Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Berlin

Käßmann: Trauerkultur durch neue Begräbnisformen gefährdet

Anonyme Bestattungen oder privatisiertes Gedenken mit einer Urne zuhause würden die zivilisatorische Errungenschaft des öffentlichen Totengedenkens gefährden, meint die ehemlige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann.
Die ehemalige EKD-Vorsitzende Margot Käßmann
Foto: Holger Hollemann (dpa) | Die evangelische Theologin plädiert für eine traditionelle Bestattung mit Trauerfeier und Beileidsbekundungen am Grab.

Die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann warnt vor einem Verlust der Trauerkultur in Deutschland. Anonyme Bestattungen oder auch privatisiertes Gedenken mit einer Urne zuhause oder einem aus Asche gefertigten „Schmuckstück“ würden die zivilisatorische Errungenschaft des öffentlichen Totengedenkens gefährden. Das schreibt Käßmann in der aktuellen Ausgabe ihrer Zeitschrift „Mitten im Leben“.

Traditionelle Bestattung mit Trauerfeier und Beileidsbekundungen

Die evangelische Theologin plädiert für eine traditionelle Bestattung mit Trauerfeier und Beileidsbekundungen am Grab. Diese drücke Verbundenheit mit den Angehörigen über den Tod hinaus aus. „Das ist ein gutes Ritual, das Menschen bestärkt“, so Käßmann. Aus Kostengründen oder Bequemlichkeit darauf zu verzichten, sei falsch.

"Trauerkultur sagt etwas darüber aus,
wie wir Menschen wertschätzen"
Margot Käßmann, evangelische Theologin

Darüber hinaus betont Käßmann, dass beispielsweise auch Hartz-IV-Empfänger das Recht auf eine ortsübliche Bestattung hätten. „Trauerkultur sagt etwas darüber aus, wie wir Menschen wertschätzen“, so die frühere Bischöfin. Auf einem Friedhof würden Lebensgeschichten erzählt. Auch sie selbst besuche gerne Friedhöfe.

DT/pm/mlu

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Redaktion Evangelische Kirche Margot Käßmann Totengedenken Trauerfeiern

Weitere Artikel

Christliche Erinnerung als gesellschaftlicher Motor: Aufschlussreiches über die Memorialkultur.
23.10.2026, 15 Uhr
Urs Buhlmann
Ein Jahr nach der Liberalisierung des rheinland-pfälzischen Bestattungsgesetzes hat sich netto nicht viel geändert. Dennoch ist Wachsamkeit angesagt.
18.09.2026, 09 Uhr
Regina Einig
Ein Jahr nach dem Mord an Charlie Kirk kämpft dessen Lobbyorganisation um ihre Relevanz. Kirks Tod hat eine Lücke hinterlassen, die bislang niemand füllen konnte.
10.09.2026, 16 Uhr
Maximilian Lutz

Kirche

Künstliche Intelligenz kann Daten verarbeiten, aber keine Verantwortung übernehmen. Papst Leo XIV. verteidigte in „Magnifica Humanitas“ die menschliche Urteilskraft.
01.11.2026, 09 Uhr
Christoph Fehring
Der Gang zum Friedhof an Allerseelen kann schmerzlich sein. Doch Christen haben eine Hoffnung. Der Ackermann aus Böhmen zeigt, wie Klage und Glaube zusammenfinden können.
02.11.2026, 06 Uhr
Dorothea Schmidt
Es gibt ab Samstag neue US-amerikanische Selige: Fünf Franziskaner, die 1957 von Ureinwohnern in Georgia ermordet wurden. Der Grund: Sie verteidigten die monogame Ehe.
31.10.2026, 05 Uhr
Claudia Kock
Ist es falsch, dass die Kirche sich gegen die Todesstrafe stellt? Nein, denn jeder Mensch hat eine unantastbare Würde. Und zwar nicht erst seit Papst Franziskus.
29.10.2026, 21 Uhr
Maximilian Welticke