in Artikel 4 der Kurienkonstitution weiter, „muss diese grundlegende Gegenseitigkeit widerspiegeln, damit die Gemeinschaft der Gläubigen der gemeinschaftlichen missionarischen Erfahrung so nahe wie möglich kommen kann, die die Apostel mit dem Herrn während seines irdischen Lebens und sodann nach Pfingsten unter dem Einfluss des Heiligen Geistes die erste Gemeinde von Jerusalem erlebt haben.“

Legitimer liturgischer Fortschritt

Bleibt das Thema Liturgie. Manche Beobachter haben das Konsistorium vorschnell auf eine Rücknahme von „Traditionis custodes“ und eine wieder liberalere Zulassung der Messe nach der außerordentlichen Form des Ritus verkürzt. Doch Papst Leo geht es – so steht es in seinem Brief vom 12. Dezember an die Kardinäle – um eine „vertiefte theologische, historische und pastorale Reflexion, ,um die gesunde Tradition zu bewahren und dennoch den Weg für einen legitimen liturgischen Fortschritt zu ebnen‘.“

Dabei verwies er auf die Konzilskonstitution „Sacrosanctum Concilium“, Nummer 23. In diesem Absatz wird ausgeführt, dass „jeweils gründliche theologische, historische und pastorale Untersuchungen“ nötig seien, wenn „einzelne Teile der Liturgie revidiert werden“ sollen, damit „die gesunde Überlieferung gewahrt bleibe und dennoch einem berechtigten Fortschritt die Tür aufgetan werde“. Daraus eine Freigabe der „alten Messe“ ablesen zu wollen, wäre eine wunschgeleitete und sehr freie Interpretation gewisser altritueller Kreise. Jetzt haben erst einmal die Kardinäle das Wort.

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