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Kann der Papst diese „Dummheit“ abwenden?

Emmanuel Macron verschiebt die Debatte um das Euthanasie-Gesetz auf nach dem Papstbesuch. Der Heilige Vater wird sich durch solche Manöver kaum an der Nase herumführen lassen.
Papst Franziskus und Emmanual Macron
Foto: IMAGO/ABACA (www.imago-images.de) | Papst Franziskus empfing Frankreichs Präsident Emmanual Macron im Oktober vergangenen Jahres im Vatikan.

Heute hätte das Gesetz zur Legalisierung der aktiven Sterbehilfe in der französischen Nationalversammlung vorgestellt werden sollen. Wegen des Besuchs von Papst Franziskus in Marseille am Samstag wurde das auf nächste Woche verschoben. Durch die französische Linke ging ein Aufschrei wegen dieses „Angriffs auf die Laizität“. „Eine Maßnahme des gesunden Menschenverstandes“, ließen Regierungskreise verlauten. Emmanuel Macron ist überdeutlich bewusst, dass Papst und Katholiken das sogenannte „Euthanasie-Gesetz“ ablehnen. 

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Pures Taktgefühl also? Oder ein reichlich fadenscheiniger Versuch, die Aufmerksamkeit während des Papstbesuchs nicht unnötig auf das Thema Euthanasie zu lenken? Immerhin hat ihm Franziskus während einer Privataudienz letztes Jahr sein Vertrauen ausgesprochen, dass Macron in Bezug auf die Gesetzgebung zum Lebensende „keine Dummheiten“ machen werde. Zu dem Zeitpunkt hatte der französische Präsident jedoch der bekannten Schauspielerin und Euthanasie-Aktivistin Line Renaud längst versprochen, den Weg zur aktiven Sterbehilfe freizumachen. Wie er danach dem Heiligen Vater noch aufrichtig in die Augen sehen und ihn glauben lassen konnte, die Sache sei noch nicht entschieden, erschließt sich dem Beobachter nicht.

Kann Franziskus Macron ins Gewissen reden?

Die Opposition der französischen Bischöfe gegen die Euthanasie beschränkte sich auf eine einzige müde Mitteilung im letzten Herbst, mit dem ehemaligen Pariser Erzbischof Michel Aupetit ist der medienwirksamste Kritiker von Macrons Gesellschaftspolitik weg vom Fenster. Die Gelegenheit ist günstig, sich öffentlich an der Seite des Heiligen Vaters zu inszenieren. Macron ist auch mit den Stimmen vieler Katholiken ins Amt gekommen, obwohl schon damals klar war, dass er gesellschaftspolitisch eine Spur der Verwüstung hinterlassen würde. Und dass die Katholiken zu gut erzogen sind, um während der Papstmesse ihrem Unmut durch Pfeifen und Sprechchöre Ausdruck zu verleihen, weiß Macron nur zu gut. Noch besser aber weiß er aber, dass der Papst selbst die aktive Sterbehilfe vehement ablehnt und keinen Zweifel an seiner Position lässt.

Einen Teil der französischen Katholiken mag Macron sich in die Tasche gesteckt haben, den Papst aber nicht. Vielleicht hofft Macron, dass auch Papst Franziskus zu gut erzogen ist, um sich in Anwesenheit des Präsidenten bei der heiligen Messe am Samstag öffentlich zur Euthanasie zu äußern. „Überlasst das Töten den Tieren“, sagte Franziskus dazu vor einiger Zeit. Die Laizität in Ehren, eine solche Aussage des Papstes am Samstag in Marseille käme für die Regierung schon einer mittelschweren Katastrophe nahe. 

Nun wird es in Marseille auch ein kurzes privates Treffen zwischen Franziskus und Emmanuel – die beiden duzen sich – geben. Macron hat sein Ding am Laufen, aber der Heilige Geist auch. Die Verschiebung, auch wenn sie seitens ihrer Macher anders gemeint ist, öffnet immerhin eine kleine Lücke, in der Franziskus Macron ins Gewissen reden kann. Als Katholik darf man hoffen und beten – auch für einen Präsidenten.

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